Bruchsal und der Schwerlastverkehr

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Wie schlimm muss es denn noch werden?
Montag, 21. Dezember 2009 - 11:56
LKW
Nicht dass Bruchsal in der Vergangenheit keine Probleme mit dem Schwerlastverkehr gehabt hätte, aber seit der Einführung der LKW Maut auf den Autobahnen und der massenhaften Verbreitung von Navigationssystemen mit der unsäglichen Funktion „Kürzeste Strecke“, ist die Belastung in Bruchsal nahezu unerträglich.
Es ist für mich immer wieder erstaunlich, einen LKW Fahrer mit einem 38 Tonner zu sehen, der sich tatsächlich durch die Bruchsaler Innenstadt schlängelt. Da ich aber auch schon des öfteren hinter einem LKW stand,der die Strasse blockierte und weder vorwärts noch rückwärts fahren konnte, bevor man nicht einige geparkte Autos entfernte, hat sich mein Erstaunen in einigen Fällen schon in Wut und Verzweiflung gesteigert.
Immerhin haben Politik und Verwaltung auf das Phänomen reagiert und zumindest Nachtfahrverbote von 22.00h bis 6.00h an verschiedenen Durchgangsstrecken erlassen. So zum Beispiel auf der B3 Richtung Untergrombach und der B35 Richtung Bretten (siehe Bilder).
Aber auch hier gilt, was nützt es, wenn Verbote bestehen, deren Befolgung jedoch nicht überwacht wird?
Jahreszeitbedingt fuhr ich in den letzten Tagen mehrfach nach 22.00h auf genau diesen Strecken bzw. Stellen, die diese kreuzen, z.B. die Kreuzung am Prinz Max. Und was konnte ich feststellen? LKW brummen um 23.15h den Berg nach Bretten hinauf (ja, den mit der neuen Kriechspur) als ob es kein Morgen gäbe…Das gleiche auf der B3 Richtung Untergrombach alleine am Freitag Abend habe ich in 5 Minuten unterhalb der IU um 22.45h vier (!!!) LKW vorbeibrausen sehen. Und es waren keine Kühllaster o.ä. für die es wohl Ausnahmegenehmigungen gibt.
Ich möchte gar nicht wissen, wie es für die Mitbürger sein muss, die an der Grabener Strasse, der Durlacher Strasse und der Karlsruher Strasse wohnen und nachts schlafen wollen.
Will die zuständige Polizeibehörde diese Fahrverbote nicht forcieren, oder kann sie es nicht?
Was sind die tatsächlichen Gründe dafür, dass hier nichts unternommen wird? Vielleicht institutionalisiert sich ja irgendwann einmal eine Art Bürgerwehr mit Kameras bewaffnet, die sich an den entsprechenden Stellen platziern und das Ganze mal dokumentiert…
LKW 2

Schild Richtung Bretten

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Kommentare

Das Problem bei dieser Sorte

Das Problem bei dieser Sorte Fahrverbot ist die Definition von "Durchgangsverkehr" (Definition hier, 30.1):

Diese nur mit Zeichen 253 zulässige Kombination beschränkt das Verkehrsverbot auf den Durchgangsverkehr mit Nutzfahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 12 t. Durchgangsverkehr liegt nicht vor, soweit die jeweilige Fahrt

a) dazu dient, ein Grundstück an der vom Verkehrsverbot betroffenen Straße oder an einer Straße, die durch die vom Verkehrsverbot betroffene Straße erschlossen wird, zu erreichen oder zu verlassen,

b) dem Güterkraftverkehr im Sinne des § 1 Abs. 1 des Güterkraftverkehrsgesetzes in einem Gebiet innerhalb eines Umkreises von 75 km, gerechnet in der Luftlinie vom Mittelpunkt des zu Beginn einer Fahrt ersten Beladeortes des jeweiligen Fahrzeugs (Ortsmittelpunkt), dient; dabei gehören alle Gemeinden, deren Ortsmittelpunkt innerhalb des Gebietes liegt, zu dem Gebiet, oder

c) mit in § 1 Abs. 2 des Autobahnmautgesetzes für schwere Nutzfahrzeuge bezeichneten Fahrzeugen durchgeführt wird.

Wer also entweder ein Grundstück beliefert, das über die B35 zu erreichen ist (und es gibt eine ganze Menge größerer Betriebe in Heidelsheim, Helmsheim, Bretten, Gölshausen, Oberderdingen, ...) oder sein Fahrzeug im Umkreis von 75 km(!) beladen hat, darf völlig legal dort langfahren. Das kann man zwar durchaus kontrollieren und dem Vernehmen nach passiert das auch, aber es bleiben eine Menge Lkw übrig die eben einfach trotzdem fahren dürfen.

Sachgerechter wäre es wohl, wenn man an Stelle der Fahrverbote auch Bundesstraßen bemauten und die Einnahmen in Umgehungsstraßen und -wo das nicht geht- in zusätzlichen Lärmschutz investieren würde. Nach offizieller Begründung sind Bundesstraßen vor allem deswegen mautfrei, weil ansonsten lokale und regionale Fahrten zu stark belastet werden würden; diese liessen sich ohne weiteres aber auch dadurch entlasten dass man die (für schwere LKW nicht unerhebliche) Kfz-Steuer abschafft bzw. in ein entsprechendes km-Guthaben umwandelt.

Denkanstoss

Sehr geehrter Herr Wolf,

möchten nicht auch Sie morgens Ihre Sonderangebot beim Supermarkt abholen? Oder schon einmal an die Arbeitsplätze gedacht welche von der Verkehrsgastronomie abhängig sind?

Mit freundlichen Grüßen Frank Metzger

Als Bewohner der Durlacher

Als Bewohner der Durlacher Str. kann ich ihnen versichern, das der Schwerlastverkehr unser geringstes Problem ist...

Die rollenden Discos und kavalierstartenden "Zeitgenossen" nerven erheblich schlimmer. Ein 40 t macht weniger Lärm und kommt auch sehr selten um 1 Uhr Nachts mit blökenden Hupen um die Ecken.

Ich freue mich schon auf die Fussballweltmeisterschaft...

Verkehr muss sein - aber bitte nicht vor meiner Tür

Man kann trefflich darüber streiten, ob es sinnvoll und ökologisch ist, dass so viel transportiert wird. Ohne dass wir unseren Lebensstil grundsätzlich ändern, wird sich an der Tatsache "Verkehr muss sein" nicht rütteln lassen.

Das Bundesverkehrsministerium prognostiziert sogar ein Verkehrswachstum im Güterverkehr bis 2025 von etwa 70%. Das Wachstum des Güterverkehrs hat sich schon lange vom Wachstum des Bruttosozialproduktes abgekoppelt.

Ziel der Bundesregierung und der Europäischen Union ist es, einen Großteil des Verkehrswachtums auf die sogenannten alternativen Verkehrsträger Binnenschiff und Bahn zu verlagern.

Für Bruchsal läuft es leider auf das Gleiche hinaus, wenn wir uns die Bahnstrecke an der Tunnelstrasse betrachten bzw. anhören. Denn leider muss heute ein Grossteil des Güterverkehrs auf der Bahn in den Nachtstunden stattfinden, damit die andere wünschenswerte Verkehrsverlagerung - weg vom PKW - nicht behindert wird.

So oder so, modernes Leben bedingt Güterverkehr. Wir müssen dringend darüber nachdenken, wie dieser so gestaltet werden kann, dass die Menschen die an den Magistralen dieser Güterströme leben, dies auch noch in Zukunft ohne gesundheitliche Schäden können. Dazu sind erhebliche Investitionen un die Infrastruktur notwendig.

anderer Ansatz statt Infrastruktur Ausbau?

es ist zwar richtig, daß unsere Infrastruktur an ihre Grenzen stößt, aber ist Ausbau der einzige Weg aus diesem Dilemma?

Ich finde nein! Ein Weg in die richtige Richtung wäre die Verminderung der Transporte. Es muß nicht sein, daß Nordseekrabben "frisch" in den Markt kommen, nachdem sie in Afrika zum Schälen waren, oder?

Ich halte es für erheblich sinnvoller lokale Produkte wo immer zu verwenden- klar immer geht das leider nicht.

Wäre es nicht ein Versuch hier auf bruchsal.org zu sammeln, was man in Bruchsal und Umgebung alles erzeugt und auch kaufen kann?

Ich kaufe z.B. meine Äpfel gerne bei Familie Schäfer in der Kaiserstrasse (ich glaube Hausnummer 1). Dort ist im Herbst immer ein Verkaufsstand im Hauseingang.

Verminderung der Transporte

Es gibt immer wieder das Beispiel der Nordseekrabben, die in Marokko gepult werden. Schön ist auch der Joghurtbecher, der bevor er beim Verbraucher landet schon 3.000 km Reise hinter sich hat. Das sind Beispiel über Auswüchse - oder auch notwendiger Nachteile - einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Diese arbeitsteilige Gesellschaft funktioniert mittlerweile Global und es gibt aus meiner Sicht wenig, was dies ändern wird, wenn wir bezahlbare Kleidung, Elektronik etc haben wollen.

Der Notebook an dem ich hier diesen Kommentar schreibe wird niemals (mehr) in Europa, Deutschland oder gar Bruchsal hergestellt werden. Interessanterweise wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kiste, in der er in China verpackt und auf die Reise nach Europa geschickt wurde, aus Papier hergestellt, das in China oder Vietnam aus Altpapier ehrgestellt wurde, das einst bei mir vor dem Haus im "grünen Otto" gelandet ist. Der Zellstoff für dieses Papier kam da vermutlich aus Kanada oder Finnland.

Es ist mittlerweile erwiesen, dass es ökologisch günstiger ist, Tomaten in Spanien oder Marokko zu züchten und dann nach Deutschland zu bringen, als die in Deutschland (oder gar den Niederlanden) in Treibhäusern wachsen zu lassen. Im Süden scheint einfach häufiger die Sonne.

Die Alternative wäre: Keine Tomaten essen!

Die Aufgabe ist es nun zu überlegen, wie kann der Transport aus Spanien so umwelt- und menschenschonend wie möglich organisiert werden. Da ist der Kühl-Lkw nicht die einzige und beste Lösung. Am Ende wird aber immer eine mehr oder weniger lange Strecke mit dem Lkw absolviert werden müssen.

Äpfel aus Bruchsal sind aber dennnoch eine tolle Idee. Wer weiss ncoh mehr?

Tomaten im Dezember

Das muss nicht sein.
Man kann deutsche - huch! - Tomaten im Sommer essen - die wachsen hier ja dank Klimawandel immer länger - und im Herbst oder Winter ein anderes Gemüse.
Das hat einige tausend Jahre funktioniert.
Basta!

besondere Ausnahmen

klar mag es ökologisch sinnvoller sein Obst um die halbe Welt zu schippern als es monatelang im Kühlhaus (welches eben auch Energie benötigt) aufzubewahren. Noch ökologischer wäre es aber saisonnahes Obst zu verwenden!

Natürlich können wir die Globalisierung nicht zurückdrehen (wollte ich auch gar nicht), aber mit etwas Nachdenken und Informationen könnte man die Transportnotwendigkeit zumindest reduzieren.

Tomaten aus dem Garten

Bis in den Dezember hinein habe ich Tomaten aus dem Garten gegessen und auf dieses saisonale Gemüse freue ich mich dann wieder acht Monate lang, bis die nächsten Tomaten wieder geerntet werden können. Die schmecken viel, viel besser, als diese Kunstprodukte vom Supermarkt. Hubert Ihle hat völlig recht: Wir sollten wieder das essen, was in der Fruchtfolge zur Verfügung steht und eben auf das eine oder andere Gemüse außerhalb der Saison verzichten.

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