Bruchsal: der Schwalben-Tempel

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Ein Standortvorteil der besonderen Art
Donnerstag, 22. Mai 2014 - 12:43

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Bürgermeister Hockenberger brütet. Nein, er brütet keine Schwalben aus – dafür ist er nicht zuständig. Zuständig ist er für Bordstein-Schwalben, deren Vermehrung fleißig fortschreitet. Er brütet über seinen Akten. Oder ist der Bürgermeister ein Tierschutz-Fan der besonderen Art? Denn von der speziellen Schwalben-Sorte gibt es in Bruchsal mittlerweile eine ganze Menge – entschieden zu viele, wie die Bürger meinen.

Die benachbarten Großstädte Karlsruhe und Mannheim haben aufgeräumt. Alle (Bordstein-)Schwalben sind ausgeflogen – denn dort will sie niemand sehen. Die Ordnungsämter dieser Großstädte sind ihrer Ordnungs-Pflicht nachgekommen und lassen ungeregelte Flugbewegungen nicht mehr zu. Jetzt sind diese alle in Bruchsal gelandet – 30 Frau stark, wie berichtet wird. Also eine ganze Menge. Die Bürger meinen zu Recht: viel zu viele.

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Für bedürftige Männer wird seitdem im Übermaß gesorgt. Dumm nur, dass die Nachfrager nicht nur aus Bruchsal kommen. Es spricht sich natürlich herum, dass Bruchsal verkehrsgünstig liegt und das in doppeldeutiger Hinsicht. Denn es liegt auf der Hand, dass ein so hoher lokaler Bedarf nicht besteht. Sonst müsste man ja annehmen, dass die Bruchsalerinnen schrecklich prüde sind und ein furchtbarer, ungewöhnlicher Notstand in der Bruchsaler Männerwelt besteht. 

In Wahrheit führt die Untätigkeit des Bürgermeisters dazu, dass Bruchsal zum Vogel-Mekka geworden ist. Die Suche nach Bordstein-Schwalben in anderen Städten wird der geneigte Interessent mehr oder weniger entnervt aufgeben müssen – die sind wohl alle nach Bruchsal umgezogen.

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Es dürfte pädagogisch wenig wertvoll sein, wenn Minderjährige an praktisch jedem Eck eine Prostituierte stehen sehen und diese Damen auch noch mit völlig unterentwickeltem Schamgefühl ausgestattet sind. Doch dies ist natürlich branchenspezifisch.

Das Profil der Stadt leidet und dadurch leiden zunehmend auch die Geschäftsleute anderer Branchen. Der Negerkuss-Verkäufer in der Heidelberger Straße, um das Beispiel eines Straßen-Verkäufers zu wählen, verkauft keine Neger-Küsse mehr (für politisch Korrekte: gemeint sind Mohrenköpfe).

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Er hat sich aus dem Staub gemacht, es war wohl offensichtlich ein zu prüder Pfälzer. Die Konkurrentinnen haben ihn aus dem Feld, pardon, von der Straße geschlagen. Das benachbarte Weingut, gerade erst zu DEM badischen Spitzenweingut gekürt, erfreut sich einer geschäftstüchtigen Nachbarschaft, die – schamhafte – Weinkäufer zum Weiterfahren motiviert.

Kurz gesagt und auf den Punkt (nicht Strich) gebracht: Bruchsal – von alters her konservativ – ist DER sichtbare Mittelpunkt Straßenprostitution, weit über Baden hinaus. Dies ist nicht nur optisch ein zweifelhafter Gewinn, es ist wirtschaftlich nachteilig und pädagogisch nicht zielführend. 

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Der Ruf der Stadt ist zudem im „Milieu“ offensichtlich auch stationär herausragend. Die Industriestraße beherbergt – genauso sichtbar – einige Betriebe, die mehr anbieten als Wein und Bier. Auch hier gilt: die Stadt hat auch im stationären Bereich eine deutsche Spitzenposition erklommen (besser gesagt: sich erlegen). Wer sich mal die Mühe macht, im Internet nach nächtlichen Freuden zu suchen, findet in nah und fern nicht so viele Liegeplätze wie in Bruchsal. Die Engel, die in diesen Etablissements für Männerfreuden sorgen, werden auch professionell betreut und vor Straßenmädchen geschützt: Die Hells Angels, wie kolportiert wird.

Die „Erdbeermund“-Werbung an der A 5, schon für sich betrachtet nicht erstrebenswert, steht sichtbar für mehr, als für das, was dort angeboten wird. Sie ist zunehmend das Signal, dass das Mittelzentrum Bruchsal ein bedeutender Arbeitgeber im Liegebereich ist.

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Höchste Zeit, dass sich die Männer, die sich am Wochenende viele christlich-demokratische Gemeinderatskollegen wünschen, schleunigst ihrer Kernkompetenz zuwenden, die ihre Wählerinnen und Wähler ihnen offenkundig irrtümlich zuschreiben: Zucht und Ordnung – da war doch mal was ...

 

Jürgen Schmitt, Gemeinderatskandidat.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.7 (19 Bewertungen)

Kommentare

Schmitts Kasperletheater

Rund siebzig Zeilen Prosa, aufwendig illustriert, keine belastbaren Zahlen, sonstige unklare (Orts)-Angaben, keine Namen. Nur ansatzweise eine Schilderung von Problemen, die selbst nicht verifiziert wurde. Hingegen Vermutungen über Vermutungen, keine wirkliche Auseinandersetzung mit der Realität und der Problematik von Prostitution.
Diese gibt es seit Urzeiten in Bruchsal.

Was will "Jürgen Schmitt, Gemeinderatskandidat." , wenn ihn der Wähler in sein Amt befördert?

Soll das Jagdrecht insofern geändert werden dass die Schonzeit für Wildschweine und Bordsteinschwalben aufgehoben wird?
Sollen jetzt die Jäger mit ihren Büchsen auch noch für diese Spezies herhalten, wo sie gerade damit beschäftigt sind, einen durchwandernden Wolf nicht mit einem Hund zu verwechseln?
Provoziert Schmitt nicht die Naturschutzverbände, wenn er die Schador-Pflicht für Schwalben fordert?
Müsste nicht das Tierheim mit Kosten in beträchtlicher Höhe erweitert werden, um eine artgerechte Unterbringung dieser schrecklichen Vögel zu gewährleisten?

Kann man so was wollen?

Sperrbezirk.

Sperrbezirk.

Und die Chefin vom BM Hockenberger?

Die war doch mal bei der Kripo - oder so. Und Juristin ist sie auch.
Was meint die denn zu dem Thema?
Oder ist das für die Dame uninteressant - als Fotomotiv wenig geeignet, deshalb...?

Wer überwacht dann

die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, damit die nicht mit Naturalien bestochen werden?
Gibt es für die dann Dienstwagen oder Dienstfahrräder?
Kann die geneigte Leserin dann angstfrei ihren Hummer
unbelästigt in der Fußgängerzone parken?

Feldstudie

Jürgen Schmitt schrieb: "Das Profil der Stadt leidet und dadurch leiden zunehmend auch die Geschäftsleute anderer Branchen. Der Negerkuss-Verkäufer in der Heidelberger Straße, um das Beispiel eines Straßen-Verkäufers zu wählen, verkauft keine Neger-Küsse mehr (für politisch Korrekte: gemeint sind Mohrenköpfe). Er hat sich aus dem Staub gemacht, es war wohl offensichtlich ein zu prüder Pfälzer. "

Meine soeben (22.05.2014- 17.20 bis 17.34)erfolgte "Feldstudie" brachte folgendes zutage:

1. Der Pfälzer Süßwarenverkäufer war nicht am Ort.
Man hätte ihn auch gar nicht bemerkt. Dir Lokalität war zugestellt mit quadratmetergroßen Wahlplakaten von CDU und SPD. Eine wesentlich kleinere Tafel der Piraten gesellte sich dazu. (Außenwerbung ist doch verboten, oder irre ich mich?)
2. Es gab eine junge Frau in Shorts und BH am Straßenrand, die vorbeifahrenden Autos mit zappelnden Fingern zuwinkte. Hinter den Wahlplakaten entdeckte ich sie ganz zuletzt.
Bei meiner Rückfahrt, knapp eine Viertelstunde später war sie immer noch da.

Die Wahlplakate übrigens auch, obgleich seit Stunden schwere Gewitter für unsere Gegend mit hohen Windgeschwindigkeiten angesagt sind.

Ich hoffe, die Verantwortlichen der Parteien sind noch rechtzeitig zur Stelle, um diese drohenden Eingriffe in den Straßenverkehr zu unterbinden.

Wahlkrampf

"Dumm nur, dass die Nachfrager nicht nur aus Bruchsal kommen."

Ansonsten ist man doch auch nicht so prüde und macht die Stadt bekannt, um Menschen nach Bruchsal zu locken, selbst mit Spargel, der nicht aus Bruchsal ist und mit Mozart, der mal durchgefahren ist.

Da tut der Staat alles, um die Liebesdienerinnen hoffähig zu machen und stört sich an den fälligen Steuern nicht. Und da kommt ein Gemeinderatskandidat und müpft auf.

Die Suche nach Bordstein-Schwalben in anderen Städten wird der geneigte Interessent mehr oder weniger entnervt aufgeben müssen – die sind wohl alle nach Bruchsal umgezogen.

Also wenn das alle sind, die in anderen Städten waren, dann besteht sicher noch Zuzugsbedarf. Schließlich gilt auch hier die Arbeitszeitordnung.Sind es eigentlich nicht Männer, die diese Dienste nutzen? Das müssen doch viele sein, um das Gewerbe attraktiv zu halten.

Ehrlich gesagt, es gäbe so viele Themen, die ein Gemeinderatskandidat aufgreifen könnte um seine Wahlchancen zu erhöhen. Ob das Doppelmoralthema das geeignetste ist, ich kann es mir nicht vorstellen.

"Zucht und Ordnung" - ja das kommt mir bekannt vor. Dafür soll es früher große Einrichtungen gegeben haben.

Die Artikel-Frequenz...

mancher Gemeinderäte hier auf bruchsal.org steigt vor der Wahl steil an, um danach ebenso steil wieder abzusinken....  :-)

Zu einfach gemacht

Schauen Sie sich mal diese kürzlich gesendete Doku des SWR an. Wenn man diese Frauen (hoffentlich) auch nicht alle in Bruchsal braucht, so erfährt man doch eine Menge über deren tragisches Schicksal als auch über die fragwürdige soziale Kompetenz deutscher Freier.

http://swrmediathek.de/player.htm?show=7d37b420-dbab-11e3-829e-0026b975f2e6

Sperrbezirk.

 Zitat Jürgen Schmitt: Sperrbezirk.

Jo. Wer Sperrbezirke benennt, muss dafür andere Bereiche ausweisen, in denen es zulässig ist.

Also verlagern wir das "Problem" von dem Eine zum Anderen. Damit Besucher  eines bestimmtes Weinguts sich nicht mehr "Belästigt" fühlen, lassen wir die Anwohner, Geschätsleute in anderen Gebieten belästigen? Sehr Plausibel...

Zu "Kleidung"... nun ja... ich weiss nicht, wann Herr Schmitt, das letzte mal durch die Fussgängerzone gegangen ist... wenn nur die entsprechenden "Schwalben" so gekleidet sind, dann muss auch die Fussgängerzone "Sperrbezirk" werden... vielleicht wird dann dort auch der Durchgangsverkehr der Autos etwas weniger, immerhin Parken dort ja auch die Autofahrer aus weitem Umkreis, inkl. Frankreich, Holland usw...

Und... die politisch Korrekten "Mohrenköpfe" sind schon an vielen Stellen wieder verschwunden und wieder aufgetaucht... und dort waren garkeine Schwalben...

Süffisanz und Störfaktor

Hätte Jürgen Schmitt den Beitrag auch dann verfasst, wenn sich gehäuft Prostituierte z. B. in der Südstadt (als "sozialem Brennpunkt") oder in Parks/Straßen der Kernstadt aufhalten würden - also nicht in Nähe eines renommierten Weingutes, in Schlossnähe und vor allem in Nähe seines Büros?
Stört nur der "falsche Ort", weniger die Tatsache an sich?
Wenn schon, dann bitte sehr woanders ...

Mich stört vor allem die männliche Süffisanz, mit der hier über die "Bordsteinschwalben" berichtet wird, die Herzchen-Illustration des Artikels - in Zeiten von Flatrate-Sex-Dumping-Preisen, AIDS und Ausbeutung von Frauen aus Osteuropa.
Selbst Bruchsal ist da keine Provinz-Enklave, wo "Friede, Freude, Eierkuchen" herrscht - auch was dieses Gewerbe betrifft.

Den Artikel hätte ich spontan eher einem strammen CDU-ler und Unternehmer mit mittelständischem Handwerksbetrieb zugeordnet.

Tut mir leid, aber es hat mich in der Tat sehr überrascht und befremdet ...

@Jürgen Schmitt, Gemeinderatskandidat

Um es einmal aus meiner Sicht zu erklären:

Wir leben seit 25 Jahren in einer intakten Ehe, aus der zwei Kinder, die ebenfalls auf eigenen Füßen stehen, hervor gegangen sind. Sicher gibt es in jeder Beziehung Meinungsverschiedenheiten, bei denen beide Seiten Kompromisse eingehen müssen.
Warum sollen wir uns den Kopf darüber zerbrechen, wie andere ihren Lebensunterhalt bestreiten? Ist dies nicht diskriminierend gegenüber den Frauen? Wenn diese Dienstleistung keiner nutzen würde, wäre sie auch nicht vorhanden. Ist dies ein Zeichen dafür, dass es in Bruchsal und Umgebung viele unbefiedigende Beziehungen gibt?

Wenn es Herrn Schmitt stört, wer hält ihn fest, seinen Wohnsitz und sein Büro zu verlagern? Oder soll dieser Arikel von unbequemen Tatsachen ablenken...?

"Sondernutzung"?

Wie wäre es denn damit,

Frau Oberbürgermeisterin,
Herr Stadtrat,
Herr Bürgermeister,
Herr Ordnungsamtsleiter,
Frau XYZ?

Straßengesetz für Baden-Württemberg
(Straßengesetz - StrG)
in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Mai 1992
§ 16
Sondernutzung

(1) Die Benutzung einer Straße über den Gemeingebrauch hinaus (Sondernutzung) bedarf der Erlaubnis. Die Erlaubnis darf nur auf Zeit oder auf Widerruf erteilt werden...

"Sondernutzung" - das Schweigen...

... der ansonsten dauerkommentierenden Kämpfer für Recht und Freiheit usw. ist wieder einmal bemerkenswert...
Selbst wenn der Hinweis Unsinn wäre - schreibt's doch einfach mal wieder...

Wo bleibt die Brusler Frauenbewegung?

Ja, wo ist die denn?
Wird dieses die Frauen so sehr betreffende Thema völlig den Männern überlassen?!
Frau Ganter, meine Damen!
Und die Oberbürgermeisterin schweigt auch dazu?!

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