Brillenträger haben's schwer in Bruchsal

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Donnerstag, 31. März 2011 - 14:24

Das muss ich jetzt doch los werden.

Brille

So ganz auf der Höhe der Zeit ist meine Brille nicht mehr. Sprich: Meine Sehkraft hat sich im Laufe der Jahre wieder etwas verschlechtert. Ergo ist der Besuch eines Augenarztes angesagt, um meine Augen neu vermessen zu lassen. Die Brillenfassung muss man sich ja nicht mehr verschreiben lassen, da diese schon seit Jahren von den Kranken selbst zu bezahlen sind.

Daher rufe ich bei einer  bekannten Bruchsaler Augenarztpraxis, einer Praxisgemeinschaft, an.

Eine nette Dame begrüßt mich herzlich am Telefon und fragt nach meinem Begehr. Ich sage ihr, dass meine Augen untersucht werden müssen, da sich diese im Laufe der Jahre verschlechtert haben und eine neue Brillenfassung sei auch nötig.

Freundlich fragt die Dame, ob ich denn schon mal bei ihnen gewesen sei, was ich verneine. Die nächste Frage ist, "bei welcher Krankenkasse sind Sie denn?". Gerne gebe ich der Telefondame diese Auskunft: "ich bin bei der BKK XYZ", also einer gesetzlichen Krankenkasse.

Weiterhin äußerst freundlich sagt mir die junge Dame darauf hin tief bedauernd: "Wir haben leider eine Warteliste bis Ende des Jahres. Diese Warteliste ist sehr voll. Ich kann Sie gerne auf diese Liste setzen und Ihnen, wenn wieder ein Termin frei sein sollte, diesen mitteilen. Sie dürfen sich aber selbstverständlich gerne an eine andere Augenarztpraxis wenden."

Hier stellen sich mir zwei Frage: Frage eins: Warum wurde am Telefon nach der Krankenkasse gefragt, das ist doch eher unüblich? Frage zwei: Hätte es diese Warteliste für mich auch gegeben, wenn ich privat versichert wäre?

© Rolf Schmitt

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Kommentare

Fragen...

...kostet nix, lieber Rolf.

Zu Deiner ersten Frage: Sie ist berechtigt, aber Du weißt sicher selber, warum das geschah. Und: Das ist alles andere als unüblich.

Zu Frage 2: Eindeutig Nein. Du wärst in ca einer Woche oder so drangekommen.

NEIIIIIIIIIIIIIN, es gibt bei uns keine Zweiklassen-Medizin.

Weiterer Zeuge und Tipp

Erstens habe ich derartige Telefonate - ich meine sogar: In dieser Praxis - bereits des öfteren mit anhören müssen und mich darüber geärgert, obwohl ich selbst privat krankenversichert bin (Entschuldigung!!! Kann nichts dafür, wirklich!) und
zweitens einen Tipp: In Zukunft bist du ein Notfall. Lass dir was einfallen - notfalls etwas Pfefferspray. Oder behaupte, du würdest schwarze Punkte vor einem Auge sehen.
Oder mach dein Brillenglas kaputt.

Nicht abweisen lassen!

Hallo Herr Schmitt,

Ihr Anliegen schlägt ja genau in mein Fach und dazu kann ich folgende Ratschläge und Hinweise geben:

1) Eine Wartezeit bis Ende des Jahres ist definitiv rechtlich unzulässig!!! Beschweren Sie sich bitte mit Hinweis auf das SGB V (Sozialgesetzbuch Fünftes Buch) bei der Krankenkasse und bei der Ärztekammer. (Anm.: Solche Machenschaften bei der Terminvergabe will die SPD unter Strafe stellen...Wer nicht binnen 14 Tage einen Termin hat, kann dann den Arzt anzeigen)

2) Noch beim DGB-Podium zur LTW im Schlachthof sprach der Vertreter der AOK über genau dieses Thema und hat darauf hingewiesen, dass sich die Kasse in solchen Fällen um einen Termin kümmert. Dafür gibt es ca. 40 Zeugen und ich würde Ihre BKK darauf hin ansprechen.

3) Seit rund 40 Jahren dürfen auch Augenoptiker die Stärken prüfen. Dies geschieht meist gründlicher, als es ein Augenarzt in den statistischen Achtminuten"behandlungen" hinbekommt. Solange also keine Vorsorgeuntersuchungen zu machen sind oder pathologische Gründe einen Arztbesuch indizieren, sind Sie beim Optiker mindestens genauso gut aufgehoben. Übrigens zahlt die Kasse in Ihrem Fall für Brillen keinen Cent mehr - weder für Gläser noch für die Fassung, da Sie leicht über 18 Jahre alt sind.

4) Bitte solche Praxen unbedingt an den Pranger stellen! Es gibt Bewertungsportale (z.B. "docinsider"), wo man Arztpraxen, Optiker, Physiotherapeuten etc. bewerten kann. Ihr Eintrag muss natürlich der Wahrheit entsprechen, aber irgendwann fallen dann solche Ignoranten auf.

Lassen Sie sich nichts gefallen! Ich werde dazu noch Vorträge abhalten, denn die wenigsten Patienten kennen ihre Rechte gegenüber Kassen und Ärzte.

Test "erfolgreich"

Ich habe Herr Schmitt gestern darum gebeten mir die Telefonnummer zu übermitteln.

Ich bin privat versichert und wollte einen Termin:

Auch bei mir ging wohl die oben erwähnte junge Dame ans Telefon, ich sagte, ich möchte nur mal zu einer kleinen Kontrolle kommen da ich mir eine neue Brille zulegen möchte.
Erste Frage auch hier: "Waren Sie schon einmal bei uns?" - "Nein".
Zweiter Frage, wie sollte es anders sein: "Wie sind Sie versichert?" - "HUK Coburg, privat".

Die junge Dame entschuldigte sich, und legte mich in die Warteschleife.
Eine, von der Stimme her ältere Dame meldete sich eine halbe Minute später: "Hallo Herr Gebhardt, vielen Dank, das Sie gewartet haben, ich übernehme jetzt das Gespräch"

Ihre Fragen waren dann nur noch ob der Arzt egal ist, was ich mit einem überzeugten "Ja" bestätigte.
Direkt danach kam die Frage, ob ich denn am Dienstag Zeit habe. "10:45 Uhr, ist Ihnen das recht? - alternativ ist es auch Donnerstag möglich!"
Ich wollte gerade den Dienstag bestätigen als die Dame dann noch eine wirklich, selbst für mich überraschende Frage stellte: "Oder ist es dringend?"

Ich möchte Herrn Schmitt bitten, diesen Termin wahrzunehmen. Sie können einfach sagen, sie seien mein Bruder und ich kann nicht, aus diesem Grund wollten Sie Termine tauschen, ich komme dann am Ende des Jahres dort vorbei ;)

Was am schlimmsten an der Sache war, diese Frage, ob es dringend sei. Hätte ich das auch noch bestätigt wäre der Termin wahrscheinlich schon heute.

Man darf in Deutschland niemanden an den Pranger stellen, aber eigentlich sollte man mit einem Mikrofon und weiteren Journalisten am Dienstag 10:45 Uhr dort auftauchen und um Rechenschaft bitten. Ich wäre sofort dabei.

Beste Grüße,
Martin

Deutschland ist ein föderaler

Deutschland ist ein föderaler Staat mit einer sozialen Marktwirtschaft. Genügend Beispiele (jeder kennt eines) zeigen wie unser Sozialsystem sowohl von privater, wirtschaftlicher und politischer Seite geplündert wurde. Anscheinend gibt es immer noch Narren die meinen unser Sozialsystem ist aufrecht zu erhalten. Mit was?? Zeitarbeit? Geiz ist geil? Billigtextilien? Schwarzarbeit? Unkontrollierte Vergabe von Sozialleistungen? Wir haben uns von einem gemeinsamen (sozialen) Volk in ein Volk von Egomanen verwandelt. Bewusst oder unbewusst . Weshalb sollte ein Arzt eine Ausnahme sein ?

Ramschladen oder Arztpraxis

@Gast

Das werde ich Ihnen sagen....: Ein Arzt ist Leistungserbringer für die Krankenkasse, mit der man einen Versicherungsvertrag geschlossen hat! Für den entrichteten Beitrag schulden die einem eine Leistung, die der Arzt zu erbringen hat. Erbringt er diese nicht oder nach beliebigem Ermessen, ist das ein Rechtsverstoß. In Bayern hat das dazu geführt, dass die Hausärzte ihren Prozess verloren haben, weil sie sich zur Leistung verpflichtet haben.

Außerdem leisten die Ärzte einen Eid und unterliegen einer Berufsordnung. In dieser steht u.a.(Auszug)

§ 2 Allgemeine ärztliche Berufspflichten

(1) Ärztinnen und Ärzte üben ihren Beruf nach ihrem Gewissen, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit aus. Sie dürfen keine Grundsätze anerkennen und keine Vorschriften oder Anweisungen beachten, die mit ihren Aufgaben nicht vereinbar sind oder deren Befolgung sie nicht verantworten können.

(2) Ärztinnen und Ärzte haben ihren Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ihnen bei ihrer Berufsausübung entgegengebrachten Vertrauen zu entsprechen.

Zitat Ende.

Jedem Arzt, der seine Patienten unter kommerziellen Aspekten einteilt, untersucht und behandelt, gehört deshalb die Approbation entzogen.

Das ist jetzt alles nicht

Das ist jetzt alles nicht wahr, oder? Oh Mann... Man kriegt das kalte Grausen :-(

Zusatzverschreibungen....

Wenn Sie noch dazu Donnerstags auf MDR mal Escher gekuckt hätten, würden Sie gesehen haben, dass zahlreiche Ärzte nebenbei noch völlig unnötige Gels, Salben oder anderen teilweise homöopathischen Schnickschnack verschreiben. Ein Arzt aus Hessen hat dazu ein Stockwerk höher sogar eine von seiner Frau betriebene Heilpraktikerpraxis eingerichtet, wo man die Rezepte gleich einlösen kann - spart den Gang zur nächsten Apotheke wo man vielleicht mal gefragt würde für was man das überhaupt verschrieben bekommen hat.

Über sonstige ärztliche Zusatzleistungen schweige ich mich jetzt aus.

Kein Wunder allerdings, wenn überfüllte, gutgehende Praxen von den Krankenkassen abgemahnt werden, weil sie zu viele Patienten behandeln und der nächste Facharzt ist ja auch nur eine gute Autostunde entfernt....

Wie gesagt, schauen Sie mal Escher, dann gehen Ihnen die Augen auf!!!

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