Borreliose und FSME: Panik ist oft nicht angebracht

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Das IQWIG: Gefahr durch Zecken wird überschätzt
Sonntag, 15. April 2012 - 20:45

Nur jeder 100ste Zeckenstich würde Borreliose auslösen, noch deutlich seltener würde FSME ("Hirnhautentzündung") übertragen..., das ist die wesentliche Meldung des "Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWIG)

Hier findet Ihr den kompletten und lesenswerten Artikel.

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Kommentare

Schuster, bleib bei deinem Leisten

Ich halte das IQWIG nicht für das geeignete Institut , um über die Gefahren von Zeckenstichen zu urteilen. Wer sich informieren will, sollte sich in einem Fachartikel kundig machen z.B.
www.borreliose-gesellschaft.de/Texte/Leitlinien.pdf

Borreliose ist bei weitem nicht harmlos und wird bei Waldarbeitern sogar als Berufskrankheit anerkannt. Die sichere Diagnose ist nicht ganz einfach und besonders Spätfolgen können gravierend sein.

Dazu kommt dass das IQWIG in diesem Artikel eine Beurteilung für ganz Deutschland macht, wobei es im Norden kaum infizierte Zecken gibt, in BW und BY aber deren viele. Deshalb ist die Bewertung, nur jeder 100 Zeckenstich würde zur Erkrankung führen, ein geschätzter deutscher Mittelwert und hat für BW keine Richtigkeit.

Es gibt m.E. kaum eine Gefahr, die überschätzt wird, aber viele die unterschätzt werden.

Bitte um Erläuterung

Das müssen Sie näher erklären, weshalb „das IQWIG nicht das geeignete Institut" sein soll um die Gefahren von Zeckenstichen zu beurteilen. Aufgabe dieses, laut Sozialgesetzbuch „fachlich unabhängigen, rechtsfähigen, wissenschaftlichen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“, ist die Bewertung des aktuellen medizinischen Wissensstandes und die Bereitstellung allgemeinverständlicher Informationen für die Bürger bzw. Patienten.

Das Papier auf welches Sie statt dessen verweisen, beinhaltet lediglich Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie von Lyme-Borreliose und nimmt mit keinem Wort eine Gefahreneinschätzung vor. (Ob die hinter dieser Veröffentlichung stehende Borreliose-Gesellschaft ansonsten kompetenter oder objektiver arbeitet als das IQWIG kann ich allerdings nicht beurteilen.)

Wenn Sie dagegen die Pressemitteilung des IQWIG gelesen haben, dürften Sie auch bemerkt haben, dass dort sehr wohl auf die vermehrte Gefahr in den südlichen Bundesländern hingewiesen wird.

Das IQWiG ist ein

Das IQWiG ist ein unabhängiges wissenschaftliches Institut, das Nutzen und Schaden medizinischer Maßnahmen für Patienten untersucht. Das ist die institutseigene Aussage. Das Institut ist politisch geführt (man denke nur an die Absetzung des ersten Leiters) und damit nur bedingt unabhängig. Hauptaufgabe sind Gutachten zu:  Arzneimitteln, nichtmedikamentösen Behandlungsmethoden, Verfahren der Diagnose und Früherkennung, sowie Behandlungsleitlinien und Disease Management Programmen.
Damit sollen die Kosten im Gesundheitswesen gesenkt und die Wirksamkeit oder Notwendigkeit von Maßnahmen überprüft werden. Bislang ist allerdings die Wirlsamkeit des IQWIG selbst anzuzweifeln.

Die Bereitstellung allgemeiner Gesundheitsinformationen ist ein unnötiges Anhängsel, denn allgemeine Aussagen sind meist blabla.

Die hier gepostete Zusammenfassung
"Nur jeder 100ste Zeckenstich würde Borreliose auslösen, noch deutlich seltener würde FSME ("Hirnhautentzündung") übertragen..., das ist die wesentliche Meldung des "Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWIG)"
verharmlost m.E. leider die Gefahr eines Zeckenstichs. Es ist aber richtig, dass man das auch anders sehen kann.

Das Robert-Koch-Institut und das Nationale Referenzzentrum Borrelien nennen seit vielen Jahren unverändert eine geschätzte Zahl von 40.000 bis 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Die Landesvertretung der Technikerkasse in Freiburg schreibt:
" Im vergangenen Jahr sind im Land Hochrechnungen zufolge mehr als 170.000 Menschen von einer Zecke mit der Infektionskrankheit Borreliose angesteckt worden. Die Zahl der Betroffenen habe damit einen Höchststand erreicht."

Wenn auch die Zahlen weit auseinanderklaffen, so halte ich die Zahl der Erkrankungen für extrem hoch und deshalb eine Verharmlosung für unzulässig.

Als Betroffener kann...

ich dem nur zustimmen. Da ich ich mit meinem Hund täglich in der Natur unterwegs bin, bleiben Zeckenbisse, trotz aller Abwehrmaßnahmen, nicht aus. So erkrankten mein Hund und ich zur gleichen Zeit an Borreliose, was ich bei mir leicht erkannte, da sich um den Zeckenbiss herum ein sich ständig vergrößernder roter Fleck zeigte. Eine Blutuntersuchung bestätigte dann den Verdacht. Beim Hund war es nicht so einfach. Erst, als dieser Zeichen von Schlappheit und rheumaartige Erscheinungen zeigte, wurde, ebenfalls durch eine Blutuntersuchung, Borreliose festgestellt.

Die Behandlung erfolgte bei mir und dem Hund mit dem gleichen Antibiotikum (Amoxicillin), nur daß der Hund eine viermal so hohe Dosis bekam als ich, und das über einen längeren Zeitraum.

Nun geht es beiden wieder gut, beide nehmen wir ein Zeckenspray, und der Hund wird nach jedem Spaziergang akribisch abgesucht und abgebürstet - denn durch ein paar Zecken lassen wir uns die Natur nicht vermiesen, und gegen FMSE bin ich geimpft (Hunde sind nicht davon betroffen, sie können diese Krankheit gar nicht bekommen, sind sozusagen immun dagegen).

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Widerspruch

Es gehört schon eine Menge Selbstbewusstsein dazu, die Existenzberechtigung des IQWIG in Frage zu stellen!

Dieses Institut ist nötig, um der perfiden Geschäftemacherei der Pharmabranche entgegenzuwirken, nutzlose "Innovationen" zu entlarven und es erhält seine Aufträge immerhin vom g-BA und vom Ministerium f. Gesundheit.

Wieso ziehen Sie "Hochrechnungen" der TK heran, um die Aussage des IQWIG zu widerlegen? Welches Interesse darf man dem IQWIG unterstellen, eine reelle Gefahr zu verharmlosen?

Und welches Interesse sollte andererseits die Krankenkasse haben, die Versicherten von Impfungen abzuhalten (die diese selbst bezahlen müssen), die davor schützen könnten, an Borreliose zu erkranken (was die Kasse bezahlen müsste)

Hinzu kommt, dass meine eigene Tochter eine heftige Reaktion auf einen Bremsenbiss zeigte, die selbst ein namhafter Herr Doktor aus Bruchsal nicht eindeutig als Borreliose-Fall beschreiben konnte, aber "sowieso darauf behandelt" hätte. Borreliose oder nicht?

Soviel zur Statistik, die ich diesmal nicht selbst gefälscht habe.

Ich stelle die Existenzberechtigung

des IQWIG nicht in Frage. Ich habe dessen Aufgaben eindeutig und vollständig aufgezählt. Diese sind wichtig und besser als allgemeines Blabla zu verfassen. Allerdings ist die "Macht" des Instituts deutlich beschnitten worden, entgegen der anfänglichen Intuition.
Aber, das Institut entscheidet auch mit darüber, ob eine bestimmte Behandlung von der Kasse bezahlt wird oder nicht.

Die Institutsleitung ist schnell umbesetzt worden, nachdem es der erste Leiter zu streng mit der Pharmalobby nehmen wollte. Das war eindeutig eine politische Maßnahme, daher bezeichne ich das Institut als nicht unabhängig.

Die Verharmlosung von Zeckenstichen habe ich besonders in Ihrer Zusammenfassung empfunden, ich gebe zu, dass andere dies anders sehen können. Im Übrigen gibt es keine Impfung gegen Borreliose, insofern ist ein Fehler in Ihrem Text.
Ein weiteres Problem der Borreliose (spiralförmige Bakterien) ist, dass man nach der Erkrankung nicht immun dagegen wird, wie dies z.B. bei Viruserkrankungen der Fall ist.
Die Hinweise auf die Gefahren von Zeckenstichen und die dringende Empfehlung der Impfung gegen FSME könnenn gar nicht ernst genug sein. Über die Hälfte der FSME-Erkrankten haben bleibende Schäden!
Außerdem macht sich nicht bei jedem die Borreliose-Ansteckung eindeutig bemerkbar. Die Gesundheitsschäden bei später Erkennung können sehr heftig sein. Bei einer derart großen Gesundheitsgefahr (Zeckenstich) darf aus meiner Sicht nicht abgewiegelt werden. 

Interessant auch folgende Studie/Dissertation: http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002157

Borreliose-Impfung

In den USA gibt es eine Impfung gegen Borreliose, die hierzulande jedoch nicht wirksam ist, da bei uns andere Borreliose-Erreger vorhanden sind. Man forscht jedoch kräftig und hofft, in einigen Jahren einen Impfschutz anbieten zu können. Für Hunde gibt es den schon, ist aber noch sehr umstritten und mit Nebenwirkungen behaftet, so daß man besser nicht impft, zumal Hunde eine Resistenz entwickeln, also Antikörper bilden, und nicht mehr so schnell erkranken.

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IQWiG und unabhängig?

Am 12. April 2012 veröffentlichte das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) den Beitrag „Zeckenstich ist kein Grund zur Panik“. Mit diesen Gesundheitsinformation sollen Bürgern und Patienten laienverständliche Informationen angepasst an deren psychologische Bedürfnisse gegeben werden. Das IWQiG stellt mittels einer systematischen Übersicht eigene Ergebnisse zusammen. In diesem Bericht werden zwar die Unwägbarkeiten einer Borreliose erwähnt, letztlich aber nur einschlägige Fachlichteratur wiedergegeben.

Wenig später, Anfang Mai 2012, strahlte arte die vom swr produzierte Dokumentation „Zecken-Borreliose“ von Patrick Hünerfeld aus. Unterschätzte Gefahr oder eingebildete Krankheit – dieser Frage wollte Patrick Hünerfeld nachgehen. Das Ergebnis war jedoch kein objektiver Bericht, sondern ein Beitrag der nicht nur mit inhaltlichen Falschaussagen glänzte sondern sich auch manipulativer journalistischer Stilmittel (Musik, Bilder, Sprache, Selektion und Platzierung des Materials) bediente.

Die öffentliche Entrüstung über die Dokumentation „Zecken-Borreliose“ veranlasste Marcus Anhäuser, Leitender Redakteur des Medien-Doktor, am 11. Mai 2012 zu einer Stellungnahme. Er beruft sich zum einen auf eine Pressemitteilung der Süddeutschen, für die er seit 1999 als freier Autor arbeitet, zum anderen auf die Veröffentlichung der Gesundheitsinformation vom IQWiG und die Dokumentation von Patrick Hünerfeld. Unter den Gutachtern des Medien-Doktor findet sich jedoch nicht nur der Filmemacher Dr. Patrick Hünerfeld sondern auch ein Dr. Klaus Koch, Leiter des Ressorts Gesundheitsinformation beim IQWiG.

Weitaus interessanter ist jedoch eine Gemeinsamkeit des Herrn Anhäuser mit dem Leiter des IQWiG Prof. Dr. Jürgen Windeler. Marcus Anhäuser betreibt seit 2005 den Webblog Plazeboalarm bei Scienceblog, einer Bloggerplattform bei der sich überwiegend Sympathisanten des Skeptikervereins GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sammeln. GWUP steht im Verdacht eng mit esowatch zu kooperieren, in einem seiner Beiträge hat Marcus Anhäuser sogar für esowatch geworben.

Prof. Dr. Jürgen Windeler wurde bis zu seiner Berufung zum Leiter des IQWiG 2010 als Mitglied des GWUP-Wissenschaftsrat geführt. Beim World Sceptics Congress 2012 (Weltskeptikerkonferenz), veranstaltet von der GWUP, referierte Prof. Dr, Windeler zusammen mit dem ihm persönlich bekannten Prof. Dr. Gerd Antes, Vorsitzender des Deutschen Cochrane Zentrums, über den Nutzen von konventioneller und Komplementär-Medizin. Prof. Dr. Antes der ebenfalls nicht zum ersten Mal für die GWUP referiert ist wiederum nicht nur im Vorstand des Deutschen Netzwerks evidenzbasierter Medizin (DNEbM) sondern auch Mitglied der erweiterten Leitlinienkommission der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF).

Im AWMF-Leitlinienregister finden sich zwei Leitlinien Entwicklungsstufe 1 zu Borreliose. Zum einen die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Neuroborreliose, federführend Prof. Dr. Rauer, Neurologische Uniklinik Freiburg. Zum anderen die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Kutane Manifestationen der Lyme-Borreliose erarbeitet von Frau Prof. Dr. Hofmann, München. Leitlinien der Entwicklungsstufe 1 stellen jedoch lediglich Empfehlungen einer ausgewiesenen Expertengruppe dar. Koordiniert durch diese beiden Leitlinienautoren ist ein Leitlinienvorhaben Entwicklungsstufe 3 zur Borreliose in Arbeit. Leitlinien im Sinne von Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie einer Borreliose gibt es aber auch von der Deutschen Borreliosegesellschaft. Diese Empfehlungen weichen deutlich von den Leitlinien der AWMF ab. Das Leitlinienvorhaben Stufe 3 droht u.a. am erforderlichen Konsens zu scheitern.

Passend zu diesem Leitlinienvorhaben erhalten in dieser Dokumentation die Leitlinienautoren Prof. Dr. Rauer und Prof. Dr. Hofmann ausführlich Gelegenheit ihre Expertenmeinung darzulegen. Abweichende Meinungen dagegen werden abwertend als Minderheitenmeinung und Scharlatanerie dargestellt. Die Stellungnahme der arte-Redaktion verdeutlicht, dass diese Dokumentation nicht den Anspruch einer objektiven Berichterstattung hatte sondern eine „Einordnung und Bewertung“ stattfand. Der Dokumentarfilm wurde inzwischen mehrfach ausgestrahlt.

Als Preisträger der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DPGGN) ist möglicherweise Dr. Patrick Hünerfeld nicht frei von Interessenskonflikten, vertritt er doch dieselbe Meinung wie Experten der DGPPN die mit Borreliose assoziierte Befindlichkeitsstörungen somatoformen Störungen zuordnet. Wie eng Psychiater, Neurologen und Psychologen mit der Pharmaindustrie zusammenarbeiten wird im Spiegel-Bericht "Seelsorge für die Industrie" deutlich.

Ein seriöser Medizinjournalist verzichtet nicht auf das Prüfen seiner Quellen so hätte Patrick Hünerfeld schnell erkannt, dass es die behauptete Evidenz nicht gibt. Auch die Ablösung Peter Sawickis durch den neuen IQWiG-Chef Prof. Dr. Windeler hatte Gründe. Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, kritisierte Sawicki vor allem deshalb, weil er Diagnostik- und Therapieverfahren fast ausschließlich am Vorhandensein von Studien der höchsten Evidenzstufe gemessen hat. „Die personelle Neubesetzung an der Spitze des IQWiG muss als Chance zur methodischen Weiterentwicklung genutzt werden“ so Georg Baum. (Quelle Gesunder Zweifel von Ursel Sieber)

Nach Meinung dieser Leitlinienexperten sollte lediglich noch Symptombehandlung erfolgen. Damit werden Patienten geradezu massenhaft in 'Dauerbehandlung' entsorgt. Nur ein Beispiel wie unser Sozialsystem ausgebeutet wird und sich Big Pharma die Taschen füllt.

Aktuelle Informationen zu Borreliose findet man bei
www.borreliose-nachrichten.de

Zerlina?

Hallo zerlina,

"kennen" wir uns aus einem anderen Forum?

An Morgan le Fay

Jepp. Hab die gleichen Diskussionen auch schon durch ;-)
LG zerlina

Hintergründe nicht nur zur Borreliose

Die Verschwiegene Epidemie ist mit einer Serie an den Start gegangen,die die Hintergründe dieser Veröffentlichungen aufgreift und Informationen liefert, die nicht nur die Borreliose betreffen. Dürfte auch für Piraten interessant sein. Reinschauen, es lohnt sich.
http://www.verschwiegene-epidemie.de/2012/06/borreliose-start-einer-seri...

Gruß zerlina

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