Blecherne Zeitkapseln:

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Vor 200 Jahren begann die Konservendosenproduktion
Freitag, 2. März 2012 - 14:19

Sie ist das Symbol der Ernährungsindustrie schlechthin und stellt Nahrung unabhängig von der Region und jenseits der Erntesaison zur Verfügung. Sie ist leicht zu transportieren und bequem zu stapeln und ermöglicht so zu jeder Jahreszeit eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen. Die Rede ist von der Konservendose, deren Produktion vor 200 Jahren begann: Im Jahr 1812 eröffnete in Großbritannien die erste Fabrik zur Herstellung von Konserven. In der Sonderausstellung „Unser täglich Brot …. Die Industrialisierung der Ernährung“, die noch bis zum 29. April im TECHNOSEUMzu sehen ist, wird die Erfindung und Entwicklung dieses Gebrauchsartikels nachgezeichnet, der Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig veränderte.

Konservendose

Konservendose © Technomuseum

Ende des 18. Jahrhunderts bot Napoleon einen hohen Geldpreis für denjenigen, der ein Verfahren entwickelte, um Lebensmittel länger haltbar zu machen. Dabei trieb ihn weniger die oft in bescheidenen Verhältnissen lebende französische Bevölkerung an, als vielmehr an die Sorge um die Schlagkraft seines Heeres: Die Verpflegung gerade auf langen Märschen und im Feindesland war schlecht, mehr Soldaten starben an schlechter Ernährung als durch Waffengewalt. Im Jahr 1810 strich schließlich der Koch und Konditor Nicolas Appert das Preisgeld von über 12.000 Goldfranc ein: „Er hatte die entscheidende Idee, Nahrungsmittel in luftdicht verschlossenen Behältnissen zu erhitzen und setzte hierfür Glasflaschen ein – das Einmachen war erfunden“, so Dr. Kai Budde,  Oberkonservator am TECHNOSEUM, der die Sonderausstellung kuratiert hat. „Allerdings: Für Feldzüge waren die schweren und zerbrechlichen Flaschen wenig geeignet.“ Erst der britische Kaufmann Peter Durand vervollkommnete das Verfahren, indem er Apperts Prinzip mit Zinndosen umsetzte. Seine Landsmänner Bryan Domkin und  John Hall eröffneten schließlich 1812 die weltweit erste Konservenfabrik, der erste Kunde: die britische Armee. Besonders gut bekam dem Heer die Kost indes nicht: Die Zinndosen wurden mit Blei verlötet, das häufig in den Doseninhalt gelangte; zahlreiche Soldaten starben an der schleichenden Vergiftung. Dennoch diente die Konserve lange Zeit vor allem der Truppenversorgung. Dies zeigt sich auch an der Tatsache, dass der Dosenöffner erst Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden wurde: Soldaten hatten schließlich ihre Bajonette, mit denen sie den Dosen zu Leibe rücken konnten.

Verschließmaschine

Verschließmaschine © Technomuseum

Vom Mehrweg- zum Wegwerfartikel

In der Sonderausstellung des TECHNOSEUM sind Konservendosen aus den verschiedensten Jahrzehnten zu sehen, außerdem historische Dosenöffner, Emaille-Schilder, eine Verschließmaschine für Konservendosen und ein Lötkasten. Denn die Metall-Behälter waren wertvoll und wurden im Hausgebrauch nach dem Mehrweg-Prinzip eingesetzt: Noch bis ins 20. Jahrhundert gingen Klempner von Haus zu Haus und verlöteten die privaten Konserven, für fünf Dosen benötigte ein geübter Handwerker gut und gerne eine Stunde. Daneben gewann jedoch auch die industrielle Fertigung von Konserven immer mehr an Bedeutung. Bereits um 1900 wurden allein in den USA über 700 Millionen Konservendosen hergestellt. Eine richtige Renaissance erlebte die Konservendose in den 1960er Jahren besonders für eingemachte Südfrüchte, Tomaten und andere Gemüse sowie für Feinschmecker-Suppen. Spätestens seit Andy Warhol ist sie auch zur Konsum-Ikone und zu einem Symbol der Industriegesellschaft geworden. Gefüllt mit Ravioli enthält sie heute das mit Abstand beliebteste „Dosenfutter“ der Deutschen.

Werbeschild

Werbeschild © Technomuseum

Die Ausstellung „Unser täglich Brot …“ hat indes noch viel mehr zu bieten als olle Konserven: Neben einem Supermarkt und einem Speisesaal ist auch ein Original Tante-Emma-Laden aus den 1930er Jahren zu sehen. An interaktiven Stationen kann man Gewürze und Gerüche erraten und sich an einem Labortisch Experimente vorführen lassen – und so erfahren, ob eine Coca-Cola mehr Zucker enthält als Fruchtsaft oder wie man künstliche von natürlichen Farbstoffen unterscheiden kann.

 

TECHNOSEUM

Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Museumsstr. 1

68165 Mannheim

29. Oktober 2011 bis 29. April 2012

"Unser täglich Brot … Die Industrialisierung der Ernährung“

Große Landesausstellung Baden-Württemberg

Weitere Informationen unter www.technoseum.de.

 

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