Bestreiken Bruchsaler Apotheken den Streik?

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Geforderte Honorarerhöhung entspricht rund 30.000 Euro jährliches Plus pro Geschäft
Mittwoch, 12. September 2012 - 19:30

Während SPIEGEL ONLINE titelte: "4000 Apotheken in drei Bundesländern sind am Mittwoch zum Warnstreik aufgerufen, fast alle machen mit. Medikamente werden nur durch die Notfallklappe verkauft, es dürfte lange Schlagen geben." war die Situation in Bruchsal wohl doch etwas entspannter. Es gab in Bruchsal keine langen Schlangen vor den Apotheken, der Verkauf von Medikamenten durch die Notfallklappe wurde von niemandem beobachtet.

Apotheke

Die meisten Bruchsaler Apotheken hatten "ganz normal" geöffnet, lediglich drei wurden gesichtet, die das Schaufenster mit den Streikplakaten dekoriert hatten. Vielleicht gab es aber doch noch mehr. Eine der "streikenden" Apotheken hatte zwar einen Eingang dekorativ mit weiß-roten Bändern geschmückt, der andere Eingang war aber ganz normal geöffnet. Eine andere Apotheke hatte zwar das  Streikschild des Verbandes im Schaufenster, aber zur Demonstration, dass ja eigentlich doch geöffnet sei, blieb die normalerweise automatisch schließende Glastüre durchgehend geöffnet.

Apotheke

Auf die Frage in einer Apotheke, warum denn diese geöffnet sei, wo doch laut Plakat im Schaufenster gestreikt würde, wurde geantwortet, das stimme nicht, man streike tatsächlich. Frage: "Aber Sie bedienen doch die Kunden, gerade verließ ein Kunde die Apotheke als ich eintrat?". Die Antwort war, dass das falsch gesehen würde, zwei der vier Kassen seien doch geschlossen ...

"In Baden-Württemberg sind nach ersten Erkenntnissen des Landesverbands rund 80 Prozent dabei." schreibt der SPIEGEL.

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Kommentare

Da streiken die Apotheken

und nicht die Apotheker? Na, wie geht denn das? Genauer gesagt müßte es doch heißen: es streiken die Inhaber der Apotheken. Und die sind doch selbständig, oder nicht? Können es sich Selbständige denn leisten zu streiken? Eigentlich müßte es ja protestieren heißen, denn streiken im ursprünglichen Sinne können doch nur Arbeitnehmer?

Bei frei verkäuflichen Produkten verlangen sie "Apothekenpreise", oder gibt es das Wort nicht mehr wenn man etwas überteuert gekauft hat?

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es einen Festpreis, der Wettbewerb unterbindet. Welcher Laden kann sich denn schon mit Festpreisen für seine Waren schmücken?

Vielleicht gibt es auch mancherorts zu viele Apotheken? In Bruchsal (mit Teilorten) kommen ich auf 18 Apotheken. Bei einem Bundesdurchschnitt von 3800 Ew pro Apotheke (EU 3300) müßte Bruchsal 68 000 (59 000) Einwohner haben. Ja, da teilt man sich den Ertrag. Aber scheinbar ist es doch auskömmlich, denn selbst in einer Straße können mehrere Apotheken nebeneinander bestehen.

Ab morgen streiken dann vielleicht die Inhaber von Friseurgeschäften, die Telefonläden und die Aufbackhäuser, von allen gibt es zuviele und man sieht kaum Kunden in den Läden. Und übermorgen streiken die Kunden, weil die Verkaufsläden streiken. Weiter so!

Halber Streik

Vielleicht mal ein bisschen Info:

Apotheken bekommen für Fertigarzneien fixe Einkaufspreise und fixe Verkaufspreise vorgegeben. Fertigprodukte machen den absoluten Löwenanteil des Apothekerumsatzes aus.

An einem verschreibungspflichtigen Medikament für einen privat Versicherten haben die Apotheker 3% des Apotheker-EKs sowie derzeit 8,10 Euro. Diese 8,10 Euro werden von der GKV nicht bezahlt. Man hat den Apothekern einen Rabatt von derzeit 2,05 Euro oktroyiert, weshalb also nur 6,05 Euro gezahlt werden.

Die 3% am EK sollen als Entgelt für Bevorratung, Vorfinanzierung etc. dienen, die 8,10 Euro (bzw. 6,05) als Entgelt für Beratung.

Obwohl die Apotheker zu den Spitzenverdienern im Lande gehören, ist ihnen das nicht genug. Man kämpft nun schon einige Zeit um einer Erhöhung um sage und schreibe einen ganzen Euro auf 9,10 € für eine Beratung, die der Kunden oft nicht abverlangt oder die nicht bzw. schlecht geleistet wird.

So habe ich kürzlich zu "Limptar N" eine Apothekerin befragt, da ich im I-Net gelesen hatte, dass es Länder gibt, die den darin enthaltenen Wirkstoff Chinin für die krampflösende Anwendung verbieten. Davon wisse sie nichts und las mir stattdessen den Beipackzettel vor. Ist das eine Beratung? Ansonsten nehme ich als Chroniker seit viiiielen Jahre stets die gleichen Medikamente in stets den gleichen Dosen ein und brauche nicht jedesmal eine Beratung.

In Bruchsal gibt es weitaus mehr Apotheken als Tankstellen, der Kuchen der lukrativen Verkäufe verteilt sich also. Man ist als Apotheker also darauf angewiesen, mehr Randsortimente an den Kunden zu verkaufen oder durch Dienstleistungen Umsatz zu generieren.

Ich persönlich habe noch nie eine I-Net-Apotheke bemüht, bei denen man sich so etliche Euros sparen könnte, denn ich möchte, dass meine Apotheke auch nachts mal für mich da ist, wenn mich morgens um halb 3 ein Zipperlein plagt. Aber unsensibel unverschämte Forderungen zu stellen, wird sich als Bumerang erweisen, denn es wird das große Apothekensterben eintreten.

Längst ist bekannt, dass Medikamente hinter jeder beliebigen deutschen Grenze wesentlich billiger sind. Das wird man zu nützen wissen.

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