Besinnliches zum Advent

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"Advents-Stammtisch" mit Drehorgeln
Donnerstag, 5. Dezember 2013 - 0:39

Hein Ott, Museums-Drehorgler

Museums-Drehorgler

Die “Bruchsaler Museums-Drehorgler” sind die klangvollen Botschafter des Fördervereins Deutsches Musikautomaten-Museum im Schloß Bruchsal und begleiten mit ihrer Musik den Verein bei seinen Veranstaltungen (vgl. auch http://www.bruchsal.org/story/bruchsaler-museums-drehorgler).

So auch wieder am Sonntag, den 1. Advent im Rahmen der regelmäßigen Stammtische des Fördervereins, diesesmal zum “Advents-Stammtisch” mit Drehorgeln.

Es wurde Besinnliches und Stimmungsvolles zum Advent geboten. Unter der Moderation von Karlheinz Mayer trugen Heinz Ott und Josef Vyskocil in der historischen Wirtschaft im zweiten Obergeschoß des Schlosses bekannte Advents- und Weihnachtslieder vor. Zwischendurch erfuhren die Zuhörer etwas über weihnachtliche Rezepte, die Herkunft des Adventskalenders und den Ursprung des Wiegenlieds “Heidschi Bumbeidschi”, was ich bisher immer für eine Schnulze hielt, insbesondere sei Heintje dieses Lied in den 1970er Jahren bekannt machte.

Dass dieses Lied aber schon über 500 Jahre alt ist und seinen Ursprung in den Türkenkriegen hat, war mir nicht bekannt. Die Türken hatten schon im 15. Jahrhundert das zweitgrößte Reich nach China und ihren Machtbereich bis an die Grenzen Österreichs ausgedehnt. Ab dem 15. Jahrhundert fielen sie regelmäßig in Kärnten und der Steiermark ein, Tod und Verwüstung hinter sich lassend. Dabei raubten sie auch regelmäßig Knaben zwischen 6 und 10 Jahren, die in die Türkei verbracht und zu den berüchtigten Janitscharen ausgebildet wurden. Die Janitscharen waren die Elitetruppe des Sultans und sie wurden auch gegen die Österreicher eingesetzt.

“Hadschi Bombaschi” war einer der Anführer der türkischen Truppen, die die Buben ihren Eltern wegnahmen. Es entstand ein “Klagelied”, nämlich das “Heidschi Bumbeidschi” als Verballhornung des Namens “Hadschi Bombaschi”

Der Zusatz “Hadschi” zeigt auf, dass der Träger dieses Titels eine Wallfahrt nach Mekka gemacht hat (Karl May-Leser kennen das: Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dahwud Al Gossarah... ist mir spontan eingefallen, was beweist, dass man nichts vergißt, was man mit Freude “gelernt” hat..).

Hier die ursprüngliche letzte Strophe:

“Da Heidschi Bumbeidschi is kummen,

Und hat mir mei Büaberl mitg’nummen,

Er hat mir’s mitg’nummen

Und hat’s neama ‘bracht,

Drum wünsch’ I meim Büaberl a recht gute Nacht...”


Auch die anderen Verse zeigen das Leid der Eltern auf:


“Aber heidschi bumbeidschi , schlaf lange,

es is ja dein Muatter ausgange,

sie is ja ausganga und kimmt nimma hoam

und lasst dös kloan Büabele ganz alloan...”

Dieser traurige Hintergrund des Liedes ist heute weitestgehend verdrängt. In Kärnten und in der Steiermark hat man es aber nicht vergessen, was mal wieder beweist, daß geschichtliche Ereignisse im kollektiven Volksgedächtnis haften bleiben.

Nun aber zum Video, wie immer, nach dem Start auf das Zahnradsymbol klicken, dann auf 720 oder 1080p, falls Ihr Computer oder Ihre Downloadgeschwindigkeit dies zulassen.

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Kommentare

Wie immer

Klasse Bericht. Als Ergänzung: Der Türke heißt auch manchmal Hadschi Bratschi, da spielt wohl die Überlieferung eine Rolle.
s.a. http://michael-mannheimer.info/2012/03/14/was-das-kinderlied-heidschi-bu...

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