Eine bekannte, unbekannte Tierart

DruckversionPer e-Mail versenden
Der Regenwurm
Donnerstag, 1. September 2011 - 18:43

Regenwürmer gehören zu den Tieren, die dem Menschen schon seit frühester Kindheit vertraut sind. Von manchen werden sie mit Abscheu betrachtet, von anderen wegen ihrer Bedeutung für die Humusbildung geschätzt. Aber nur wenige haben sich mit diesen Tieren beschäftigt.

In Deutschland wurden bisher etwa 33 Regenwurmarten gefunden. Wenn man bedenkt, dass weltweit ca. 160 Arten beschrieben wurden, macht die deutsche Regenwurmfauna einen nicht geringen Prozentsatz aus.

In Deutschland endemisch (nur hier lebend) gelten 4 Arten und zwar:

  • Dendrobaena illyrica hintzei
  • Allolobophora rhenani
  • Lumbricus pusillus
  • Lumbricus badensis.

Diese endemischen Arten sind nun alle in Süddeutschland heimisch, während in der nördlichen Hälfte ausschließlich weit verbreitete Arten vorkommen. Die Größe unserer einheimischen Regenwürmer schwankt zwischen 2 und 30 cm.

Eine aktive Wanderung kommt bei den feuchtigkeitsbedürftigen Regenwürmern kaum in Betracht. Ihre Verbreitung erfolgt vorwiegend passiv durch Verschleppung der Kokons.

In den derben Kokonhüllen sind die Eier und Embryonen vor dem Vertrocknen ja einigermaßen geschützt.

Kokons

Bild: Kokons zum Vergleich mit mm-Skala

Obwohl die Regenwürmer typische Landtiere sind, zeigen sie als feuchtigkeitsliebende Tiere eine weitgehende Abhängigkeit vom Feuchtigkeitsgehalt ihrer Umwelt. In völlig wasserdurchtränkten Böden vermögen nur einige Arten z.B. Eiseniella tetraeda ständig zu leben.

Den besonderen Lebensbedingungen im Komposthaufen hat sich Eisenia foetida angepasst, allgemein als Mistwurm bezeichnet.

Bei geschlechtsreifen Tieren fällt im vorderen Teil des Körpers eine drüsige Hautverdickung auf, die als Gürtel oder Citellum bezeichnet wird. Die Lage des Citellums sowie dessen Ausdehnung und Farbe schwankt bei den einzelnen Arten. Bei den meisten Regenwurmarten erfolgt die Paarung unter der Erde. Nur Lumbricus terrestris lässt sich genauer beobachten, da diese Art zur Paarung im allgemeinen an die Erdoberfläche kommt.

Regenwurm

Bild: Zwei Regenwürmer bei der Befruchtung

Sie bleiben dabei mit dem Hinterende ihres Körpers in den Röhren stecken und suchen mit dem Vorderende die Umgebung nach einem Partner ab. Will man dies beobachten, so bewaffnet man sich in einer lauen Mainacht mit einer Taschenlampe, deren Licht mit einer roten Folie abgedeckt ist.

Bei der Paarung legen sich zwei Tiere in entgegengesetzter Richtung mit den Bauchseiten so aneinander, dass die Samentaschenregion des einen Tieres dem Gürtel des anderen Tieres gegenüberliegt. Durch einen von den Hautdrüsen abgegebenen Schleim wird dann die Verbindung gefestigt (in diesem Zustand sind sie lange Zeit kaum trennbar). Es erfolgt nun in komplizierter Weise eine wechselseitige Übertragung der Samenzellen, bei der beide Tiere zugleich als Männchen und Weibchen in Aktion treten.

Ist der Samenaustausch abgeschlossen, trennen sich die Würmer. Jetzt wird von den Drüsenzellen des Gürtels ein Sekret abgeschieden, das bald zu einer pergamentartigen Hülle erstarrt. Diese umgibt den Wurm im Bereich des Gürtels wie ein kurzes Rohr. Danach wird diese Hülle mit eiweißreicher Flüssigkeit gefüllt und durch Muskelbewegungen über den Kopf geschoben. Dabei werden aus dem im 14. Segment liegenden Eisack ein oder mehrere reife Eier in den Kokon gegeben. Nachdem schließlich beim Passieren der Samentaschen Spermien von der letzten Begattung gepresst sind, kriecht der Wurm aus der röhrenförmigen Hülle heraus.

Nunmehr schnurren die beiden Enden der Hülle zusammen, so dass der fertige Kokon als ein bräunliches oder grünliches zitronenförmiges Gebilde vorliegt.

Vorderende

Bild: Geschlechtsorgane des Regenwurms

Die Kokongrößen liegen bei unseren einheimischen Regenwurmarten zwischen 2 und 6 mm.

Über ein Larvenstadium entwickelt in dem Kokon ein Wurm. Kurz vor dem Schlüpfen wird der Kokon fast durchsichtig und das Tier ist schon gut zu erkennen.

Junger Wurm

Bild Kokons und frisch geschlüpfter Wurm

Das Schlüpfen erfolgt dann, indem der Wurm den Kokon an einer Stelle auflöst. Bis zur Erlangung der Geschlechtsreife, die durch das Auftreten des Citellums angezeigt wird, benötigt dann der Wurm noch 1 bis 2 Jahre.

Weitere interessante Fakten zum Regenwurm ggf. in einem 2. Teil. Warum z.B. der Regenwurm als Kuh unter der Erde bezeichnet wird. Oder wie Pflanzen vom Regenwurm profitieren.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.5 (19 Bewertungen)
Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen