Babette Ihle friert und rebelliert!

DruckversionPer e-Mail versenden
Sonntag, 22. Dezember 2013 - 0:57

Nicht viele sind bisher Augenzeuge hiervon geworden, zu wenige Leute halten sich doch um Mitternacht in der Innenstadt auf – und schon gar nicht beim Babette-Ihle-Platz. Doch wer bisher vom mitternächtlichen Geschehen um den Babette-Ihle-Platz berichtet hat, dessen Augen leuchteten und die Begeisterung war stets aus der Erzählung zu entnehmen.

Man muss nur Punkt 12 Uhr nachts in der Nähe des Babette-Ihle-Platzes sein, gut versteckt, hinter einer Häuserecke oder einer Säule. Dann kann man Augenzeuge der folgenden Vorgänge werden.

Babette

Mit dem letzten Schlag der Turmuhr der Stadtkirche blinzelt die Babette ein wenig, hebt ihren Kopf ein wenig an und schaut vorsichtig um sich, ob sie auch nicht beobachtet wird. Dann steht sie schwerfällig auf, streckt die Glieder, legt das Buch zur Seite, zupft ihr Kleid, die Schürze und das Kopftuch zurecht und geht schwerfällig auf eine kleine Wanderung. Immer im Uhrzeigersinn um die Stadtkirche herum. Sie schaut in die Schaufenster vom Drogerie-Müller und jedesmal sagt sie, leicht schaudernd: „Sache gibt’s heit zudag …“. Dann geht sie weiter, am Rewe vorbei, guckt rüber und bemerkt ein wenig schlecht gelaunt zum großen Foto mit der Dame mit dem Riesengebiss und der Gelberübe: „Mei Gmies war awwa imma scheena“.

Babettes nächste Station ist dann der Kleiderladen von ernstings family und auch dessen Warenangebot kommentiert sie jede Nacht etwas ungnädig: „Reckle henn se heit, do isch ma jo hie. Wann ma die heidich Mode betracht, do mant ma, 's wär alle Dag Fasenacht“. Dann geht sie am Buchregal vorbei, guckt rein, seufzt und kommentiert: „wer braacht denn soviel Bicher ...“ und setzt sich, ihre Glieder nochmal kurz streckend, ächzend wieder zurück auf ihr Plätzchen – noch bevor die Turmuhr zur ersten Viertelstunde nach Mitternacht schlagen kann.

Babette

Dies ist die „normale“ Runde von der Babette, von der schon oft von heimlichen Beobachtern berichtet wurde. Auf einer ihrer letzten Runden um die Stadtkirche, es war eine bitterkalte Nacht, hat sie jedoch, wie erst kürzlich ein Anwohner des Kirchplatzes, der anonym bleiben möchte, berichtete, viel länger als sonst auf dem Kirchplatz verweilt, und soll wohl auf einer der Bänke einen Strickschal und eine Mütze gefunden. Beide Teile soll sie sofort übergezogen und auf ihr angestammtes Plätzchen auf dem Babette-Ihle-Platz mitgenommen haben. Wohl war es unserer Babette bei den derzeitigen Temperaturen, nur mit Kleidchen, Schürze und Kopftuch bekleidet, ganz einfach viel zu kalt.

Eine Sache gibt allerdings zu vertiefenden Überlegungen Anlass. Ob Babette klar war, mit welcher Art von Schmuck die wärmenden Kleidungsstücke ausgestattet sind, die sie sich überzog? Das Mützchen ist mit einer farbigen Rosette verziert, die dem Jakobinerabzeichen aus der französischen Revolution nachempfunden ist. Bekanntlich vertraten die Jakobiner die politische Linke und setzten sich u. a. für die Abschaffung der Monarchie ein. Und am Schal der Babette baumelt ein fünfzackiger roter Stern, das Symbol für die sozialistische bzw. kommunistische Weltauffassung, der der Menschheit metaphorisch den Weg in die klassenlose Gesellschaft leuchten soll.

Aber vielleicht sind diese Insignien der Revolution bei Babette gar nicht so schlecht aufgehoben? Wenn man sich neben Babette setzt und es außenrum ganz still ist, dann hört man sie ganz leise seufzend eine Strophe aus dem badischen Heckerlied singen: „Schmiert die Guillotine mit Tyrannenfett! Schmeißt die Konkubine aus des Fürsten Bett! Ja, dreiunddreißig Jahre währt die Knechtschaft schon. Nieder mit den Hunden von der Reaktion!“

Unsere Babette eine Aufrührerin, Revolutionärin? Die erste Frauenrechtlerin von Bruchsal?

Vielleicht müssen die einleitenden Worte ihres Vortrages „Frieher un heit“ unter diesem Aspekt historisch ganz anders gewertet werden: „Heit isch ä umgekehrde Welt, wu ma naguckt isch kei Geld. D'Leit senn garnemeh zufriede, d'Grundsätz die senn ganz verschiede.“ - Vive la révolution?

© Text und Fotos

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.9 (17 Bewertungen)

Kommentare

Ma heard jo noch..

annere Sache vunn de Bawett. Manchmol soll ma se um Middernachd laut klage heare, iwwer denn Platz, wu ma se no g'hockt hat. S'wear do viel zu zugig, viel liewa de'd se innema Eck'l vunn de Stadtkearch hocke mit Blick uff de Margdplatz, uffenem kloane Benkl, vunn wo se Samsdaags, wenn d'Sunn scheint, de Mann mit'm Drachdejanker sehe deed unn viellaichd a die nei Owwerbürgermaischderin, wie se de Leit d'Hand schittld.

S'wear schunn schee, wenn die sich nachts mol zu ere her setze deed, do deed se dere mol flischdere, wie ma enn Brusl Polidik macht. Bei dere waiß ma jo net so g'nau, wie ma droa isch, beim Doll war des annerschd, bei demm hat ma gwißt, so wie der des saagd, so werd's a gmachd, baschda!

Hajo, allene kann ma's hald ned rechd mache, unn s'gibd hald imma e paar, die uffmucke. Denne muß ma zaige, wu de Bardl de Moschd holt. Grad de Holoch, des isch so oina. I deed hald gearn wisse, was for e Sipple dear koche duud.

Sei eigene Pardeifreind sinn jo aa net imma mitt demm eiverstanne, was der so vunn sich gebt. Die OB muß uffbasse. S'geht des Grücht um, daß de Holoch dehoim schunn heimlich mit ere Seeg iewe duud, wie ma ä Stuhlboi abseegt.

Awwer des werd'em net glinge. Die OB isch jo bei de Bevelkerung allgegewärtig, die isch so oft in de Mediä, do waar de Doll gar nix dagege, unn dear waar schunn oft drinn. Dear hat sich jo wegem Fernsehe extra farbige Janker gekaaft, en rote, en gelbe unn en griene, dassa bessa raus kummt.

Des kenn't die OB a mol mache, ä bissl farbiger wär jo aa was for's Aug'. Awwa en Hose-Oozug brauchd se sich net zulege. Oiner langd!

Alteise....

Bimmel, bimmel, Alteise... :-)

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen