Aus der Serie: "Greetings from Bruchsal"

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Heute: Der Bruchsaler Friedhof - ein Ort der Besinnung, Teil II
Sonntag, 31. Oktober 2010 - 10:18

Ich hatt' einen Kameraden...

Ich hatt' einen Kameraden...

Die Oberbürgermeisterin ist dankbar für die Ausgestaltung unserer Friedhöfe als lebendige Orte der Kultur und Geschichte, so in einer Broschüre der Friedhofsverwaltung Bruchsal. Ein Friedhof soll ein wichtiger Trauerbegleiter sein, Trauer ist ein Element des Abschieds, der durchlebt werden muß. Der Bruchsaler Friedhof mit seinen rund 10.000 Grabstätten ist auch als Park- und Kulturlandschaft zu betrachten. Für diejenigen, die den Bruchsaler Friedhof schon lange nicht mehr gesehen haben, bietet sich der heutige Tag und Allerheiligen an, einen traditionellen Rundgang über den Friedhof zu machen. Der Schwerpunkt heute liegt dabei auf dem jüdischen Teil des Friedhofs und auf dem Kriegerdenkmal des 1. Weltkriegs. "Zu Ehren der im ersten Weltkrieg gefallenen Helden der Stadt Bruchsal", so die Inschrift am Sockel des Denkmals. Das mag für unsere Ohren ungewohnt pathetisch klingen, trotzdem ist dieses schlichte Denkmal ein Zeichen gegen die Sinnlosigkeit des Krieges. Ein verwundeter und sterbender Soldat, dessen sich ein Kamerad annimmt, ist als zentrales Bild in Übergröße in der Mitte des Denkmals in Stein gemeißelt.

Kriegerdenkmal

Sterbebegleitung

Der Soldat hält seinem sterbenden Kameraden die Hand und spricht ihm tröstende Worte zu.

 

Kriegerdenkmal

Tröstende Worte...

Rechts und links sind auf Tafeln die 490 Namen  der gefallenen Bruchsaler Soldaten gemeißelt. Es ist so mancher alte und bekannte Bruchsaler Familienname zu sehen. Auf Grund von Spenden der Familien Bopp, Lehmann, Oehler, Osterfelder, Wimpfheimer u.a. konnte der damalige Bürgermeister Wilhelm Mehner den Karlsruher Bildhauer Fritz Hugel beauftragen, dieses Denkmal zu erstellen. Fritz Hugel machte eine Ausbildung an der Kunstakademie Karlsruhe und er schuf noch einige andere Denkmäler in der Region. Das komplette Denkmal wurde im Herbst 2009 und Frühjahr 2010 vom Bruchsaler Malermeister und Gerüstbauer Friedrich Holoch und Herrn Hubert Münkel gereinigt und die unleserlichen Schriften der Namen der Gefallenen nachgezeichnet.

Der jüdische Friedhof Bruchsal wurde 1878 angelegt, so daß die Bruchsaler Juden ihre Toten nicht mehr auf dem weit entfernten alten Friedhof auf dem Eichelberg bestatten mußten.

 

Leichenhalle

Leichenhalle, jüdischer Friedhof

1890 wurde dann auch  die dazugehörige Leichenhalle (s. oben) eingeweiht. Die Tatsache, daß der jüdische Friedhof direkt neben den städtischen Friehof gelegt wurde, ist ein deutlicher Ausdruck dafür, daß das Nebeneinander der verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu jener Zeit problemlos vonstatten ging. Zwei Jahre später wurde auch die Synagoge in der Friedrichstraße  eingeweiht. In jüngster Zeit fand im Jahre 2003 die Bestattung eines Gemeindemitglieds statt. Derzeit ist der jüdische Friedhof erst bis zur Hälfte belegt und gehört der israelischen Religionsgemeinde Baden, unterhalten werden Friedhof und Leichenhalle von der Stadt Bruchsal.

Was mich persönlich noch sehr bewegt hat, sind die Kindergräber und Kleinstkindergräber. Auf Initiative der Fürst-Styrum-Klinik-Bruchsal und der Gruppe Regenbogen werden in den Kleinstkindergräbern verstorbene Kinder mit weniger als 500 Gramm Geburtsgewicht bestattet.

 

Kleinstkindergrab

Kleinstkindergräber, Gedenkstein

Auch immer mehr anonyme Bestattungen und manchmal ein völlig einsames und ungepflegtes Grab geben zum Nachdenken Anlaß. Alles in allem ist jetzt die richtige Zeit, mal wieder auf den Friedhof zu gehen: (Quelle: Broschüre der Stadt Bruchsal "Ans Leben erinnern")

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