Auf Leben und Tod

DruckversionPer e-Mail versenden
Gedankensplitter zu den jüngsten Beschlüssen zur Finanzierung der Krankenversicherung
Mittwoch, 7. Juli 2010 - 7:33

Quasi im Windschatten der Fußball-WM, die derzeit für ein diffuses Stimmungshoch in Deutschland sorgt, beschließt die schwarz-gelbe Koalition ein Finanzierungspaket für die permanent angeschlagenen gesetzlichen Krankenkassen, das - nach wohlgemerkt monatelangen Verhandlungen - ebensowenig überraschend ist wie es in in eklatantem Widerspruch steht zu den Wahlversprechen insbesondere der Mehr-Netto-vom-Brutto-Partei FDP. Die jüngsten Beschlüsse dürften überdies wohl kaum die Zustimmung der Versicherten finden, würde man sie denn fragen. Bei den Versicherten handelt es sich allerdings hochgradig um Pflichtversicherte, für die eh keinerlei Wahlmöglichkeit besteht zwischen gesetzlichem und privatwirtschaftlichem Versicherer und es stellt sich doch allmählich die Frage, ob eine Einrichtung, die ursprünglich fraglos zu den Grundpfeilern des Sozialstaats zählte, inzwischen nicht einfach obsolet geworden ist. Obsolet deswegen, weil das Modell Krankenkasse offenbar nicht mehr finanzierbar ist und die Schieflage zwischen der Behandlung gesetzlich und privat versicherter Patientinnen und Patienten immer eklatanter wird. Wie weit sind wir eigentlich, wenn der Tübinger Medizinethiker Georg Marckmann im Zusammenhang mit begrenzten Finanzmitteln im Gesundheitswesen wie gestern in den BNN unkommentiert sagen darf: "Also muss ich im Extremfall auch als Ethiker sagen: Das können wir uns nicht leisten - und dann stirbt vielleicht ein Patient einen Monat früher, andere werden aber dafür länger leben."

Wer von den Damen und Herren in Union und FDP, die für die jüngsten Beschlüsse verantwortlich zeichnen, wohl selbst Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist?

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.8 (6 Bewertungen)

Kommentare

Röslers Reförmchen - ein Kommentar der Zeit:

Das Konzept von Minister Rösler enthält auch revolutionäre Eleme

Auch hier sind Parallelen erkennbar - wie bei der WM 2010

Wer sich noch an die "Sommermärchenzeit 2006" erinnert, der weiß sicherlich auch noch, daß man damals genauso vorgegangen ist und das Gesundheitssystem "reformiert" hat. Wodurch - ja klar, u.a. einer drastischen Beitragserhöhung für die Versicherten, die im WM Taumel einfach untergegangen ist!

Aber schauen wir uns doch mal um - bei all dem Schwarz Rot Gold in Schland scheint es niemanden wirklich zu interessieren...

Na ja vielleicht dann nach dem Fest mit hunderttausenden auf der Fanmeile in Berlin, oder vielleicht nicht...

Unser Land geht Schritt für Schritt vor die Hunde und keinen scheint's zu stören.

Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient - panem et circenses und alles ist gut!

Gute Nacht Deutschland - mit oder ohne 4. Stern.

Auf Leben und Tod

Es wird - wieder einmal - bei denjenigen Bevölkerungsgruppen der Rotstift angesetzt, die bereits von Armut bedroht sind. Die Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung sowie das Sparpaket werden die Armutstendenzen verstärken. Die im Sparpaket vorgesehenen Sozialkürzungen findet man in der verharmlosenden und beschönigenden Überschrift (ich könnte mich aufregen, muß aber auf meine Gesundheit achten): "Stärkung von Beschäftigungsanreizen und Neujustierung von Sozialleistungen" im Regierungspapier Kapitel 3.

Was verbirgt sich dahinter?

1. Die auf zwei Jahre befristeten Zuschläge beim Übergang von Arbeitslosengeld I zu Arbeitslosengeld II (Hartz IV) sollen künftig entfallen. Dadurch erfolgt der soziale Absturz von Arbeitslosen noch schneller, unabhängig davon, wie lange sie vorher gearbeitet und Beiträge einbezahlt haben.

2. Der Rentenversicherungsbeitrag für Arbeitslosengeld-II-Empfänger wird abgeschafft. Das ist zynisch. Für diesen Personenkreis ist Altersarmut vorprogrammiert.

3. Bei der Bundesanstalt für Arbeit werden Pflichtleistungen in Ermessensleistungen umgewandelt. Es soll bei Wiedereingliederungsmaßnahmen drastisch gespart werden. Ältere und gesundheitlich angeschlagene Arbeitslose finden dann noch schlechter einen Job als bisher.

4. Das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger in Höhe von 300 Euro soll gestrichen werden (die anderen dürfen es behalten). Es trifft mal wieder die Ärmsten der Armen, insbesondere die alleinerziehenden Mütter. Erst im Februar bekam die Bundesregierung vom Bundesverfassungsgericht den Auftrag, bis zum Ende des Jahres die Regelsätze, insbesondere bei Kindern, neu und bedarfsgerecht zu berechnen, damit diese nicht isoliert, ausgegrenzt und chancenlos aufwachsen müssen.

5. Der 2008 eingeführte Heizkostenzuschuß für Wohngeldempfänger soll gestrichen werden. Das trifft hunderttausende Menschen, deren Renten knapp über der Grundsicherung liegen, besonders hart. Zieht euch warm an!

Durch diese Maßnahmen wird die soziale Spaltung in Deutschland zunehmen, die Kluft zwischen Arm und Reich (wie nun in einer Untersuchung festgestellt), wird breiter. Das widerspricht dem Koalitionsvertrag, in dem sich Union und FDP das Ziel der Vermeidung von Armut, insbesondere der Bekämpfung von Altersarmut, gesetzt haben. Aber das "Geschwätz" von gestern scheint nicht mehr zu interessieren. Wen wundert's, bei dieser "Gurkentruppe"?

Leistungsbereitschaft!

Ich kann es schon fast nicht mehr hören, wie immer die angeblich Schwächsten und Ärmsten herhalten müssen, um die Entscheidungen unserer Bundesregierung in den Dreck zu ziehen. Unsere Gesellschaft bietet jedem, der etwas leisten will, die Chance nach oben zu kommen. Es war noch in keiner Gesellschaft so leicht möglich, die höchsten Partei- und Staatsämter zu erklimmen. Siehe der kometenhafte Aufstieg des neuen Bundespräsidenten Wulff, der als Kind seine Mutter pflegte. Müssen wir denn immer auf die schauen, die sich der Gesellschaft dadurch verweigern, dass sie keine Leistung bringen? Ja, Leistung muss sich lohnen. Und daher dürfen die, die Leistung erbringen und daher viel Geld haben und viel verdienen, also unsere Elite, nicht noch zusätzlich geschröpft werden. Die Forderung nach Steuererhöhungen durch die linken Parteien SPD und die Linke ist nichts anderes als ein Schlag ins Gesicht derer, die die Leistungsträger unserer Gesellschaft sind. Nur Leistungsbereitschaft bringt uns weiter, nicht das Betteln nach noch mehr staatlicher Fürsorge, Alimentierung. Leistung muss sich wieder lohnen!

Verehrter "Gast", ich bin

Verehrter "Gast",

ich bin sicher, sie werden ihre Aussage gerne bei Leuten wiederholen, die derzeit  durch "Umstruckurierungsmassnahmen" ihren Job verlieren und auf Grund ihres Alter, Ausbildung und anderem bei ca. 3,5 Millionen Arbeitslosen in den nächsten Jahren keinen Job finden werden.

Es handelt sich dabei überwiegend um die Leute, die über Jahre hinweg schön treu und brav ihre Sozialbeiträge entrichtet haben.

Solche Aussagen wie die Ihre, liest man im allgemeinen nur von Leuten, die sich selbst nicht mehr in die Gefahr kommen von solchen Dinge betroffen zu werden.

Nach ihrer Aussage sind demnach alle derzeitigen arbeitslosen einfach nur zu "faul" zum arbeiten?

Auch eine Sichtweise... erinnert zwar mehr an "Scheuklappen" aber immerhin...

an Gast (die Anrede "verehrter" ist unangebracht)

Diesen Kommentar kann man nur als "Pamphlet" bezeichnen und "Volksverhetzung".

Hierzu fällt mir nur noch ein : schämen Sie sich!

Meine Aufforderung dazu, dürfte aber obsolet sein, denn um sich schämen zu können und zu wollen, bedarf es eines Charakters und der Einsicht.

Pfui

reinhard spiegler

p. s.: gebt diesem "Gast" Hartz4 und laßt ihn damit 1 Jahr leben ???

"Leistungsbereitschaft" der Kommentar von "Gast"

Diesen Kommentar kann ich nach mehrmaligem Lesen nur als Satire bewerten.
Sollte der Kommentator es wirklich ganz ernst gemeint haben, dann muss sich jener fragen lassen, ob er im Hier und Heute lebt,
denn so blinden Auges kann man eigentlich nicht durch die Welt schreiten.

"Gast" ist nicht allein mit seiner Meinung

Der gute "Gast" repräsentiert wie ich fürchte leider eine ziemlich große Bevölkerungsgruppe...

Die es erst merken wird, wenn sie selbst mal auf Hilfe angewiesen ist.

Solche Kommentare tun mir fast schon weh und ich muss mich sehr beherrschen...

Die Welt ist nicht so heil, wie "Gast" sich das vorstellt, und die einzige Möglichkeit das zu sehen, wäre selbst in eine prekäre Situation zu kommen.

Nicht von mir (auch wenn ich das S.-Wort öfters fallen lasse), sondern kommt bei den Söhnen Mannheims vor (glaube ich):

"Der Mensch lernt nur, wenn er Scheiße frisst."

Offenbar geht es einigen einfach zu gut. Und sie sind völlig verblendet. Wie kann man nur an dieses System glauben?!

"Gast"

Lieber Gast

"Leistungsbereitschaft" ist gut. Wer will Sie denn haben? Leute die aus dem Job gekegelt wurden, wegrationalisiert wegen Auslandsverlagerung und Anfang 40 sind, haben doch auf dem Arbeitsmarkt null Chancen mehr. Selbst wenn diese sich noch so bemühen. Ohne Vitamin B sind die einfach weg vom Fenster.
Es werden doch momentan wirklich nur 400 € Jobs oder Leute mit Hochschulausbildung gesucht. Oder "Mann" kann für 4 € die Stunde arbeiten um nicht die Würde zu verlieren. Das Job Wunder findet nicht statt - denn wenn das so wäre, müssten wir ja nicht die Krankenkassenbeiträge erhöhen.
Es ist ja immer wieder verblüffend wie schlecht es den Kassen geht, aber im
neu eröffneten Postcenter ist ja auch eine Krankenkasse eingezogen.
Wer bezahlt denn das?
So schlecht kann es also um die Kankenkassen nicht stehen.
Aber Sie haben ja keine Sparauflagen bekommen - und damit wird dann irgendwann der Beitrag bei 20 % ankommen.
Es gibt gute Kassen die haushalten und sehr gut für ihre Kunden arbeiten.
Das sind leider nur die Kleineren. AOK , DAK etc. gehören an die Kandarre genommen.
In einem Punkt gegeb ich Ihnen aber recht - es gibt leider Leute die unser Sytem voll ausnutzen und nicht arbeiten wollen und auf Kosten anderer Leben.
Das liegt leider am System.
Aber hier bitte nicht alles gleich beurteilen.
Leute die einen guten Job haben (dazu gehöre ich), sollte die Intelligenz besitzen zu differenzieren. Hören Sie sich in ihrem Bekanntenkreis um.
Das erwarte ich auch von Ihnen.

Norbert Kritzer

Beitragssatz EINSEITIG eingefroren

Eines habe ich noch vergessen:

"Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung steigen im nächsten Jahr von 14,9 auf 15,5 Prozent. Die Arbeitnehmer zahlen 8,2 Prozent von ihrem Bruttolohn. Die Arbeitgeber tragen 7,3 Prozent. Ihr Anteil wird künftig eingefroren."  (Quelle Tagesschau.de)

Wenn ich mich nicht irre, dann heißt das doch, daß alle zukünftigen Erhöhungen des Beitragssatzes zu Lasten der Arbeitnehmer gehen, oder?
Ein tolles Geschenk von schwarz-gelb an die Wirtschaft die trotzdem fleissig weiter Arbeitsplätze abbaut...

Um den Gedanken von Herrn Kritzer aufzunehmen, stellen Sie sich dann mal den Arbeitnehmerbeitragssatz vor, wenn wir bei 20% angekommen sind:

12,70% - ohne Worte!

 

Und nun? Reaktionen?

Ja, was geschieht jetzt? Was macht die sogenannte Opposition? Und die Gewerkschaften?
Was wäre in einer solchen Situation wohl in Frankreich los?!

Artikel-Tipp

Ich möchte einen Artikel empfehlen, und zwar diesen hier: auf wahrheiten.org.

Kennen Sie dieses Zitat?

"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."

Sie glauben, diese Worte sind von Erich Honecker oder von Josef Stalin oder gar von Adolf Hitler? Ganz daneben. Die Äußerung ist gerade einmal zehn Jahre alt und wurde von Jean-Claude Juncker, dem Vorsitzenden der Euro-Gruppe, dem Gremium der Europäischen Union, in welchem die Staaten der Eurozone ihre Steuer- und Wirtschaftspolitik koordinieren.

Der Anreißer:

Würden Sie gerne Ihre eigenen Gesetze machen und die Höhe Ihrer Steuern selbst bestimmen? Würden Sie am liebsten andere für sich arbeiten lassen und niemandem mehr Rechenschaft für Ihr Handeln, selbst wenn es kriminell ist, ablegen müssen?

Dann kommen Sie in die Regierung, in die EU, in die Konzernführungen. Dort legen Sie die Drehrichtung der Welt fest. Haben Sie keine Angst, es ist niemand da, der Sie belangen könnte, das Volk ist beschäftigt und keine Verantwortung mehr gewohnt und die Gesetze legen Sie selbst fest.

Ganz oben können Sie schalten und walten, wie es Ihnen beliebt. Schicken Sie noch heute Ihre Bewerbung.

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen