Auf dem Bruchsaler Friedhof fallen kleine Schilder an Grabmälern auf

DruckversionPer e-Mail versenden
Alte Grabsteine bleiben als Denkmal erhalten
Freitag, 12. September 2014 - 18:34
Auf dem Bruchsaler Friedhof fallen kleine Schilder an Grabmälern auf

Alte Grabsteine bleiben als Denkmal erhalten

Von KURIER-Redakteurin Sonja Zeh

Friedhof

Das Grabmal von Robert Tröstler und Familie. Tröstler war in der Zeit des Ersten Weltkriegs auch Stadtrat. Um den Stein kümmert sich der Verein zur Erhaltung und Förderung der Friedhofskultur e.V. Ortsgruppe Bruchsal.

Bruchsal. Die Inschrift des großen nicht besonders künstlerisch verzierten, aber alten Grabsteins mit Kreuz ist gut zu entziffern. Kenner der Ortsgeschichte wissen, wer sich hinter der Familie Robert Tröstler verbirgt. Der Metzgermeister und Förderer des Sommertagszugs, dessen Brüder in Bruchsal ebenfalls stadtbekannte Persönlichkeiten waren, starb 1937. Das Grab der Familie auf dem Friedhof in Bruchsal ist heute mit Gras überwachsen. Der Stein steht noch. An anderen alten Sandstein-Grabsteinen, meist mit integriertem Kruzifix, sind durch die Verwitterung die Inschriften weniger gut zu lesen. Doch auch an diesen Grabsteinen fällt ein am Sockel angebrachtes Schild auf. Folgendes ist darauf lesen: „Dieses Denkmal wird vom 'Verein zur Erhaltung und Förderung der Friedhofskultur e.V. Ortsgruppe Bruchsal' unterhalten." Die Ortsgruppe existiert seit 2008, ist von Traugott Bräuninger, dem zuständigen Mitarbeiter für das Bestattungswesen der Stadt Bruchsal zu erfahren. Angeregt hatte die Bildung der Ortsgruppe der damalige Hauptamtsleiter Otto Ihle. Als Vorsitzender des Bruchsaler Vereins fungiert Friedhofsgärtner Martin Siegele. Die Bruchsaler Ortsgruppe des Badischen Vereins zur Erhaltung und Förderung der Friedhofskultur in Baden mit Sitz in Karlsruhe gibt zweimal im Jahr die Zeitschrift „Ans Leben erinnern" rund um die Friedhofskultur heraus. Aber nicht nur das. Der Verein hat sich einer Reihe Ziele verschrieben, setzt sich nicht nur für die Erhaltung von traditionellen Bestattungsarten ein und entwickelt neue, sondern hält auch an historischen und künstlerisch gestalteten Grabmalen fest, sofern dies finanziell machbar ist. Doch: Wann wird ein Grabmal zum erhaltenswerten Denkmal?

Friedhof

Ein alter Grabstein aus Sandstein, der erhalten geblieben ist. Solche Steine sind heutzutage immer seltener auf Friedhöfen zu sehen.

Ist die Nutzungsdauer eines Grabmals vorüber, normalerweise nach 20 Jahren, stehen die Angehörigen, die das Grab pflegen, vor einer Entscheidung. Sie können es räumen lassen, den Grabstein im Garten aufstellen oder ihn auf den Müll werfen. Letzteres ist schnell getan und kommt möglicherweise billiger, als einen Wartungssicherungs-vertrag mit der Bruchsaler Ortsgruppe zu schließen. Doch gäbe es die Bruchsaler Ortsgruppe nicht, würden heute mehrere alte Grabsteine mit kulturhistorischem Hintergrund auf dem Müll liegen, konstatiert der Bruchsaler Bürgermeister Ulli Hockenberger, in dessen Zuständigkeitsbereich das Friedhofswesen fällt. Die Stadt ist zwar nicht Mitglied der Ortsgruppe, hält jedoch die Arbeit des Vereins für sinnvoll, weil im Zusammenwirken mit ihm es gelingt, wichtige und wertvolle Grabsteine zu sichern.

Der erste Grabstein, den sich die Ortsgruppe zur Erhaltung sicherte, war der von der Mundartdichterin Babett Ihle, sagt Traugott Bräuninger vom städtischen Bau- und Vermessungsamt, zuständig für das Bestattungswesen. Er betont den Mehrwert den Nachfahren haben, wenn sie ein kulturhistorisch besonders wertvolles Grabmal aufgeben und es für einen gewissen Betrag der Ortsgruppe zur Erhaltung und Förderung der Friedhofskultur überlassen. „Denn“, so erklärt Bräuninger, „in das Denkmal wird weiter investiert. Und man kann weiter seine Rose auf das Grab legen". Allerdings: Ist der von den Nachfahren übergebene Betrag für die Erhaltung des Grabmals aufgebraucht, kommt die Stadt als Eigentümer des Denkmals für dessen Erhalt auf. Bei besonderen Kunstwerken schaltet sich die Denkmalpflege mit einem Zuschuss ein, der aber nicht besonders hoch ausfällt. Circa 25 Grabmale von kulturhistorischem Wert - auf dem Bruchsaler Friedhof wie auf den Stadtteilfriedhöfen - hat sich die Bruchsaler Ortsgruppe nach Auskunft Bräuningers inzwischen gesichert. Er selbst arbeite zurzeit an der Erstellung eines Denkmalkatalogs, in dem 126 besondere Grabmäler auf den Bruchsaler Friedhöfen verzeichnet werden. Dazu gehören auch die alten Grabsteine am Osteingang des Bruchsaler Friedhofs. Sie wurden ab Mitte der 80er Jahren aus besseren Erhaltungsgründen von der Peterskirche dorthin versetzt. Als Kulturdenkmal zählt auch die Einfriedungsmauer an der Peterskirche. Sie ist größtenteils mit Efeu bewachsen, das der Mauer auch eine gewisse Festigkeit gibt. Derzeit sehen die Fachleute keinen großen Handlungsbedarf, die Mauer, die gut ins 17. Jahrhundert zurückgehen dürfte, im großen Stil zu sanieren. Ein Stück freigelegte Mauer soll jedoch aktuell verfugt werden. Die Kosten dürften hierfür, im Gegensatz zu einer großen Sanierungsmaßnahme, für die Stadt ohne Probleme zu tragen sein.

Friedhof

Die Friedhofsmauer bei der Peterskirche aus Muschelkalkstein ist an einigen Stellen vom Efeu befreit und wird dort ausgebessert. Eine umfangreiche Sanierung hält man derzeit nicht für nötig. © Fotos: Sonja Zeh

©  Sonja Zeh

Übernahme von DER KURIER, Ausgabe Bruchsal, Nr. 36,  4. September 2014, mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Frau Sonja Zeh.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.5 (4 Bewertungen)
Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen