Atomkraft nein Danke?

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Gedanken zur Atomstromdebatte
Donnerstag, 17. März 2011 - 20:29

 

Ich weiß es nicht, wie es Ihnen geht.

Bisher war ich kein vehementer Atomkraftgegner, jedoch auch kein  Verfechter des Atomstromes.

Nun sind die Ereignisse in Japan über uns hereingebrochen und haben mich dazu gebracht, nachzudenken. Es wird wieder laut, dass die beiden AKWs, zwischen denen wir wohnen, alles andere als sicher sind.

Manche wehren sich noch mit Floskeln wie: „Unwahrscheinlich, dass wir hier in Deutschland von Katastrophen solchen Ausmaßes..." etc. gegen den Atomausstieg in Deutschland.

Ich frage mich, seitdem in Japan das an sich Unwahrscheinliche, nämlich dass Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbruch und GAU zusammen kamen, ob es wirklich noch etwas Unwahrscheinliches gibt.

Philippsburg liegt im Bereich der Flughäfen Frankfurt, Stuttgart und Baden-Airpark. Neckarwestheim ebenso.

Bei aller Unwahrscheinlichkeit, dass ein Flugzeug punktgenau in Philippsburg 1 oder Neckarwestheim landet, wenn es abstürzt, ist es denn nach Japan noch immer ein zu vernachlässigendes Risiko?

Mich überkommt auch eine Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, dass bis zu dem Absturz eines amerikanischen Militärjets in Forst (ca. 15Km vom AKW) 1988 munter über Philippsburg und dem AKW dort im Tiefflug geübt wurde. Ob wir unseren Bonus an Unwahrscheinlichkeiten nicht schon verbraucht haben?

Was mich aber mehr ängstigt ist die Haltung unserer Politiker, die, angesichts der immer weiter eskalierenden Lage in Japan, gerade mal ein Memorandum zustande bringen. Japan ist ja so weit weg, dass wir niemals betroffen sein können. Und unsere Reaktoren sind ja sicher. Zumindest dann, wenn man außer Acht lässt, dass nicht jeder Störfall an die Öffentlichkeit gebracht wird und die Schlimmeren davon mal lieber in der Schublade bleiben, bis sie einer findet und  verbreitet.

Es ängstigt mich, dass ich mittlerweile derart misstrauisch bin, dass ich unseren Spitzenpolitikern unterstelle, sie ließen einfach mal eine Weile Gras über die ganze Sache wachsen und wenn Japans Katastrophe von irgendwas anderem in den Medien abgelöst würde, könne man dann die ganzen alten Schrottreaktoren wieder betreiben. Es war ja nur ausgesetzt für die drei Monate des Memorandums.

Sicher ist die Forderung nach dem sofortigen Atomausstieg etwas zu utopisch. Aber den ursprünglichen Zeitplan des geplanten Atomausstiegs wieder aufnehmen und die Werke, die schon abgeschaltet sein sollten, auch dauerhaft still zu legen ist doch nicht zu viel verlangt - oder, Herr Mappus?

Ja, ich schlafe schlecht.

MaBö

 

P.S.: Einen herzlichen Dank an unsere Medien, die es fertiggebracht haben, Menschen so zu verunsichern, dass sie ihre Gesundheit statt mit unwahrscheinlicher Strahlung mit unnötig eingenommenem Jod ruinieren!

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Kommentare

Katastrophenschutz in Deutschland

In Baden-Württemberg.
Im Regierungsbezirk Karlsruhe.
Im Landkreis Karlsruhe.
In Phlippsburg.
In Waghäusel.
In Hambrücken.
In Forst.
In Karsdorf-Neuthard.
In Bruchsal.
In.....................................

Gute Nacht.

Das wäre dann ein noch stärkeres Stück...

Liebe(r) MaBö,

sorry fürs Klugsch***en, aber zu etwas mehr als einem Memorandum (= Denkschrift) ließen sich unsere Politiker dann doch bewegen.

Es handelt sich hier um ein Moratorium (Duden: "vertraglich vereinbarter oder gesetzlich angeordneter Aufschub" -

apropos: wie hieb- und stichfest diese Definition ist, weiß ich zwar nicht, sie kommt aus dem Universalwörterbuch, hat also mit Fachsprache nichts zu tun. Aber wenn ich es recht überlege, haben wir ja vielleicht doch kein Moratorium im engeren Sinne?! Denn hier wurde weder etwas vertraglich vereinbart noch GESETZLICH angeordnet. Sondern kraft souveräner Willkür beschlossen...)

Grüße von WörterTante
die aber noch feststellen möchte, dass sie keineswegs gegen den Ausstieg ist, sondern grundsätzlich gegen die auch vom Verfahren her absolut abwegige Laufzeitverlängerung war
- und die hier MaBö keinesfalls ans Knie treten will

Moratorium

Liebe Wörtertante, lieber MaBö,
eines ist mir noch immer nicht klar: Wird die Laufzeitverlängerung jetzt um 3 Monate verschoben? Werden die alten Reaktoren jetzt verschrottet oder nur 3 Monate stillgelegt? Gilt die Ankündigung ganz ganz strenger Vorschriften (so dass danach evtl. gar kein AKW mehr am Netzt ist) auch für die Zeit nach dem Moratirium oder auch nach den Landtagswahlen?
Es war doch jedem, aber auch jedem klar, dass ein GAU eines AKW in Deutschland oder Umgebung keinesfalls hinnehmbar ist. Also mit welchem Recht werden die AKW's betrieben?
Wie verbohrt muß man sein, um nach Tschernobyl solche Werke noch zu betreiben? Was nützt Wachstum um jeden Preis, wenn Land und Leute Schaden nehmen würden?
Wen soll man denn wählen, wenn man gegen Atomkraft ist? Doch nicht die Linke, oder? Bei allen anderen stimme ich doch angeblich für die so harmlose Atomkraft. Wähle ich SPD oder CDU oder FDP bin ich automatisch für S21. Also ich sehe schon, ich habe zwar eine Stimme, aber keine Wahl.
Der Filou

Liebe WörterTante

Möglicherweise wäre es hilfreich, solch Dinge eben dann zu verfassen, wenn man nicht mehr oder minder schlaflos des Nächtens vor dem Pc sitzt und sich so seine Gedanken macht. Natürlich war das Moratorium gemeint.
In der Hoffnung, dass es sich nicht als denkwürdiger Fauxpas erweist und somit tatsächlich nur als Hilfe für die Landtagswahlen gewertet werden muß.
Herzlichen Dank fürs genaue Lesen.
MaBö

Moratorium - ein Blick...

hilft weiter - oder?
"Moratorium" - aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:

"Ein Moratorium (lat. morari für „verzögern“, „aufschieben“) ist allgemein die Entscheidung, eine Handlung aufzuschieben oder zeitlich befristet zu
unterlassen, oder ein Abkommen vorübergehend außer Kraft zu setzen.

Es bezeichnet insbesondere:

* bei strittigen Projekten (Flughafenbau, Flussbegradigungen, Kernkraftwerkslaufzeiten usw.) eine Unterbrechung der Arbeiten mit dem Ziel, durch Verhandlungen einen Kompromiss zu finden;
* in der internationalen Finanzpolitik..." usw.

allerdings - WAS denn nun aufgeschoben wird, ist danach immer noch nicht klar. Wenn ein Atomkraftwerk eine Betriebserlaubnis besitzt - was will die Frau Bundeskanzlerin dann aufschieben???

Ein toller Trick

Ich wette, dass der Trick mit dem Moratorium der CDU hilft, Wahlen zu gewinnen. Leider ist die Mehrheit der Leute so dumm zu glauben, dass die Atomwirtschaft sich gefallen ließe, die Laufzeitverlängerung sausen zu lassen.
Nach drei Monaten sind alle Meiler wieder am Netz und die Laufzeitverlängerung gilt.
Momentan tut man so, als würde man sein Recht nicht einklagen. Aber die Atomlobby weiß genau, wen sie braucht, um zu ihren Profiten zu kommen.
Nach den Wahlen wissen wir es besser.
Filou

KenFM über Atomkraft und warum wir rückhaltlos DAFÜR sind!

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