Anfangs Nutzfläche, heute Naherholungsgebiet:

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Vor 200 Jahren entstanden die ersten Kleingärten
Dienstag, 3. Juni 2014 - 20:10

Unkrautjäten sowie Obst- und Gemüseanbau im Kleingarten galt lange Zeit als spießig. Mit Urban und Guerilla Gardening erlebt das Gärtnern auf kleiner Fläche derzeit jedoch einen unverhofften Aufschwung. Ihren Anfang nahm diese Bewegung vor 200 Jahren: Im Frühjahr 1814 wurde in Kappeln in der Nähe von Flensburg der weltweit erste Kleingartenverein gegründet. Die Erträge waren für die Ernährung der dort lebenden Bauern und Fischer an der Schlei extrem wichtig und sicherten bald auch der wachsenden städtischen Arbeiterschaft das Überleben: Viele konnten angesichts hoher Lebensmittelpreise ihre Familien mit dem Lohn, den sie in den Fabriken verdienten, nicht satt bekommen. Im TECHNOSEUM in Mannheim ist ein solcher Kleingarten zu sehen – so, wie er um 1900 ausgesehen haben könnte und in ähnlicher Form in vielen städtischen Randlagen bis heute zu sehen ist.

Schrebergarten

Schrebergarten im TECHNOSEUM. Foto: TECHNOSEUM

In der Dauerausstellung des TECHNOSEUM zeigt eine nachgebaute Arbeiterwohnung die beengten Verhältnisse der Fabrikarbeiter in der Stadt auf. Direkt gegenüber blicken die Besucherinnen und Besucher auf den Kleingarten – Rübenbeete, Kaninchenstall und Gartenlaube inklusive. Hier werden nur Sorten angebaut, die Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland verfügbar waren und von den Gartenbesitzern genutzt wurden. An Pfosten hängen – wie damals üblich – Leinentücher, um Vögel von der frisch ausgebrachten Saat fernzuhalten. Die Gegenüberstellung mit der Wohnung macht die Bedeutung der eigenen Scholle für die Arbeiter deutlich: Viele von ihnen waren vom Land in die Metropolen gezogen, um einen Broterwerb zu finden – ein Kleingarten verkörperte für sie nicht zuletzt auch ein Stück Heimat. Der Begriff „Schrebergarten“ kam übrigens erst wesentlich später auf: „Der Leipziger Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild, richtete 1864 einen kindgerechten Turnplatz ein, auf dem die städtische Jugend auch gärtnern sollte“, erläutert Dr. Thomas Herzig, Leiter Ausstellungen am TECHNOSEUM. „Er benannte ihn nach seinem Schwiegervater Moritz Schreber, einem Arzt, der vier Jahre zuvor verstorben war.“ Der Schrebergarten war somit gezielt für Stadtkinder gedacht, die sich erholen sollten – ein Ziel, das auch die Mitglieder heutiger Kleingartenkolonien verfolgen: Der Anbau von Lebensmitteln ist keine existenzielle Notwendigkeit mehr, stattdessen stehen gesunde Ernährung und die Aktivität an der frischen Luft im Vordergrund. Der Kleingarten ist zum Rückzugsgebiet für gestresste – und neuerdings auch hippe – Großstädter geworden.


 

Über das TECHNOSEUM
Das TECHNOSEUM in Mannheim gehört neben dem Deutschen Museum in München und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin zu den größten Technikmuseen in Deutschland. Die Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik vom 18. Jahrhundert bis heute sowie der soziale und wirtschaftliche Wandel, den die Industrialisierung in Deutschland ausgelöst hat, sind die Themen der Dauerausstellung. Maschinen werden nicht einfach gezeigt, sondern in Ensembles inszeniert, Vorführtechniker erklären Arbeitsabläufe und beantworten Fragen der Besucher. Selbst aktiv werden darf man in der Experimentier-Ausstellung „Elementa“, die an mehreren Orten auf dem

Rundgang durch das Museum zum Tüfteln einlädt: Technische Erfindungen lassen sich hier durch eigenes Ausprobieren nacherleben. Das Museum wurde 1990 eröffnet und lockte bisher weit über 5 Millionen Besucher an.

Weitere Informationen gibt es unter TECHNOSEUM.

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Kommentare

My garden is my castle....

Auch in Bruchsal geht der Trend hin zum Garten in der Natur. Es gibt für Gärten in den Gartenanlagen eine lange Warteliste, aber auch in der freien Flur sieht man immer mehr Gärten, die jahrelang verwilderten, wieder "renaturiert" auch durch - gerade junge Familien mit Kindern.

Ich bin zu meinem Garten gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Jahrelang habe ich jeden Gartenbesitzer, den ich bei meinen Spaziergängen mit dem Hund angetroffen habe, danach gefragt, ob er jemanden kenne, der seinen Garten verpachten wolle. Der letzte gab zur Antwort: "Ja, ich".

Das habe ich mir nicht dreimal überlegt, und am nächsten Tag fand im Garten die Unterzeichnung des Pachtvertrags statt. Seither bin ich fast täglich vor Ort, übernachte sogar ab und an. Nun habe ich Gelegenheit, mit meinem Hund auch spät abends, früh morgens oder auch nachts unterwegs zu sein, eine Erfahrung, die wir beide nicht missen möchten.

Natürlich ist auch täglich mehrstündige Gartenarbeit angesagt, was aber Spaß macht und gut tut. Die erste Kirschenernte steht an, es folgen Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Pflaumen, Nüsse... Tomaten, Paprika, Kürbisse und Gurken habe ich auch schon angepflanzt, nicht zu sprechen von unzähligen Blumen.

Ich kann grillen, kochen und am Lagerfeuer sitzen, morgens gibt's manchmal Weißwürste, abends Eintöpfe oder, wie gesagt, Gegrilltes, Gitarre spielen kann ich auch, ohne jemanden zu stören und vor allen Dingen, ich komme wieder zum Lesen. Die Stille ist einmalig wohltuend, nur ab und zu dringt der Lärm der Stadt herauf.

Tja, solch ein Garten hat was für sich, für Mensch und Tier. Apropos Tier. In meinem Garten leben Frösche, Eidechsen, Singvögel, ein Specht, Bienen, Hornissen, Libellen, Hamster und Eichhörnchen. Wenn ich beim Abendessen zum Fenster meiner Hütte rausschaue, sehe ich Rehe über die Wiese laufen, drei Füchse leben ebenfalls in der Nähe, auch ein Bussardpaar...und abends flattern Fledermäuse bei Sonnenuntergang um die Hütte. Auf Urlaub verzichte ich in diesem Jahr - und wahrscheinlich auch im nächsten. Meine Schilderung mag, der Begeisterung zuzuordnen, übertrieben idyllisch klingen, aber es ist so.

Garten 1
Garten 2

 

Garten 3

 

Garten 4

Mein Hund ist ebenfalls zufrieden....

 

Garten 5

Sehr schöner Garten

das muss man wirklich sagen. Ein Garten, in dem sich auch Tiere einfinden.

Ich habe leider die Erfahrung gemacht, daß ein solcher Garten (auch wir haben einen solchen) eher auf Ablehnung stößt. Zu "verwildert", zu natürlich, was weiß ich.

Die Umgebung ist eher von wohlgeordneten, von Ungeziefer und Unkraut "befreiten"  Einheitsgärten geprägt. Obst und Gemüse in Reih und Glied, an Entspannung nicht zu denken, schade...

Naja, vielleicht setzt wirklich ein Umdenken ein, man hofft es, grade für Kinder (aber nicht nur) ist so ein Garten ein unvergleichliches Erlebnis.

 

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