Das Alte Wasserwerk – die unendliche und nicht geklärte Geschichte

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Offener Brief an die Stadtverwaltung und den neugewählten Gemeinderat der Stadt Bruchsal
Dienstag, 9. September 2014 - 16:30

Absender:

Dr. Jochen Wolf

76646 Bruchsal

 

Bruchsal, den 9. September 2014

 

Offener Brief an die Stadtverwaltung und den neugewählten Gemeinderat der Stadt Bruchsal

Das Alte Wasserwerk – die unendliche und nicht geklärte Geschichte

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Petzold-Schick,

sehr geehrte Damen und Herren des Bruchsaler Gemeinderates,

Im Anschluß an diesen (http://www.bruchsal.org/story/wir-lassen-bruchsal-weiter-geb%C3%A4ude-vergammeln) im April 2014 bei www.bruchsal.org veröffentlichten Artikel zum Alten Wasserwerk in der Hochstrasse informierte mich das Büro der Frau Oberbürgermeisterin darüber, dass das Alte Wasserwerk tatsächlich unter Denkmalschutz stünde und daher die Stadt Bruchsal für das Gebäude verantwortlich sei.

Wegen der bevorstehenden Kommunalwahlen sei jedoch etwas Geduld meinerseits erbeten, denn man wolle von Seiten der Verwaltung den neu zu wählenden Gemeinderat mit dieser Thematik befassen. Soweit so gut. Nun hat sich der neue Gemeinderat konstituiert und die Sommerpause ist an ihrem Ende angelangt, was ich zum Anlaß nehmen möchte, das Thema Altes Wasserwerk wieder in Erinnerung zu bringen.

Wie schon im seinerzeitigen Artikel ausgeführt, bieten die bevorstehenden Heimattage in Bruchsal eine gute Gelegenheit, sich mit dem Thema Denkmalschutz in Bruchsal im Allgemeinen und Besonderen auseinanderzusetzen.

Ja, ich bleibe bei meiner Vermutung, dass das Verfallenlassen des Gebäudekomplexes Altes Wasserwerk System hat und von Seiten der Verwaltung gehofft wird, dass baldmöglichst ein Grad des Verfalles eingetreten ist, der aus baupolizeilichen Gründen nur noch den Abriss statthaft erscheinen läßt. Der Bevölkerung würde dies als bedauerliche, aber unabänderlich notwendige Maßnahme „verkauft“ werden. Diese Vermutung meinerseits ist ebensowenig neu, wie sie nicht nur alleine von mir geäussert wurde und wird. Schon vor fast fünf Jahren, wenig nach der Etablierung des bis 2014 amtierenden Gemeinderates, wurde dies auf der Plattform bruchsal.org bereits von anderer Seite intensiv diskutiert und kommentiert: http://www.bruchsal.org/story/das-alte-wasserwerk-von-bruchsal. Die Tatsache, dass seither überhaupt nichts geschehen ist und das denkmalgeschützte Gebäude weiterhin dem Verfall preisgegeben wurde läßt vermuten, dass die Kritiker der Bruchsaler Denkmalschutz-Politik mit ihrer Schlußfolgerung richtig liegen.

Ich bin jedoch nicht gewillt, dieses Resultat einfach so hinzunehmen. Mit dem Blick auf die Bruchsaler Stadtentwicklung der letzten Jahrzehnte läßt sich feststellen, dass nahezu ausnahmslos auf Abriss und Neubau gesetzt wurde und eben nicht versucht wurde, alte Bestände, die Kultur unserer Heimat, zu sichern. Zugegeben, der Erhalt ist häufig auf den ersten Blick kostspieliger als der Abriss und der darauf folgende Neubau, aber machen wir uns nichts vor, Neubaukalkulationen sind meist schon dann überholt, sobald die Baugrube ausgehoben wird. Exorbitante Kostensteigerungen verwundern heute nicht wirklich mehr, diese werden vielmehr einfach nur noch hingenommen. Aber Kosten für Erhalt oder gar Renovation historischer Gebäude werden gebetsmühlenartig als nicht tragbar dargestellt und entsprechende Diskussionen mit dem Kostenargument als weltfremd abgetan.

Schauen Sie sich doch Bruchsal mal aus unseren Hanglagegebieten, insbesondere dem Geiersberg, an. Was sehen Sie?

Einen Betonklotz nach dem anderen und es werden immer mehr: Bürgerzentrum, Rathausgalerie, Siemens, ADAC-Verwaltung, SEW-Parkhaus, neue OGA (monströs ist das einzig richtige Adjektiv hierfür), Handelszentrum an der Prinz Wilhelm Strasse und was uns die Bahnstadt sonst noch so alles bieten wird.

Wollen die Bruchsaler Bürger wirklich ein Stadtbild, das Bruchsal so gleich macht mit vielen anderen Städten? Gefällt Ihnen ganz persönlich unser Stadtbild noch? Hält man sich vor Augen, was historisch an Bausubstanz in Bruchsal trotz des verheerenden Angriffs vom 1. März 1945 noch vorhanden war und über die Jahrzehnte kontinuierlich „beseitigt“ wurde, dann kann das uns alle eigentlich nur noch den Kopf schütteln lassen.

Ich denke, wir müssen umdenken und in unserer Stadt nachhaltiger, verantwortungsvoller und bewusster planen, ohne immer nur Rendite und vermeintlichen Nutzen im Hinterkopf zu haben.

Was hat dies nun alles mit dem Alten Wasserwerk zu tun? Nun, dieses bietet für Sie als Gemeinderat und Stadtverwaltung die Möglichkeit ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen dafür, dass Bruchsal sich auch seiner Baugeschichte annimmt  – nach Krieg und dem Abrisswahn der 1970er und 1980er Jahre. Wann wäre denn die Zeit, sich seiner Historie und der letzten, noch nicht zerstörten historischen Gebäuden anzunehmen und das Wenige, was nicht dem Erdboden gleich gemacht wurde, auch für unsere Kinder und Kindeskinder zu bewahren? Wann wenn nicht in Zusammenhang mit den Heimattagen? Ich betone hier nochmals, dass Radrennen und Spargel schälen ganz sicher weniger mit Heimat zu tun haben als beispielsweise die Baudenkmäler unserer Stadt vor dem völligen Verfall zu bewahren.

Dass eine solch geschichts- und heimatbewusste Denkweise möglich ist, hat der großartige Gemeinderatsbeschluß zum Taharahaus gezeigt. Die Hoffnung stirbt also zuletzt.

Und nochmals, ja, solche Sanierungsmaßnahmen kosten Geld, wahrscheinlich auch viel Geld, aber das muss es uns als Bürger dieser Stadt eben wert sein. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Beispiele wie das Firstständerhaus in Zeutern (Museum und Bürgerhaus) oder die alte Mühle oder der Katzenturm in Heidelsheim oder die Spielscheuer in Oberderdingen, oder die Alter Kelter in Helmsheim, das Feldkirchle in Bruchsal und nun das Taharahaus gibt es genügend.

Bürgerschaftliches Engagement würde sich sicherlich auch noch unterstützend bewerkstelligen lassen, nicht nur bei der Sanierung des Alten Wasserwerks, so dass nicht nur Geld, sondern auch Gemeinsinn unsere Stadt weiterbringen würden.

Daher abschließend meine Bitte an Sie als Entscheidungsträger. Unterstützen Sie unsere Heimat und bewahren Sie das Kleinod Altes Wasserwerk vor dem Abriss.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jochen Wolf

 

Wasserwerk

Altes Wasserwerk, Januar 2014. Foto: privat

Altes Wasserwerk

Altes Wasserwerk, Januar 2014. Foto: privat

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Kommentare

Befassungen

Bin gespannt, ob der neue Gemeinderat jetzt mit der Sache befasst wird oder ob die alte Verwaltung feststellt, dass sie - oh Schreck! - sich jetzt erst mal mit dem alten Wasserwerk befassen muss...
Oder ob eine uralte Vorlage neu datiert und ganz schnell vorgelegt wird, in der schlicht und ergreifend dem Gemeinderat das vorgeschlagen wird, was man aus Rücksicht auf die letzten Kommunalwahlen seinerzeit zurückgehalten hat - nämlich: Das alte Wasserwerk wird "wegen Interessen -, Finanz-, Verwendungs- und überhaupt allgemeiner Lustlosigkeit abgerissen, der Bebauungsplan geändert und das Gelände als Bauplatz verkauft.
An wen?
Na, da fallen uns doch ein paar Namen ein. Sie beginnen mit L oder F oder...

Untere Denkmalschutzbehörde

Zuständig für den Denkmalschutz soll in Bruchsal die Untere Denkmalschutzbehörde sein. Die ist bei der Stadtverwaltung angesiedelt. Hier wird wohl der Bock zum Gärtner gemacht. Wenig überraschend ist, dass die Eingabe des Stichwortes "Denkmalschutzbehörde" oder "Denkmalschutz" auf der offiziellen Seite der Stadt Bruchsal bruchsal.de nicht zu einem entsprechenden Amt führt. Lediglich auf der Seite der Landesdenkmalpflege werden die entsprechenden Kontaktdaten verraten:

Stadtverwaltung Bruchsal Untere Denkmalschutzbehörde Otto-Oppenheimer-Platz 5 76646 Bruchsal Tel: +49 (07251) 7 96 00 Fax: +49 (07251) 7 91 16 00 buergerservice-bauen [at] bruchsal [dot] de

Durch eifriges Suchen auf der Internetseite der Stadt Bruchsal kommt man aber auf diese Seite: http://www.bruchsal.de/servlet/PB/menu/1339194/index.html?modul=bw&amtsI.... Die dort genannten Mitarbeiter dürften wohl für Denkmalschutzangelegenheiten in Bruchsal zuständig sein.

Aus Gesprächen mit Anwohnern um das Wasserwerk herum habe ich erfahren, dass diese schon mehrfach bei der Stadt wegen des Verfalls des Gebäudes vorstellig wurden, ja sogar anboten, selbst für den Stopp des Verfalls des denkmalgeschützten Gebäudes tätig zu werden. Sie wurden aber immer wieder abgewimmelt.

Bruchsaler Traumtänzereien

Oh, was seid ihr doch für Traumtänzer dort unten in Süddeutschland. Glaubt doch nicht, dass sich irgend etwas tut, wenn ihr euch für den Stopp des Verfalls eines Kulturdenkmals einsetzt. Überall in Deutschland setzen die Kommunen auf den Faktor Zeit, um ungeliebte städtebauliche Kulturdenkmale loszuwerden. Kosten diese doch nur Geld für die Sanierung und, nach einer eventuellen Sanierung, jährliche Unterhaltskosten. Ignoranz wird euch von Seiten der Stadtverwaltung entgegen schlagen vielleicht sogar Häme und dumme Sprüche.

Glücklicherweise konnten wir hier ein Projekt, wesentlich größer aber ebenso geschichtsträchtig, durch gemeinsame Initiativen vor dem Verfall retten. Schaut mal in die Links rein, vielleicht ergibt sich die eine oder andere Idee für die Rettung des Kulturdenkmals. Und vergesst nie. Wer sich auf den Rat einer Stadt in solchen Dingen verlässt, der ist selbst verraten. Die wollen nur ihre Sitzungsprämien abgreifen und lieb im Ort gegrüßt werden - und das eine oder andere eigene Süppchen kochen.

http://rettetsalzmann.wordpress.com/2014/01/09/sicherung-vor-verfall-jet...

http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturfabrik_Salzmann

http://rettetsalzmann.wordpress.com/

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