Allianz für den freien Sonntag begrüßt Evaluierung des Baden-Württembergischen Ladenöffnungsgesetzes (LÖG)

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Mittwoch, 16. Oktober 2013 - 11:57

Die Aktion der „Allianz für den freien Sonntag und sozialverträgliche Arbeitszeiten Baden-Württemberg“ im vergangenen Jahr zeigt Wirkung. In einem Brief an die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) in Stuttgart teilten das Sozial- wie das Staatministerium mit, dass Anfang 2014 die Überprüfung des Ladenöffnungsgesetzes von 2007 stattfinden wird.

Bereits auf einer Fachtagung der Allianz im März 2010 hatten Vertreter der SPD- und CDU-Landtagsfraktion Baden-Württemberg dieses Anliegen grundsätzlich unterstützt. Bisher liegen für Baden-Württemberg keine verlässlichen Erkenntnisse über die Auswirkungen der seit nunmehr sechs Jahren geltenden Neuregelung vor. Die Befürworter der Freigabe der Ladenöffnungszeiten hatten als Argumente u.a. eine zu erwartende Umsatzsteigerung im Einzelhandel sowie dadurch zusätzlich entstehende Arbeitsplätze ins Spiel gebracht. Die Vertreter der Sonntagsallianz in Baden-Württemberg betonten dagegen die zu befürchtenden negativen Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation- und Arbeitszeitgestaltung und eine weitere Prekarisierung von Beschäftigungsverhältnissen im Einzelhandel.

KAB-Diözesansekretär Peter Niedergesäss zeigte sich erfreut über die anstehende Evaluation des Ladenöffnungsgesetzes. Er wies darauf hin, dass das Ladenöffnungsgesetz eine 24 Stunden-Öffnung ermöglicht. Die KAB und die Allianz wolle jedoch keine „Rund um die Uhr Kommerzialisierung“, die Gesellschaft „brauche gemeinsame Ruhezeiten“, so Niedergesäss. Gerade der Sonntag ermöglicht dies und betont die Zweckfreiheit der Menschen.

Betriebsseelsorger Wolfgang Herrmann hofft, dass das Sozialministerium bei der Konzeption der Evaluierung die Hinweise der Allianz für den freien Sonntag aufgreift. Insbesondere müssen die Spätöffnungszeiten an Werktagen und die Stadtteilregelung bei Verkaufsoffenen Sonntagen überprüft werden.

Die "Allianz für den freien Sonntag und sozial verträgliche Arbeitszeiten" bot dem Sozialministerium ihre Kompetenzen bei der Umsetzung der Überprüfung des Ladenöffnungsgesetzes an.

In der „Allianz für den freien Sonntag in Baden-Württemberg“ haben sich gewerkschaftliche und kirchliche Organisationen zu einem Bündnis für sozialverträgliche Arbeitszeiten zusammengeschlossen. Sie ist Teil der auf Bundesebene ins Leben gerufenen Allianz für den freien Sonntag.

Dazu gehören:
- Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) Erzdiözese Freiburg und Diözese
Rottenburg-Stuttgart
- Arbeitnehmerpastoral Erzdiözese Freiburg
- Betriebsseelsorge Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Kolping Landesverband Baden-Württemberg
- Evangelische Arbeitnehmerschaft (EAN) der Evangelischen Landeskirche in Baden
- Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelischen Landeskirche in Baden
- Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
- Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
- Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

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Kommentare

Jeff Bezos wird gewinnen.

Die „Allianz für einen freien Sonntag“ fürchtet die „Prekarisierung“ der Arbeitsverhältnisse im Einzelhandel. Diese Prekarisierung findet außerhalb des stationären Einzelhandels und außerhalb dieser Initiative statt. Jeff Bezos, der Amazon vorsteht, hat sich die Eroberung der Welt des Handels auf die Fahnen geschrieben und hierbei als Mittel der Wahl  rücksichtsloses und sozialfreies Handeln zum Leitmotiv gemacht. Gerne lässt er sich als erbarmungslos charakterisieren, weil er das für ein Erfolgsmodell und damit für vorbildlich hält: mehr Erfolg, mehr Umsatz, mehr Gewinn. Verleger, zum Beispiel,  lässt er, nach eigener Aussage, wie Gazellen jagen, was bedeuten soll, dass der Löwe (Bezos) das jeweils langsamste Tier genussvoll frisst. Am Ende darf nur einer übrigbleiben: Jeff Bezos, (siehe FAZ vom17.10.2013) Amazon und ebook statt Buchladen um die Ecke.

 

Jetzt schützt die Initiative durch ihren Kampf gegen verkaufsoffene Sonntage in den Zentren unserer Städte die Arbeitnehmer im Handel und leistet der Vernichtung   dieser  Arbeitsplätze Vorschub.

Der Ersatz hierfür gedeiht: In Pforzheim, beim neuen gigantischen Zentrallager von Amazon in der Region – die Erweitung ist gerade im  Bau - und bei den durch Gegend hetzenden Zustell-Fahrern, überwiegend in prekären Arbeitsverhältnissen.

 

Niemand will, das jeder Tag und Nacht schuftet – das findet auch, dank der Tarifverträge nicht statt. Die Arbeitszeit der Mitarbeiter ist begrenzt – vielfach sind auch Teilzeitbeschäftigungen üblich, da die im Handel überwiegend beschäftigten Frauen aus familiären Gründen gerne weniger als  40 Wochenstunden arbeiten.

Drei verkaufsoffene Sonntage im Jahr, die überwiegend die Attraktivität der städtischen Zentren stärken sollen, sind nun  Dorn im Auge der Initiative.

 

Unsere Freizeitgesellschaft will bespaßt werden – nur so ist diese zu beeindrucken. Da sind verkaufsoffene Sonntage eine willkommene Gelegenheit auf für Familien, die gerne so ihre Freizeit begehen. Besuchsalternativen  sind auch die Freizeitparks, wie zum Beispiel der Europa-Park in Rust, die nach meiner Kenntnis  an den Wochenenden den Hauptbetrieb zu verzeichnen haben.

 

An den gescholtenen verkaufsoffenen Sonntagen begegnen sich die Menschen noch in (echten) urbanen Zentren, anstatt ihr Smartphone dauerzugebrauchen und ihre damit ihre Sozialkontakte auf das Aussenden elektronischer Signale zu reduzieren.

Signale zu reduzieren.

 

Vielleicht wendet sich folgerichtig, es wäre zu vermuten,  die „Allianz“ demnächst den Jahrmärkten und Festen zu. Da wird vornehmlich sonntags geschuftet. Der Gastronomie-Bereich ist gar die Hochburg von prekären Arbeitsverhältnissen, also dem sogenannten 400-Euro-Job-Bereich.

Nur hier gibt es tatsächlich Menschen (Schüler und Studenten) die gerne mal prekär arbeiten.

 

Aber getrost: am Ende der Veranstaltung (=Entwicklung) steht die Komplett-Digitalisierung der Gesellschaft, die an jedem Sonntag im Internet surft und Bestellungen aufgibt, die sodann Montags frühmorgens von Amazon-Fahrern ausgeliefert werden.

Die Allianz und Jeff Bezos werden gewinnen. Den Text schreibe ich nur,  damit die „Allianz“  vielleicht dann wenigstens weiß, was sie tut.

 

 

 

 

 

 

 

Jürgen Schmitt und die Innenstadt

Verehrter Herr Schmitt
da meiner Ansicht nach relativ wenige Menschen an Sonntagen verloren beim "Mantel" herumirren (das ist ja eine Ihrer Begründungen für Verkaufssonntage - die Leute sind sowieso da, warum nicht den Rahm abschöpfen...) und man ansonsten Ihrem Argument zur Innenstadtbelebung und -stärkung in Teilen (nicht aber insgesamt!) ja vielleicht sogar etwas abgewinnen könnte:
Wo sollte denn der verkaufsoffene Sonntag stattfinden?
Im Zentrum Bruchsals?
In der Innenstadt?
Das ist es doch, was Sie scheinbar wünschen, oder?
Dann grenzen Sie bitte gefälligst in einem ersten Schritt mit Ihren GRs ganz klar die Gebiete ab, wo Ihrer Ansicht nach die so herbeigesehnte "Innenstadt-Verkaufs-Belebung" mit Kirchen-Cafes und Living-Is-Easy enden sollte!
Ich vermute - leider - Ihre Antwort wird lauten:
O-Ton: "Na ja, so ist das natürlich nicht zu machen...
Wie sind ja in Bruchsal nicht in Edenirgendwiekoben..."
Aber das bedeutet dann im Umkehrschluss, also bei Licht besehen, für Sie offenbar folgendes:
De facto: Sicherung von qualitative hochwertiger Beschäftigung durch Rekordumsätze und eine Belebung im Mantel; in Fresstempeln wie McDonalds oder diversen, anderen "Näpfen"... mit PKW-Staus etc.
Ist es das, was es Ihrer Ansicht nach braucht, um uns Amazon vom Leibe zu halten...?
Beneidenswert naiv!

Bemerkenswert,

dass der Erfolg der beiden Bruchsaler verkaufsoffenen Sonntage für die Innenstadt von Huhi nicht wahrgenommen werden. Federführend bei der Gestaltung der verkaufsoffenen Sonntage sind die inhabergeführten Betriebe, die das nicht machen würden, käme es nicht zum Erfolg, oder, Huhi?.

Aber Negativdenken ist Bruchsal offensichtlich Lieblingssportart.

 

 

 

 

Schmittsche Ausweichmanöver- Zweiter Versuch

War nicht gerade die SPD Bedenkenträger Nummer Eins, als es um die Sepa ging?
Schon vergessen?
Stemple ich Sie deshalb - es war eine schwierige Entscheidung, auch für Ihre SPD - als Innenstadteinzelhandelsboykotteur ab?
Wäre doch etwas weit hergeholt; wenigstens in Ihrem Fall.
Übrigens hatte auch ich damals die Art der Entscheidungsfindung Herrn Dolls und dessen Umgang mit dem GR kritisiert.
Nicht jedoch dessen Pläne rundweg vorab abgelehnt, nur weil Doll draufstand.
Ebensowenig Ihre Vermittlung bzgl. Jost.
Letztere sogar aufgrund der Synergieeffekte (sehen wir mal von der Fassadenfinanzierung ab...) sehr begrüßt.
Seit knapp fünf Jahren sieht man in der Tat einen erfreulichen, innerstädtischen Aufschwung.

Aber abseits der Nebelkerzen, die Sie hier werfen, um der Kernfrage zum Verkaufssonntag in bester Politikermanier auszuweichen, nochmals die Fragen an Sie:
Würden Sie den Verkauf an einem dritten Sonntag auf die Innenstadt (!) begrenzen?
Und warum muss es in der Innenstadt (!) gerade der 29.12. sein?

Warum der 29.12. ?

Warum nicht?
Nach dem großen Geschenkefest (es kann ja nie genug sein) ist so ein Umtausch- und Rückgabesonntag doch ideal! Diese "das habe ich nur für dich ausgesucht Geschenke" muß man doch wieder entsorgen können. Was sich am Geburtstag des Herrn am Gabentisch aufgehäuft hat, an einem Tag des Herrn wieder loszuwerden, ein köstlicher Gedanke.

Endlich wieder raus, der Verwandschaft  entronnen, andere Menschen sehen! Das ist einen verkausoffenen Sonntag wert. Und keiner, der den Sonntag heiligen will, muß ein Geschäft betreten. Das ist alles freiwillig. Nur eine Gruppe ist betroffen, die schlecht bezahlten VerkäuferInnen. Das wäre doch einmal ein Anlass, für diese Tätigkeit am Sonntag Nachmittag eine Gratifikation von 100 Euro zusätzlich zu bezahlen.

Wenn die Geschäftwelt diesen Sonntag braucht, weil an diesem Tag so große Umsätze gemacht werden, warum nicht?

Bespaßung

Sie sind jetzt aber nicht ernsthaft der Ansicht, dass Verkaufsoffene Sonntage den Einzelhandel, bzw. die Arbeitsplätze retten, oder??

Wenn jemand nach Rust fährt, zahlt er rund 40 Euro Eintritt. Okay, wir nehmen für den Eintritt zum Verkaufoffenen nur 30 Euro, den Sprit nach Rust hat er außerdem gespart.

Wenn jemand zum Jahrmarkt geht, zahlt er für ´s Schiffschaukeln sicher 3,4 oder 5 Euro (keine Ahnung, bin lang nicht mehr dagewesen). Nur in der Stadt am Verkaufsoffenen soll alles umsonst sein, bzw. der Einzelhandel bezahlen.

Das läuft nicht!

Sie sind jetzt aber nicht ernsthaft .....

Doch. Den verkaufsoffenen Sonntag will doch der Einzelhandel. Oder sollte ich mich so irren, werter le Fay? Gerne lasse ich mich aufklären.
Ich habe nichts dagegen, wenn Sonntag geschlossen ist. Aber wenn die Einzelhändler unbedingt wollen, warum nicht?

"Bespassung" bezog sich auf Jürgen Schmitts Beitrag

Aber davon abgesehen bezweifle ich, dass "der" Einzelhandel möglichst viele Verkaufssonntage will. Noch nicht einmal der Diemer hat mehr offen!

Aufwand und Ertrag stehen in "keinstem" Verhältnis zueinander.

Bei mir läuft nur der Frühjahrs-Sonntag einigermaßen gut. Von ZUSATZgeschäften kann aber kaum die Rede sein, man hat nur ZUSATZkosten.

Übrigens nicht zuletzt für Reinigungsarbeiten, wenn einem die Kids den Laden zerlegen, während die Eltern mit der Bockwurst in der Hand zum "Nur mal gucken" kommen. Nicht die Regel, kommt aber vorzugsweise an solchen Sonntagen vor.

Unter der Woche scheint mehr Anstand zu herrschen....

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