Abstieg des 1. FC Bruchsal besiegelt -

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Nachforderung an die Stadt Bruchsal geltend gemacht
Montag, 19. Mai 2014 - 14:50

Michael Grub, der Vorsitzende des 1. FC Bruchsal, mag den Sprung in den Bruchsaler Stadtrat am 25. Mai schaffen – sein Verein wird es hingegen nicht schaffen, die Klasse zu erhalten. Trotz des Sensationssieges am Samstag gegen den jetzt Tabellendritten FC Nöttingen benötigen die Kicker am kommenden Wochenende auswärts einen Kantersieg gegen den FC Walldorf, um doch noch in der Oberliga zu bleiben. Ein wohl eher aussichtsloses Unterfangen, ist der FC Walldorf doch derzeit unangefochtener Tabellenführer.

Dumm ist der zu erwartende Abstieg jedoch nicht nur für den Verein und dessen Anhänger, dumm ist dies auch für die Stadt Bruchsal. Denn die hat auf dringende Bitte des Vereinsvorsitzenden und Gemeinderatskandidaten Grub 50.000 € locker gemacht, um das FC-Stadion oberligatauglich zu machen. Nun schafft der 1. FC Bruchsal weder den Klassenerhalt, noch reichen die 50.000 € aus, um alle Rechnungen des FC zu bezahlen. Mit dieser betrüblichen Botschaft überraschte die Oberbürgermeisterin die Haushälter der Stadt vergangene Woche.

Nun mag man sich fragen, warum sofort nach dem Aufstieg des 1. FC Bruchsal die Stadt eine, wie sich nun zeigt, nach oben offene Verpflichtung eingegangen ist, wenn doch von vornherein der Klassenverbleib fraglich war. Es fragt sich auch, welchen genauen Inhalt die Zusage der Stadt hat, wenn jetzt der Vorsitzende des Vereins einen mehrstelligen Nachschlag fordert. Oder hat die Oberbürgermeisterin nicht gewusst, was sie da unterschrieben hat?

Die Zusage der Stadt war im Gemeinderat heftig umstritten, die SPD hat ihre Zustimmung zu dieser Grubschen Forderung verweigert, wie SPD-Gemeinderatsmitglied Jürgen Schmitt ausführt: „Wir wollten dieser Forderung nicht zustimmen, tagte doch 2011 und 2012 ständig die Sparkommission. Schließlich hatte das Regierungspräsidium der Stadt in der Vergangenheit schon einige mahnende Zeilen geschickt: Sparen und nicht Geld ausgeben sei angesagt.“ Nun kombiniert sich der bevorstehende Abstieg des 1. FC Bruchsal sehr unangenehm mit der überraschenden Geld-Nachforderung des Vereinsvorsitzenden.

„Ich werde dafür eintreten, dass die SPD einem weiteren Zuschuss nicht zustimmen wird, der auf einer unsicheren Rechtsgrundlage beruht“, so Jürgen Schmitt zur geltend gemachten Nachforderung des Vereinsvorsitzenden Grub.

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Kommentare

Jürgen Schmitt, die SPD und der 1. FC Bruchsal-Sportplatz

Was den ursprünglichen Zuschuss angeht:

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im Sitzungsprotokoll des Gemeindrats

http://www.bruchsal.de/servlet/PB/menu/1433002/index.html

steht folgendes:

"Sportzentrum Bruchsal – Maßnahmenkatalog Nebenplatz II (1. FC Bruchsal)

Der Gemeinderat stimmt mehrheitlich

bei sechs Gegenstimmen aus den Reihen von Freien Wählern – die sich für einen Zuschuss in Höhe von 40.000 Euro aussprachen, wie er ursprünglich im Verwaltungs- und Finanzausschusss vorberaten wurde – und FDP

der Gewährung eines pauschalen Zuschusses in Höhe von 50.000 Euro an den 1. FC Bruchsal zur Ertüchtigung des Nebenplatzes II im Sportzentrum zu. Mit diesem Zuschuss wird der Verein in die Lage versetzt, den Ansprüchen an die Fußballoberliga Baden-Württemberg gerecht zu werden und insbesondere die Umgangswege entlang des Nebenplatzes II zu befestigen sowie dort geforderte Rettungswege zu ermöglichen.

Aus dem Gemeinderat wurde insbesondere die sportliche Leistung gewürdigt, die zum Aufstieg in die 1. Amateurliga geführt hat."

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Zitat Ende!

Die SPD hat den Zuschuss von 50.000 Euro wohlwollend durchgewunken. Gezwungen war man nicht dazu.

Ebensowenig war dies notwendigerweise verwerflich.

Nun aber herumeiern und teilweise den gegenteiligen Eindruck zu erwecken ist sehr fragwürdig...

Oder soll uns das Votum der SPD an Karl Valentin erinnern...

Zitiert doch Rolf Schmitt seinen SPD-Namensvetter:

"Wir wollten dieser Forderung nicht zustimmen..."

Huhi hat recht..

... wir wollten nicht zustimmen (eben wegen der vorangegangenen Kritik am Bruchsaler Haushalt) -  trotz  Bedenken hat die SPD zugestimmt. Sonst hat mich Bruchsal-org richtig zitiert: die Nachforderung des 1. FC Bruchsal ist zu hinterfragen. Wie zuverlässig sind die Angaben des Vereinsvorsitzenden?

Wir wollten ja nicht...

...und haben dann doch zugestimmt. Oh mein Gott, wie armselig!

Entweder ich habe Bedenken, dann wird nicht zugestimmt oder ich habe nach inhaltlicher Diskussion keine mehr und dann bin ich dafür. Aus hoffentlich gutem Grund. Punkt.

Wenn ich vom Wähler Verantwortung übertragen bekommen habe, dann muss ich sie auch wahrnehmen. Auch wenn eine Entscheidung erstmal unpopulär ist.

Aber mit Bedenken zustimmen, Herr Schmitt, das ist äußerst dünn. Ich kann das offen gesagt nicht mehr hören. Dient wahrscheinlich in einer hohen Zahl der Fälle nur der Vorbereitung späterer Verantwortungsverdrängung. Sinngemäß: "Wir waren ja eigentlich dagegen...".

Mein Vorschlag: Diese Einschränkung am besten komplett aus dem (Gemeinderats-)Sprachschatz tilgen.

"Wir wollten nicht zustimmen...

... haben es aber dann trotzdem getan..."
Entschuldigung - was für ein Unsinn ist denn das?
Wurde die SPD gezwungen? Mit vorgehaltener Waffe?
Das erinnert mich doch fatal an eine gewisse Ehrenwürgerabstimmung in Abwesenheit eines gewissen "Erzfeindes"...!

Auch wenn die

Auch wenn die Gegendarstellung von 1. FC-Pressesprecher Joachim Mössinger formaljuristischen Anforderungen eventuell nicht entsprechen mag, gebietet es doch die Fairness, diese Sichtweise des Vereines auf die Vergabe von städtischen Mitteln an den 1. FC Bruchsal hier zu veröffentlichen.

Gegendarstellung zu Ihrem Artikel:

Abstieg des 1. FC Bruchsal besiegelt“

Mit der Bitte um Veröffentlichung!

Sehr geehrter Herr Schmitt,

zum ersten hat die Kandidatur von Herrn Grub als Gemeinderatskandidat nichts mit den Abstiegssorgen des 1. FC Bruchsal zu tun.

Der Abstieg ist noch nicht entschieden – wir haben am Wochenende den Spitzenreiter Nöttingen besiegt – wieso sollen wir nicht in der Lage sein auch Walldorf zu besiegen.

Es dürfte Ihnen sicher nicht entgangen sein, dass die benötigten Mittel, wir nicht zur Verschönerung der Anlage oder für Spielereinkäufe beantragt hatten, sondern weil uns durch den Verband diverse Auflagen gemacht wurden, um überhaupt in der Oberliga unsere Spiele im Städt. Sportzentrum austragen zu können.

Man sollte auch dabei beachten, dass das Geld ja nicht zum Fenster herausgeworfen wurde, sondern man hat das Städt. Stadion auch gleichzeitig aufgewertet. Die Anlage ist immer noch Eigentum der Stadt Bruchsal.

Die Damen und Herren vom Gemeinderat hätten sich mal die Zeit nehmen sollen und die Mannschaft bei ihren Auswärtsspielen zu begleiten, dann hätten sie mal Spielstätten besichtigen können die alle im Besitz der jeweiligen Städte sind und auch von dort unterhalten werden.

Sie sehen im Moment nur die investierte Summe – sprechen aber nicht davon, dass wir mit Mitgliedern ( sogar unsere 1. Mannschaft ) an mehreren Wochenenden bei Wind und Wetter in Eigenarbeit unseren Beitrag auch geleistet haben.

Wir wurden hierbei freundlicherweise durch die Fa. Steinbach – Baustoffhandel und der Fa. Kropp – Gartenbaubetrieb großzügig unterstützt – sonst wäre der bisherige Ausbau nicht möglich gewesen. Hier wurden uns Baumaterialien, Arbeitsgeräte und Mitarbeiter zur mithilfe zur Verfügung gestellt. Der Ausbau ist auf Jahre hinaus angelegt. (Siehe Fotos)

Beim Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg wurde bei den offiziellen Reden gerne in den Vordergrund gestellt, dass nun die Stadt Bruchsal auch in der Oberliga Baden-Württemberg angekommen ist. Für eine Stadt mit der Größenordnung von Bruchsal gehört ein Fußballverein in diese Liga. In der OL Baden Württemberg sind Vereine mit einer Einwohnerzahl von 500 und haben 512 Mitglieder - FSV Hollenbach. Hier kann man nur mit Hilfe der Gemeinde und der dort angesiedelten Industrie den Spielbetrieb aufrechterhalten.

Den Spielbetrieb in Bruchsal konnten wir nur durch den finanziellen und ehrenamtlichen Einsatz sowie durch die Einnahmen aus Werbemaßnahmen bestreiten.

Wir hätten Sie gerne einmal im Stadion begrüßt und bei dieser Gelegenheit über die genaue Situation informiert.

Wenn Sie weitere Informationen aus erster Hand benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Joachim Mössinger

Pressesprecher - 1. FC Bruchsal

 

FC Bruchsal
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Was würde Bruchsal fehlen?

Ja, was würde "uns" fehlen, wenn wir keinen Oberligaverein hätten und kein oberligavereintaugliches Stadion - vielleicht haben wir ja mal keinen Oberligaverein mehr, aber immer noch ein oberligavereintaugliches Stadion - und wenn wir das dafür ausgegebene Geld in Kindergärten, Schulen oder kaputte Brücken und Straßen investiert hätten?

Leichte Frage...

... oder leichtfertige Frage... oder leichtsinnige Frage... oder bösartige Frage...
auf jeden Fall, so scheint es, schwierige Antwort...
na ja, spätestens am 26.5. werden wir sie (die Antwort) wohl haben...

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