Abraumhalden oder Stufenpyramiden?

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Beweis gefunden?
Donnerstag, 25. August 2011 - 13:25

sternenfels
Abraumhalde?

Abraumhalde oder Stufenpyramide?

K. Walter Haug betreibt schon seit 20 Jahren Cairn-Forschung. Worum geht es dabei? Kurz gesagt um riesige Hügel innerhalb von Steinbrüchen. Die einen, die Archäologen, nennen sie Abraumhalden, die anderen, private Altertumsforscher, bezeichnen sie als Jahrtausende alte, stabil gemauerte Bauwerke, als Stufenpyramiden, die als Grabmale dienen, also sog. Cairns. K. Walter Haug fragt sich, ob diese "Dödels" damals nur für die Schuttherstellung gearbeitet haben, da die Masse des angeblichen Schutts fast das ganze ausgebrochene Volumen des Steinbruchs in Anspruch nimmt (vgl. http://www.bruchsal.org/story/nat%C3%BCrlich-megalithmonumente-was-denn-... ) auf bruchsal.org.

Schutthügel?

Spitze des 23 Meter hohen (Schutthügels?) Cairns in Sternenfels

In über 20 Jahren Forschung hat K. Walter Haug beredte Zeugnisse für den Wahrheitsgehalt seiner Theorien zusammengetragen und in einem Buch veröffentlicht. Ebenfalls läßt seine Website den Laien ins Grübeln kommen www.megalith-pyramiden.de Auch ich habe mich auf bruchsal.org schon mit dem Thema befaßt und nach den Kriterien K. Walter Haugs die "Abraumhalde" im Pfaffenloch-Hohl-Steinruch im Rohrbachtal unter die Lupe genommen http://www.bruchsal.org/story/cairns-bruchsal und bin zu dem Ergebnis gekommen, bei aller Vorsicht, daß, setzt man die Theorie zu dem Vorgefundenen in Bezug, es in Bruchsal ebenfalls einen Cairn geben könnte. K. Walter Haug hat in bruchsal.org weitere Artikel zum Thema gepostet http://www.bruchsal.org/story/megalithmonumente-bw-vs-landesamt-f%C3%BCr... , sowie http://www.bruchsal.org/story/gibt-es-megalithmonumente-im-kraichgau-zab... , ebenfalls hat sich schon Rolf Schmitt von bruchsal.org  mit diesem Thema befaßt (http://www.bruchsal.org/story/vorratskammern-werkzeuglager-oder-grabkammern und http://www.bruchsal.org/story/vorratskammern-werkzeuglager-oder-grabkammern ). Wer interessiert ist, hat also genug Material zur Verfügung. Nun hat K. Walter Haug im Mai diesen Jahres die "Interessengemeinschft Pyramide Sternenfels" gegründet, um dort mit Gleichgesinnten im Steinbruch "Zwerchhälde" das dortige befestigte Bauwerk genauer untersuchen zu können. Was er in 20 Jahren alleine nicht geschafft hat, gelang nun mit Hilfe  einer Grabungsgenehmigung der Gemeinde Sternenfels sowie mit Hilfe vieler begeisterter Hobby-Archäologen und, nicht zu vergessen, eines "begnadeten" Baggerführers, des Chefs der Firma Nuber, der mit unglaublichem Geschick, Spürsinn und Feeling mit der Baggerschaufel umging wie andere mit den Spaten, so, als ob er schon immer archäologische Ausgrabungen gemacht hätte.

Bagger

Herr Nuber von der gleichnamigen Firma handhabte den Bagger mit Bravour

Ich möchte nicht lange herumreden und gleich auf das Ergebnis kommen: Es haben sich die Vermutungen bestätigt, daß es sich um ein befestigtes Bauwerk und nicht um eine Abraumhalde handelt. Unterhalb der teilweise eingestürtzten und erodierten Mauern wurden noch gut erhaltenes, konserviertes Mauerwerk sowie Grundmauern in 3 Metern Tiefe freigelegt, weiterführende Umfassungsmauern ebenfalls, sowie ein Altar- oder Opferstein gefunden, ebenso, am letzten Tag, ein verschütteter Gang zwischen Felswand und einer Mauer.

Mauer

Mauerwerk mit Grund- und Stützmauern

 

Beobachter

Interessierte Helfer der IG Pyramide Sternenfels

Altar

Gefundener Altar- oder Opferstein?

Der erwartete und erhoffte Zugang ins Innere wurde allerdings nicht gefunden, aber lassen wir dazu K. Walter Haug zu Wort kommen:

K. Walter Haug

K. Walter Haug im Interview mit bruchsal.org

bruchsal.org Herr Haug, am 19. Und 20. August fanden im Steinbruch Zwerchhälde bei Sternenfels archäologische Grabungen statt. Was erhofften Sie sich und wie war das Ergebnis?

Plan Zwerchhälde

Übersichtsplan "Zwerchhälde"

W.Haug Die Interessengemeinschaft Pyradmide Sternenfels konnte endlich, nach der Genehmigung durch den Gemeinderat Sternenfels in der Zwerchhälde Grabungen durchführen. Ziel der Aktion war es, eine unzerstörte, ungeplünderte Grabkammer zu finden.

bruchsal.org Das müssen Sie uns näher erläutern. Das klingt ja nach ägyptischen Pyramiden. Wer sollte bei uns solche Monumente gebaut haben und wann soll dies geschehen sein?

W. Haug Es handelt sich hier um ein Megaltihmonument aus vorgeschichtlicher Zeit, größter als alle bisher bekannten Megalithmonumente Europas. Das gewaltige Monument mit seiner Höhe von max. 23 Metern und einer Ausdehnung von 60 x 80 Metern erschlägt jeden Betrachter allein durch seine Masse von ca. 140.000 Tonnen. Alle alten Hochkulturen bauten Tempel, Grabmonumente, sogar ganze Nekropolen, wie etwa die Etrusker. Warum sollten unsere Vorfahren, die Kelten, das nicht leisten können? Unsere Staatsarchäologen halten unsere Urahnen immer noch für so minderbemittelt und rückständig, dass sie ihnen das nicht zutrauen. Sie bezeichnen dieses größte Monument des Kraichgaus aus vorgeschichtlicher Zeit, man glaubt es nicht, als ummauerte Abraumhalde. Wer einmal das Keltenmuseum in Hochdorf besichtigt hat, weiß, wie weit fortgeschritten die Eisentechnologie der Kelten war. Die Schmiede stellten nicht nur Werkzeuge zur Holzbearbeitung, sondern massenhaft für die Steinbearbeitung her. Meißeel und Steinbruchhämmer wurden im großen Maßstab produziert. Nur, so müßte sich eigentlich jeder halbwegs aufgeweckte Achäologe fragen, wozu wurden die überhaupt verwendet? Jetzt steht fest: Auch wir besitzen gigantische Totenstädte im Fels oder gewaltig große Einzelmonumente genau so in die Berge hineingebaut in einem Format, das den Vergleich mit den größten der Welt in Japan nicht zu scheuen braucht. Wir reden hier von Bauwerkslängen im Bereich zwischen 400 und 500 Metern! Zum Vergleich: Die Cheopspyramide hat eine Seitenlänge von 236 Metern. Das größte bisher entdeckte Monument wurde nun bei Heilbronn nahe des Jägerhauses identifiziert.

bruchsal.org Um auf die Zwerchhälde zurückzukommen: Was macht Sie so sicher, dass sich hier eine Grabkammer befinden muß?

W. Haug Die Fachschaft Geophysik der Universität Karlsruhe hatte über drei Jahre hinweg geoelektrische und geomagnetische Messungen an den Monumenten zwischen Maulbronn und Kürnbach durchgeführt. In der Zwerchhälde wurden 4 deutlich erkennbare Hohlräume gefunden,

Plan

Querschnittsmessungen

wobei die zentrale Kammer mit einer Höhe von annähernd 10 Metern in den Bereich pharaonischer Prachtentfaltung vorzustoßen scheint. Leider sind die Zugänge von außen nicht erkennbar. Die Computerbilder zeigen Strukturen, die zwar Gänge sein könnten aber jetzt nach der Grabung wieder zweifelhaft sind. Die Erbauer haben eben nichts unversucht gelassen, ihre Heiligtümer zu schützen.

bruchsal.org Mit anderen Worten, die unzerstörte und ungeplünderte Grabkammer wurde nicht gefunden?
W. Haug Bislang noch nicht. Aber was an dem Freitag und Samstag zutage kam, kann sich dennoch sehen lassen. Nachdem gleich zu Anfang die großteils abgetragene und eingestürzte Umfassungsmauer der Stufenpyramide in weiten Teilen freigelegt werden konnte, verursachte die mehr als 10 Meter hoch aufragende Stufenmauer aufgrund ihres mürben Erhaltungszustands einiges Magengrimmen.

Mauer

Verwitterte Mauer

Würde sie die nächsten Stunden überstehen? Schließlich ragt dahinter der Hang bis insgesamt 23 Meter Höhe auf. Und wenn die Basismauer nachgibt, kommen gewaltige Massen in Bewegung. Aber dann ergaben Tests, dass lediglich die äußeren Mauerschalen zerbröckelt waren. Die Substanz scheint so stabil zu sein, dass das Bauwerk sich weiterhin, wie die Jahrtausende zuvor, selber trägt. Direkt dahinter hat das Messbild einen dreieckigen Hohlraum aufgezeigt, also eine Kuppelkammer in überkragender Bauweise, die auch schon von Mykenern, Ägyptern und den Megalithkulturen West- und Nordeuropas so gebaut wurde und bis in die Zeit 3700 v. Chr. zurückreichen kann.

bruchsal.org Dann dürfte die Suche nach einem Zugang noch nicht beendet sein?

W.Haug Ja, denn auch eine Grabung unter das Fundament

Fundament

Links Fundament

ergab keinen Hinweis, wo hier ursprünglich die Leute ihren vermuteten Zugang für die rituellen Gebräuche hatten. Nach einer neuerlichen Hohlraumdedektion, die uns dann den genauen Scheitelpunkt der Kuppel anzeigen kann, wäre an eine Öffnung von oben zu denken.

Der Zugang für die Zentralkammer im Felskern scheint dagegen auf der Kuppe des Bauwerks zu liegen (s. 3. Bild oben). Diesen Einstiegsschacht zu finden, könnte die Aufgabe der nächsten Monate sein. Dessen ungeachtet hatten wir dennoch unsere Erfolgserlebnisse. Vor der interessantesten Ecke des Bauwerks steht ein behauener Quader,

Quader

Behauener Quader

der auf jeden den Eindruck macht, ein Altar oder Opferstein zu sein. Zudem wurde eine bauliche Struktur in einer Ecke der umgebenden Felswände frei geschaufelt, wobei sich herausstellte, dass an der Naht zwischen Mauerwerk und Felswand eine türbreite Mauerpartie durch eine senkrechte Fuge von der Umfassungsmauer separiert war. Wir hatten es also mit einem zugemauerten Grabportal zu tun. Die Blockade wurde gleich mit der Baggerschaufel eingerissen und tatsächlich öffnete sich ein Gang, der rechts von der Felswand und linker Hand von Mauerwerk gebildet wird. Leider war unser Zeitkontingent bis dahin überschritten. Wir hoffen aber, noch in diessem Jahr weitermachen zu können.

bruchsal.org   Herr Haug, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. Bruchsal.org wird die Sache weiterhin verfolgen. 

Wer sich dafür interessiert, wie die Grabungen vonstatten gingen, der möge in das folgende Video reinschauen (auf Full HD oder 1080p klicken nicht vergessen):

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Kommentare

Hochinteressant

Habe im Fernsehen mal eine Sendung über rituelle Versammlungsstätten in Nordamerika gesehen und war total begeistert. Was scheinbar naturbelassene, schöne Ecken sind, entpuppt sich bei genauerer Untersuchung z. B. auch per Luftbild dann zu Adlern, die auf Feldern als Anhöhe dargestellt wurden. Wahnsinn, dass gedachte Linien 500 m weiter einen Hirsch durschneiden o. ä.

Also mit Verlaub so dumm, dass sie nur Abraumhalden produziert waren, sind unsere Vorfahren dann wohl doch nicht gewesen....

Sehr interessant

Ich habe mir die Stelle heute mal angesehen. Eine in der Tat faszinierende Stätte. Schon allein der Gang durch die gewundene Gasse bis zur Ausgrabungsstelle ist beeindruckend. Auch als Laie wird am Grabungsaufschluß deutlich, dass es sich wohl eher nicht um eine Abraumhalde handeln kann.
Mein Dank an die Aktiven, die durch ihre beharrliche Arbeit den "Stein ins Rollen" gebracht haben.
Über das Verhalten der zuständigen Beamten macht man sich dann doch seine Gedanken.
Eine Stellungnahme der zuständigen Behörde scheint mir mehr als überfällig.

Nunja, niemand möchte von

Nunja, niemand möchte von Dödels abstammen soweit kann ich zustimmen.
Das was in jenem Steinbruch als archäologische Grabung deklariert wird, kommt mir reichlich seltsam vor. Ist es nicht die Pflicht möglichst stichhaltige Argumente für einen solchen "Sensationsfund" zu liefern gerade wenn er so "umstritten" ist?
Ich vermisse datierbare Funde, Stratigraphien (auch wenn man in einem tiefengestörten Bereich ausgräbt sollte das möglich sein) und vorallem Argumente für die Deutungen.
Gab es bei den Ausbaggerungen irgendwelche Funde, die eine so hohe Datierung rechtfertigen könnten, bzw. wie wird das Monument überhaupt datiert? (bin leicht verwirrt so zwischen Megalithik, Kelten, Etruskern, Ägyptern, Mykenern).
Nur mit Landesarchäologen-Bashing macht man einen Steinbruch nicht interessanter.

Seltsam...

Wer kann mir erklären, weshalb die Steine in diesen "Abfallhaufen" zum Teil so präzise aufgeschichtet wurden und weshalb man sie nicht anderweitig verwendet, sondern zu "Abfall" erklärt hat? Um Platz zu sparen, Abrutschen zu verhindern, ist es minderwertiges Material?

Wohin Links so führen können.

Nach einer kurzen Google-Recherche und der Feststellung, dass alle Lateinischen Quellen womöglich späteren Ursprunges sind, warte ich eigentlich nurnoch auf den ersten Artikel der die Terra-Sigilata-Werkstatt von Stettfeld ins 16. Jh datiert, oder die "Römische Villa" von Obergrombach zu einem Keltischen Herrschersitz erklärt.
Und was ist mit den Erdwerken am Michelsberg, Bruchsal Aue und nahe Helmsheim?
Über "orthodox-chronologische" Vorschläge freue ich mich immer.

"Sternenfels"

Woher kommt eigentlich dieser romantische Name? Ich finde darüber nichts.

Datierung

Ich denke niemand kann in ein paar Tagen schon (genaue) Datierungen vornehmen. In ein paar Monaten wird man mit Sicherheit mehr dazu sagen können. Auch bei weltbekannten Ausgrabungsstellen streitet man sich heute noch um mehr oder weniger genaue Datierungen, z. B. Stonehenge, Macchu Pichu etc. , bzw. zu was die einzelnen Gebäude oder Altäre genau gedient haben, waren es überhaupt Altäre etc. pp. Wobei es sich hier natürlich um einen im Vergleich weniger bedeutenden Fund handelt, aber regional durchaus sehr wichtig und interessant. Ich persönlich kann mich aber nicht erinnern, dass etwas ähnliches in den letzten Jahren gefunden wurde. Dass in Stettfeld oder am Michaelsberg desöfteren etwas gefunden oder ausgegraben wird, sei dahingestellt, diese Ausgrabunsstätten sind aber auch regional hinlänglich bekannt.

Dies wird man zu einem späteren Zeitpunkt mit Sicherheit alles erfahren. Was ich mich frage, warum muss dieser "Erfolg" jetzt schon in dieser Art und Weise zerredet werden? Was steckt dahinter? Neid?

Natürlich ist mir bewusst,

Natürlich ist mir bewusst, dass man auf eine abschließende Datierung warten sollte, doch dann muss man konsequent genug sein und sich auch mit der Interpretation zurückhalten.
Die Schwierigkeit ist hier vielmehr, dass ich ohnehin davon ausgehen muss, dass eine schlüssige Datierung hier sehr schwierig werden wird, da die Ausgräber die äußerst umstrittenen Thesen von "mittelalterlichen Geschichtsfälschungen" vertreten.
Im Konkreten Falle hat der Ausgräber zu den Ähnlichkeiten der Runenschrift mit dem Etruskischen Alphabet publiziert und scheint die Annahme zu vertreten, dass sie teilweise gleichzeitg seien.

Neid ist es meiner Meinung nach nicht, sondern vielmehr Traurigkeit, dass die anerkannten und nicht gerade unwichtigen archäologischen Stätten unserer Region kaum noch Beachtung finden.

Erdwerke nahe Helmsheim

Wo kann ich darüber etwas nachlesen?

hihi... sorry komme damit

hihi... sorry
komme damit nicht klar, dass es zwei Orte mit H so nahe beieinander gibt.
Es ist natürlich das Erdwerk "Altenberg" Richtung Heidelsheim.

http://www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/projekte/archaeologische-denkmal...

http://www.denkmalpflege-bw.de/index.php?id=837

Sachstand Erdwerke/Steinbrüche

Hallo, Leute - wie sieht es denn damit zur Zeit aus? Gibt es etwas Neues? Oder wann geht es weiter?

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