150 Jahre Brauerei Denner - Teil 1

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Drei Denner-Generationen unterstützten seit 1863 die legendäre Brusler Trinklust
Samstag, 16. November 2013 - 14:50

Dieser Beitrag wurde am 14. November 2013 in DER KURIER, Ausgabe für Bruchsal, veröffentlicht.


150 Jahre Brauerei Denner. Was für eine Jubiläumsfeier hätte das werden können!

Wie bereits 1963 zum Hundertjährigen, könnte die Bruchsaler Brauerei Denner auch 2013 eine Festschrift veröffentlichen. In diesem Jahr jährt sich die Gründung dieser Bruchsaler Traditionsbrauerei zum 150. Mal. Leider existiert die Brauerei Denner nicht mehr. Wenige Jahre nach den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Bierbrauerei schloss diese für immer ihre Pforten – oder sollte man in diesem Zusammenhang vielleicht besser sagen, die Sudkessel? Rolf Schmitt, der Verfasser dieses Beitrages, berichtet über den legendären Brusler Dorscht, erzählt, wie der Name Denner erstmals nach Bruchsal kam und vom unaufhaltsamen Aufstieg und dem jähen Ende der Brauerei Ludwig Denner.

 

Man sieht's am Brusler Bierkonsum ...“

Bruchsal war wohl seit alters her eine trinkfreudige Stadt. Bereits 1670 wurden „Vier Herbergs- und elf Gassen-Wirthe sowie sechs Bierbrauer“ in Bruchsal gezählt und im Jahre 1747 gab es bei einer Einwohnerzahl von 2.950 Köpfen bereits 19 Gaststätten in Bruchsal. Auf einen Gastbetrieb kamen ergo 155 Einwohner und man darf sicher sein, dass die Wirtschaften nicht unwesentliche Anteile ihres Umsatzes mit Bier und Wein machten.

Der Durst der Bruchsaler war so groß, dass die Stadt am 5. Februar 1752 den Wirten mitteilen musste, „bei Verlust der Schuld“ einem Bruchsaler mehr als 30 Kronen zu borgen, was bedeutete, dass ein Wirt, der mehr als 30 Kronen anschrieb, also stundete, der Schuld des Zechers verlustig ging. Denn wohl schon zu viele der trinkfreudigen Bewohner unserer Stadt hatten durch ihre beständige Zecherei Weib und Kind an den Bettelstab gebracht.

Ein Jahrhundert später, im Jahre 1855, geben die Annalen der Stadt Bruchsal darüber Auskunft, dass nunmehr bei einer Einwohnerzahl von 8.241 Personen 36 Gastbetriebe in Bruchsal bestehen. Das sind 229 Einwohner je Gasthaus. Der Durst blieb jedoch wohl auf dem bekannt hohen Niveau, nur die Gasthäuser wurden größer und konnten mehr Gäste zur gleichen Zeit bewirten.

Dieser legendären Trinklust der Bruchsaler hat der jüdische Tuchhändler Otto Oppenheimer 1901 in seiner Bruchsaler Lokalhymne „Der Brusler Dorscht“ ein wohl ewig währendes Andenken verschafft:

Bierkonsum

Zeichnung: Stadtarchiv Bruchsal

„Man sieht's am Brusler Bierkonsum

Und sieht's am Rebensaft.

Ja den Dorscht, ja den Dorscht,

Ja den alten Brusler Dorscht,

Kennt auch der, der dies Liedel

Einst in Büchern hat erforscht“.

Otto Oppenheimer gesteht so augenzwinkernd ein, gerne auch selbst nicht nur am Gerstensaft genippt zu haben. Zunächst im Gasthaus „Zum Rappen“, das sich g'rad' schräg gegenüber von seinem Geburtshaus in der Kaiserstraße befand, später im Gasthaus „Zum Goldenen Kopf“, nur wenige Schritte weiter Richtung Innenstadt.

So war's vielleicht der Brusler Dorscht, der den jungen Ludwig Friedrich Denner dazu veranlasst haben mag, 1863 im trinkfreudigen Bruchsal eine Brauerei zu eröffnen, ungeachtet der großen Dichte bereits bestehender Bierbrauereien am Ort. Er scheute nicht den Wettbewerb zu ortsansässigen Bierbrauern; womöglich war dies sogar eher noch Ansporn für ihn, sein meisterliches Können und sein kaufmännisches Geschick unter Beweis zu stellen?

 

Die Familie Denner aus der Freien Reichsstadt Wimpfen

Denner Familienwappen

Dennerwappen "Anno 1540". Foto: Stadtarchiv Bruchsal

Die Ahnen des Brauereigründers Ludwig Friedrich Denner waren angesehene Bürger des am Neckar gelegenen Städtchens Bad Wimpfen, das sich seit Anfang des 14. Jahrhunderts Freie Reichsstadt nennen durfte. Sie waren Wirte und betrieben als solche auch die Hausbrauerei.

Der Vater von Ludwig Denner, der Kronenwirt, übte neben dem Brauereihand- werk auch das Bäcker-gewerbe aus, wie dies zu jenen Zeiten oft üblich war. Bäcker und Brauer waren häufig gemeinsam in Zünften organisiert, denn über die Rohstoffe Getreide und Hefe waren beide miteinander verbunden.

Es war wohl für den jungen, 1838 geborenen Ludwig als Sohn eines Bierbrauers selbstverständlich, den Beruf seines Vaters zu wählen, zumal die Familie, wie auf einer Abbildung des Familienwappens zu sehen ist, sich auf eine Familientradition beruft, die bis ins Jahr 1540 zurück reicht.

Zeugnis

Zeugnis für Louis Denner von 1858. Foto: Stadtarchiv Bruchsal

Ludwig Denner erlernte in seiner Heimatstadt Wimpfen den Beruf des Bierbrauers und machte sich dann als Geselle auf eine mehrjährige Wanderschaft durch Süddeutschland, das Elsass und Frankreich, wo er durchweg gute Beurteilungen über seine Leistungen und Fähigkeiten erhielt. Hiervon zeugt ein im August 1858 in Straßburg ausgefertigtes Lehrzeugnis in französischer Sprache:

„ […] et que j'ai été satisfait de son travail et de sa conduite.“ („ [...] und dass ich mit seiner Arbeit und seiner Führung zufrieden gewesen bin.“).


Ludwig Denner gründet in Bruchsal eine Brauerei

Der evangelisch getaufte Ludwig Denner kam also nach seinen Wanderjahren ins als trinkfreudig und tiefschwarz bekannte Bruchsal und erwarb dort im Sommer 1862 die in der Huttenstraße 41 gelegene Hausbrauerei des Carl Memwarth für insgesamt 23.000 fl. Gekauft wurden von ihm das komplette Anwesen, bestehend aus dem 12 Ruthen großen Grundstück, dem zweistöckigen Wohnhaus mit Keller, Hinterbau, Felsenkeller nebst Bierbrauer-Einrichtung, sowie die vorhandenen Vorräte. Die Brauerei Memwarth war die kleinste unter den damals bestehenden 15 Brauereien.

Wörner

Catharina Wörner. Foto: F. Jung

Nach einigen Um- und Ausbauten war es dann soweit. Ludwig Denner führte die Memwarthsche Hausbrauerei als „Brauerei L. Denner“ fort. Im Frühjahr 1863 setzte das erste Mal ein unbekannter Bruchsaler einen Becher voll Denner Bier an seine Lippen - vielleicht anlässlich der Hochzeit von Ludwig Denner? Am 26. März 1863 heiratete Ludwig Denner die 1840 in Gölshausen geborene Catharina Magdalena Wörner, eine Tochter des Gölshausener Löwenwirtes Ernst Friedrich Wörner und dessen Ehefrau Jakobine.

Das in der Huttenstraße gebraute Bier scheint gut gewesen zu sein, wurde es doch von einem weitgereisten und vielerfahrenen Fachmann gebraut. Ludwig Denner war erfolgreich und expandierte, was allerdings nicht ganz ohne Scherereien vor sich ging.

 

Ein Bierskandal erschüttert Bruchsal

Um etwas näher in der Stadt zu sein, verlegte Denner 1868 seinen Ausschank in das Eckhaus Kaiserstraße/Holzmarkt, dessen Besitzer Matthäus Gutsch war.

Der Betrieb zweier Schankwirtschaften war zu jener Zeit vom Bezirksrat allerdings im Grundsatz untersagt, so dass Denner an diesen mit der Bitte herantrat, auch im Brauereilokal in der Huttenstraße weiter ausschenken zu dürfen. Doch dies erlaubte der Gemeinderat nicht, da die Anzahl der Schankstellen in Bruchsal limitiert bleiben sollte. Doch Ludwig Denner fand einen Ausweg. Er verpachtete einen Teil seiner Brauerei an den bei ihm beschäftigten Brauer August Gromer aus Unteröwisheim. Diesem konnte die Konzession für den Brauereiausschank nicht verwehrt werden. Doch nur kurze Zeit später wurde Gromer „Zäpfler“, also Pachtwirt, des Ausschanks auf dem Holzmarkt. Die Schwierigkeiten mit der Bierbrauer- und Küferzunft sowie den amtlichen Stellen flammten hierdurch wieder auf, da diese die Vorgehensweise von Denner als Manipulation ansahen. So trat Gromer in den 1870er Jahren zermürbt aus dem Vertrag mit Denner wieder aus.

Gasthaus

Gromers "Gasthaus zu den drei Königen". Foto: privat

Er übernahm danach die Brauerei des Ludwig Wippler aus Odenheim an der Ecke Durlacher Straße / Salinenstraße. Neben seinem Beruf als Bierbrauer und Wirt betrieb Gromer dort noch eine Holzhandlung und seit 1875 eine Dauben-hauerei für Eichenholz-bierfässer und eine Holzsägerei. Aus dieser ging 1926 die Holzindustrie Bruchsal GmbH hervor.

 

 

Vom Bierbrauer zum Bierbrauereibesitzer -

"Göttergunst ist's, wenn Erfolg dem Menschen wird"

Auch die weiteren Jahre war Ludwig Denner erfolgreich. Der alte Bierbrauerspruch „Gott gebe Glück und Segen drein“ begleitete ihn bei seinen Vorhaben, denn „es ging gut, mehr als gut“, wie in der zum 100-jährigen Bestehen der Brauerei erschienenen Jubiläumsschrift zu lesen ist.

Die Eheleute Denner hatten sechs Kinder, Heinrich, Magdalena (Lina), Christiana, Sophie, Ludwig Jakob und Ernst Jakob. Der erstgeborene Heinrich soll in Mahlberg bei Freiburg Anna Sophie Siegel geheiratet und in Karlsruhe eine Familie gegründet haben. Magdalena (Lina) verheiratete sich in Heidelsheim mit dem Seifensieder Johann Schütz, Christiana war verheiratet mit dem Buchhalter Friedrich Georg Muser und wohnte in der Schönbornstraße 30. Sophie heiratete den Menzinger Pfarrer August Friedrich Müller. Ludwig Jakob sollte die Brauerei übernehmen und der letztgeborene Sohn Ernst ließ sich als praktischer Arzt in Bruchsal nieder.

Mittlerweile war Ludwig Denner vom Bierbrauer aufgestiegen zum Bierbrauereibesitzer, wie in amtlichen Verzeichnissen nunmehr zu lesen war, auch war er Gemeinderat der Stadt Bruchsal. Seit etwa 1873 unterschrieb er seine Korrespondenz nicht mehr mit Ludwig. Wohl einer Mode der Zeit entsprechend unterzeichnete er Schriftverkehr und Dokumente mit dem vornehmer klingenden Louis, der französischen Form von Ludwig – er hatte wohl „e bissl en Kraddl g'habt“, wie man in Louis' Heimat am Neckar in solchen Fällen gerne mit einem Augenzwinkern sagte.

© Rolf Schmitt

(Teil 2 und 3 folgen)

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