„Stolpersteine bringen die Namen an den Ort zurück, wo die ermordeten Menschen zuletzt freiwillig lebten“

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Benno Aulkemeyer aus Osnabrück setzt sich in Bruchsal für ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ein
Freitag, 30. August 2013 - 12:12


Foto: privat

Der Osnabrücker Benno Aulkemeyer beabsichtigt, in Bruchsal Stolpersteine legen zu lassen. Stolpersteine sind zehn mal zehn große Messing- platten, die im Gehsteig vor dem letzten frei gewählten Wohnort an Menschen erinnern soll, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Versehen sind die Stolpersteine mit dem Namen, Geburts- und Sterbejahr sowie dem Todesort. Erinnert werden soll an alle Opfer des National- sozialismus. Juden, Sinti und Roma, Euthanasie-Opfer, politisch Verfolgte wie Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten oder in den Kirchen Engagierte, ebenso wie ermordete Homosexuelle. In der Nähe Bruchsals gibt es Stolpersteine in Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe oder auch in Bretten. Das Interview mit Benno Aulkemeyer führte Rolf Schmitt für den KURIER.

 

Herr Aulkemeyer, woher kennen Sie Stolpersteine?

AULKEMEYER: Bei uns in Osnabrück gibt es schon über 200 Stolpersteine. Momentan gibt es mehr Anfragen zu einer Patenschaft als gesicherte letzte Wohnorte, deren Kenntnis Voraussetzung für das Verlegen von Stolpersteinen ist.

Können Sie den Lesern Stolpersteine und Ihr Engagement dafür aus Ihrer Perspektive erklären?

AULKEMEYER: Ich denke schon seit längerer Zeit über eine Patenschaft für einen oder mehrere Stolpersteine nach. In meiner Heimatstadt Osnabrück sind diese wie schon erwähnt für sehr viele ermordete Menschen verlegt worden. Diese Art des Erinnerns an Menschen, die in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern ermordet wurden und von deren Existenz teils nur noch einzelne Briefe oder Fotos übrig geblieben sind, gefällt mir persönlich sehr gut. Jeder einzelne Name und damit das Erinnern an die Person, die diesen Namen trug, kehrt an den Ort zurück, wo dieser Mensch einst gelebt hat – in unserer Mitte. Es regt jeden Passanten zum Nachdenken und Erinnern an und zwangsläufig zu einer kleinen Verbeugung.

Viele Angehörige sehen die Stolperstein auch gleichzeitig als einen Ersatz für einen Grabstein, der den meisten verwehrt geblieben ist. Die Familie Sicher, für die ich Stolpersteine verlegen lassen möchte, hat aus der Not heraus Asche aus Auschwitz begraben. Ich denke, das muss man nicht weiter kommentieren.

Des Weiteren sind die Stolpersteine kleine Mahnmale die dafür stehen, dass nie wieder so etwas passieren darf! Und jeder ist angehalten, seinen Beitrag in seinem persönlich möglichen Rahmen zu leisten. Dieser unsinnige Antisemitismus, der immer noch durch manche Köpfe schwirrt und oft aus Missgunst und Unwissenheit heraus entstanden ist, muss bekämpft werden. Leider ist es sehr schwer Missgunst zu bekämpfen. Aber Unwissenheit kann man mit Wissen beziehungsweise Bildung bekämpfen und die Stolpersteine helfen dabei.

Warum setzen Sie sich für Stolpersteine gerade in Bruchsal ein?

AULKEMEYER: In Bruchsal hat in der Nazi-Zeit die oben genannte Familie Sicher gelebt. Das waren Fritz und Recha Sicher, deren Kinder Emmy und Ernst sowie die Schwester von Recha Sicher, Adelheid Heß. Nach der Deportation nach Gurs wurden sie in Konzentrationslager verbracht; alle kamen um. Nur Ernst überlebte. Er ist mit einem „Kindertransport“ einige Monate nach der Reichspogromnacht nach London gelangt.

Der Sohn von Ernst Sicher ist der in London geborene und jetzt in Be’er Sheva in Israel lebende Professor Efraim Sicher, der ein Freund und ein Kollege meiner Frau ist; beide forschen über russisch-jüdische Literatur.

Nachdem Efraim im letzten Jahr auf einer Konferenz in Heidelberg gewesen war, eigentlich wollte er nie in seinem Leben deutschen Boden betreten, haben wir gemeinsam mit meinem jüngsten Sohn Heidelberg besichtigt und sind natürlich auch auf einige Stolpersteine gestoßen. Danach sind wir auf Efraim Sichers Wunsch hin in die Heimatstadt seiner Familie nach Bruchsal gefahren. Hier haben wir uns den Platz angesehen, wo einst die Synagoge stand und den Ort, an dem die Familie Sicher 1940 lebte. Vor dem Haus entstand ein Foto mit Efraim, der meinen jüngsten Sohn in seinen Armen hält. In diesem Moment wusste ich, dass ich Pate von vier Stolpersteinen werden möchte und wusste auch, für wen diese Steine sein sollten. Für die ermordeten Vorfahren von Efraim. Darum Stolpersteine in Bruchsal.

Wie stehen die Nachfahren der Familie Sicher zu einer Stolpersteinverlegung in Bruchsal?

AULKEMEYER: Efraim freut sich sehr darüber. Als meine Frau anlässlich eines Forschungsaufenthaltes in Israel erwähnte, dass ich seit eineinhalb Jahren versuche, die Stolpersteine für die Ermordeten seiner Familie verlegen zu lassen, war er wohl sichtlich gerührt.

Von Gegnern der Stolpersteine wird oft damit argumentiert, die jüdischen Verbände seien gegen Stolpersteine.

Stolperstein

So sieht ein Stolperstein aus. Foto: privat

AULKEMEYER: Der Zentralrat der Juden unterstützt die Aktion Stolpersteine, wie mir der Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Herr Kramer, den ich vor einigen Wochen anschrieb, mitteilte. Herr Kramer antwortete mir unter anderem,

„es ist in der Tat so, dass die ehemalige Präsidentin des Zentralrats Frau Dr. h.c. Knobloch, die Aktion ablehnt. Auch gibt es Überlebende der Shoa, die diese Aktion vor allem deshalb kritisieren, weil die in den Boden eingelassenen Steine es ermöglichen, auf ihnen „herum zu trampeln“, und damit – so die Argumentation – die Würde der Opfer erneut verletzt würde. Man muss diese Auffassung respektieren, ich teile sie ebenso wenig wie der Präsident des Zentralrats, Dr. Dieter Graumann, der in dieser Aktion eine eindrucksvolle Möglichkeit sieht, an die Verbrechen der Shoa gerade im Alltag zu erinnern. Gleiches gilt für den Vizepräsidenten des Zentralrats, Professor Dr. Salomon Korn“.

Wenn Juden eines Toten gedenken, legen Sie einen Stein nieder. Die Blumen sollen für die Lebenden sein und die Steine für die Toten. Also, ein Stein für einen Toten. Wenn man auf die Stolpersteine blickt, muss man sich zwangsläufig verneigen - man zeigt also seinen Respekt. Aber man sollte immer die Meinung der Angehörigen einholen und danach handeln.

Auch unser Rabbiner in Osnabrück, Herr Moshe Baumel, unterstützt mich auf ganzer Linie. Er sieht die Stolpersteine vor allem als Mahnmal.

Oft wird auch argumentiert, Stolpersteine seien ein genormtes Erinnern aus Massenproduktion.

AULKEMEYER: Klar, dass manche die Stolpersteine so sehen. Die Vernich- tungsmaschinerie war allerdings auch ein genormtes Morden in Massenproduktion - deutsche Wertarbeit und dank Herrn Eichmann bis aufs Kleinste durchgeplant. Nein, wie soll denn beispielsweise ein dezentrales Mahnmal aussehen, wenn es für 6 Millionen ermordeter Menschen stehen soll? Ich finde das Argument der Massenproduktion ziemlich daneben, zumal der Künstler Wert darauf legt, dass die Herstellung der Stolpersteine ausschließlich in Handarbeit erfolgt.

Ein weiterer oft gebrachter Einwand sind die Kosten. Ein Bruchsaler Gemeinderat spricht im Onlineportal abgeordnetenwatch von 120 000 Euro, die die Stadt aufbringen müsste.

AULKEMEYER: Die Patenschaft kostet den Paten 120 € pro Stolperstein. Die Kosten für die Verlegung sind hier inbegriffen! Für die Stadt entstehen keine Kosten, eventuell lediglich der Aufwand für das Herausnehmen einer Gehwegplatte.

Sehen Sie Vandalismus, insbesondere von Neonazis, als ein Problem?

AULKEMEYER: Vandalismus ist immer ein Problem, darf aber nach meiner Erfahrung vernachlässigt werden. Diese Problematik haben Sie auch bei einer zentralen Gedenkstätte. Meiner Meinung nach sollte man sich nicht von einer eventuellen Gefahr abschrecken lassen, denn das würde bedeuten, dass die Seite der Hirnlosen gewonnen hätte. Aber was soll passieren? Ich möchte eine Gegenfrage stellen: Hat Bruchsal in der Vergangenheit wesentliche Probleme mit rechtsgerichtetem Vandalismus gehabt? Etwas außerhalb von Bruchsal ist doch ein wunderschöner alter jüdischer Friedhof, hat es dort erhebliche Beschädigungen gegeben?

Oft werden von Gemeinden monumentale Mahnmale als Stätten der Erinnerung bevorzugt.

AULKEMEYER: Die Stolpersteine sollen und können diese Großdenkmale nur ergänzen. Sinn ist es ja, die Namen und damit das Erinnern an den Ort zurück zu bringen, wo die ermordeten Menschen zuletzt freiwillig lebten. Und das ist in unserer Mitte!

Sie befragten Bruchsaler Gemeinderäte über abgeordnetenwatch. Wie war hier die Resonanz?

AULKEMEYER: Leider konnte ich nicht alle Gemeinderäte über dieses Portal befragen. Es gibt eine technische Beschränkung auf zehn Fragen pro Tag. So habe ich einen Teil der Gemeinderäte per E-Mail befragt. Ich kannte das Portal selbst nicht, ich wurde darauf hingewiesen. Es ist eine Supersache, um Meinungen von Politikern einholen zu können, mit denen man sonst sicherlich nicht ins Gespräch käme. Außerdem, und das unterscheidet abgeordnetenwatch von einer E-Mail-Anfrage, sind Frage als auch Antwort öffentlich.

Noch haben nicht alle Mandatsträger geantwortet. Aber bisher habe ich lediglich eine negative Antwort von sechs Befragten erhalten. Das lässt hoffen. Ich bin ein positiv denkender Mensch.

Wie wäre die Vorgehensweise, damit auch in Bruchsal Stolpersteine verlegt werden können?

AULKEMEYER: Zunächst muss der Bruchsaler Gemeinderat einen Ratsbeschluss erwirken, der einer Verlegung von Stolpersteinen zustimmt. Für die Gemeinde entstehen, wie oben bereits erwähnt, keine Kosten und auch keine Folgekosten. Sämtliche Kosten werden immer vom Paten übernommen. Sobald ein Beschluss vorliegt, wird der Kölner Künstler Gunter Demnig die Steine verlegen; vielleicht finden sich sogar bis zu diesem Termin noch weitere Bürger, die einen Stolperstein stiften möchten.

Familie Sicher

Die Deportation der Familie Sicher. Der in die Kamera schauende Herr ist Fritz Sicher, rechts daneben mit Koffer Recha Sicher. Die vor Fritz Sicher gehende Dame mit Koffer ist Adelheid Heß. Foto: Stadtarchiv Bruchsal / erstmals veröffentlicht in "Oppenheimer - eine jüdische Familie aus Bruchsal", Seite 50.

In meiner Heimatstadt Osnabrück haben viele Firmen Patenschaften übernommen. Ich denke, das wird auch in Bruchsal der Fall sein. Manchmal hört man von Gegnern der Stolpersteine, dass bestimmt keine Paten gefunden werden, man aber mit dieser Art des Erinnerns jetzt begonnen hätte und es nun an der Gemeinde hängen bleiben würde, die restlichen Steine verlegen zu lassen. In Bruchsal wären dies ca. 150 Stolpersteine. Hier wird übersehen, dass das Projekt ganz bewusst so angelegt ist, dass es langsam entsteht. Die Verlegung geschieht über Jahre hinweg. In Osnabrück hat man im Jahre 2006 begonnen und bis jetzt etwas über 200 dieser Steine verlegt. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Es gibt kein Muss für die Gemeinden!

Ich denke, die konzeptionelle Umsetzung sollte in Absprache mit dem Bruchsaler Hauptamt für Kultur und einer eventuell bis dahin entstandenen Bürgerinitiative geschehen. Da für jedes Opfer gründliche Archivarbeit geleistet werden muss, wird es sicherlich ehrenamtliche Bürger und Jugendliche geben, die sich dieser Aufgabe stellen werden.

Sie und Herr Sicher wären bei der Stolpersteinverlegung dabei?

AULKEMEYER: Ich auf jeden Fall! Ob Herr Sicher und vielleicht sogar dessen Familie kommen wird, weiß ich noch nicht. Ich warte jetzt erst mal den Beschluss des Bruchsaler Gemeinderates ab und sage Professor Sicher dann Bescheid. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass er und seine Familie aus Israel kommen und Bruchsal besuchen werden.

Gehen wir davon aus, dass der Gemeinderat Ihrer Initiative zustimmt. Die vier Stolpersteine für die Familie Sicher sind verlegt. Wie geht es dann weiter?

AULKEMEYER: Ich gehe wie bereits gesagt ganz stark davon aus, dass weitere Steine verlegt werden und sich so viele weitere Paten finden. Ich kenne keine Stadt, wo dies nicht so war.

Viele Stolpersteinprojekte werden auch mit Schulen durchgeführt. Die Schüler erarbeiten im Unterricht anhand von Stolpersteinen die Geschichte des Nationalsozialismus. Beispielsweise erledigt eine berufsbildende Schule in Osnabrück einen Großteil der Organisation für die Verlegung von Stolpersteinen. Junge Auszubildende übernehmen das Verlegen der Stolpersteine - natürlich alles unter Anleitung eines Lehrers. Genau das ist so wichtig: Die Auseinandersetzung der Jugend mit der beklemmenden Vergangenheit der Deutschen im Dritten Reich. Es muss aufgeklärt werden, denn nur Bildung hilft gegen Antisemitismus. Die Jugend mit in dieses Thema einzubinden ist ein ganz wichtiger Part bei dieser Art des Gedenkens.

Es geht bei der gesamten Sache nicht um Schuld! Es geht um das Erinnern und Mahnen. Vor allem möchte ich die Stolpersteine als Mahnmal sehen. Jeder der ein KZ besichtigt hat weiß, dass dieser abscheuliche Massenmord nie wieder passieren darf. Weder hier noch sonst wo!

Ich habe schon einige Konzentrationslager besucht. In diesem Jahr war ich in Auschwitz – es war fürchterlich! Auch hier hatte ich meinen kleinsten Sohn dabei. Da war er eineinhalb Jahre alt, den anderen wollte ich den Besuch des Lagers nicht zumuten. Als ich dann vor diesem Berg an Kinderkleidung und Schuhen stand, mit meinem kleinen Sohn auf dem Arm, wurde mir übel! Diese Todesmaschinerie hat mich so bedrückt.

2010 habe ich mit meiner Familie in Israel Yad Vashem besucht. Das ist die zentrale Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert. Seither verstehe ich auch besser, warum für die Juden auf der ganzen Welt die Shoah ein elementarer Bestandteil deren Bewusstseins ist. Der Holocaust gehört zum Leben eines jeden Juden - und sollte auch zum Leben eines jeden Deutschen gehören. Dem Band zwischen Opfer und Täter sollte immer gedacht werden. Die Erinnerung an die Menschen, die zusammen mit unseren Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern oftmals Tür an Tür lebten, darf nicht verloren gehen.

Ich wünsche mir, dass der Gemeinderat von Bruchsal der Verlegung zustimmt.


Die Familie Sicher

Benno Aulkemeyer möchte Stolpersteine für diese Personen verlegen lassen:

 

Fritz Sicher

 

Fritz Sicher, Kaufmann, geboren am 12. Juli 1882 in München. Nach der Deportation nach Gurs/Frankreich verstarb Fritz Sicher am 7. April 1941 im Internierungslager Pau/Frankreich.

 

Recha Sicher


Recha Sicher, Damenschneiderin, geborene Heß, geboren am 18. Februar 1888 in Malsch. Von Gurs aus wurde Frau Sicher ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und nach dem Krieg für tot erklärt.

 

Adelheid Heß

 

Adelheid Heß, Damenschneiderin, Schwester von Recha, geboren am 17. Oktober 1891 in Malsch. Frau Heß wurde nach Gurs deportiert und kam in Auschwitz um (für tot erklärt).

 

Emmy Sicher

 

Emmy Sicher, Damenschneiderin, geboren am 7. Juni 1921 in Bruchsal, wurde von Karlsruhe aus nach Gurs deportiert. Emmy wurde von dort nach Auschwitz deportiert und nach dem Krieg für tot erklärt.

 

Städtischer Kulturbeauftragter: Thema im Herbst im Gemeinderat

Zum Thema Stolpersteine befragte DER KURIER auch den Bruchsaler Kulturbeauftragten Thomas Adam:

"Die Idee der Stolpersteine gehört mit zu jenen möglichen Formen des Gedenkens an das NS-Unrecht, die derzeit seitens des Hauptamtes zu einer Vorlage für den Gemeinderat zusammengefasst werden. Eine andere Form wäre - auch dies wurde in der Vergangenheit von verschiedenen Seiten angeregt - anstatt oder zusätzlich zu dezentralen Stolpersteinen die Schaffung eines zentralen Mahnmals auf einem öffentlichen Platz. Der Gemeinderat soll sich im Herbst 2013 auf dieser Grundlage mit der Thematik befassen und eine Entscheidung darüber treffen, wie künftig in Bruchsal des NS-Unrechts gedacht wird."


Veröffentlichung dieses Beitrages mit freundlicher Genehmigung von DER KURIER. Erstveröffentlichung in DER KURIER, Ausgabe Bruchsal, 28. Jahrgang, Nr. 35, Donnerstag, 29. August 2013.

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Kommentare

Wäre nicht schlecht...

wenn Sie, anstatt im Kurier, auch mal in der Bruchsaler Rundschau mit solch einem Artikel "rauskämen". das würde dieser Zeitung sicherlich gut tun. Aber immerhin ist es dem Verlag hoch anzurechnen, daß er sich solch eines "heißen Eisens" in einem seiner Blätter annimmt...

gute Sache

Den Vorschlag von Benno Aulkemeyer halte ich für eine gute Sache. Stolpersteine gibt es in vielen anderen deutschen Städten. Die zugrunde liegende Philosophie ist aus meiner Sicht in mehrfacher Hinsicht der eines zentralen Denkmals überlegen oder ergänzt dieses in wünschenswerter Weise:
- setzt dort an wo die Menschen gewohnt haben
- erfordert eine unmittelbare Beteiligung der Zivilgesellschaft
z.B. durch Sponsoring
z.B. durch Einbeziehung von Schulen und anderen Einrichtungen
- bringt die Erinnerung in den Alltag (ohne Pathos)

Dem Vorstoß wäre ein Erfolg zu wünschen.

gute Sache

Den Vorschlag von Benno Aulkemeyer halte ich für eine gute Sache. Stolpersteine gibt es in vielen anderen deutschen Städten. Die zugrunde liegende Philosophie ist aus meiner Sicht in mehrfacher Hinsicht der eines zentralen Denkmals überlegen oder ergänzt dieses in wünschenswerter Weise:
- setzt dort an wo die Menschen gewohnt haben
- erfordert eine unmittelbare Beteiligung der Zivilgesellschaft
z.B. durch Sponsoring
z.B. durch Einbeziehung von Schulen und anderen Einrichtungen
- bringt die Erinnerung in den Alltag (ohne Pathos)

Dem Vorstoß wäre ein Erfolg zu wünschen.

Stolpersteine in Bruchsal

Ich finde das ist eine gute Sache und daher wuerden meine Frau und ich ,falls die Aktion in Bruchsal durchgefuehrt werden sollte ,das Sponsoring/Patenschaft ,120 Euro,fuer einen Stolperstein uebernehmen.
Da wir zur Zeit nicht in Bruchsal ,sondern beruflich im Ausland wohnen ,bitte ich darum das die Redaktion von Bruchsal Org uns ,wenn es soweit ist ,entsprechend informiert damit wir das Geld ueberweisen koennen .

Wäre auch dabei...

... bitte macht zu gegebenem Zeitpunkt die Adresse mit Konto in bruchsal.org öffentlich. Außerdem, fände ich es auch super wenn man die Synagoge wieder aufbauen würde. Vieleicht auch über so ein Sponsoring und bürgeschaftliche Mitarbeit. Das war ein wirklich sehr schönes Haus, dessen Aufbau man direkt nach dem Krieg und noch vor dem Wiederaufbau des Schloßes schon hätte angehen sollen. Was für ein Signal an die Welt wäre das gewesen. Größe. - Da würde es was hermachen, unser kleines Städtchen mit den feinen Leuten.

Das Thema Stolpersteine

hat schon viele Gemüter bewegt. Ich bin hin und hergerissen, ob ich diese Aktionen gut finden soll oder nicht. Grundsätzlich ist nichts dagegen zu sagen, denn Gedenksteine halte ich auch für wichtig. Aber es gibt viele Angehörige von Opfern, die gar nicht wollen, dass man auf die Erinnerung tritt. Und alles, was zu häufig gesehen wird, wird leider alltäglich.

Dass die Besinnung an das Unheil, das von Deutschland ausgegangen ist, so spät kommt, macht mich etwas traurig. Aber früher ging das scheinbar nicht. Diejenigen, die Mittäter waren, wollten darüber nicht sprechen, auch waren sie zum größten Teil in leitenden Parteifunktionen der Bundesrepublik.

Nur wenige haben sich nach dem Krieg gegen die "Nazis" gewehrt und sie bloss gestellt. Ganz vorne zu nennen ist Beate Klarsfeld. Was für ein Affront war das, als sie den Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hat und ihn einen Nazi genannt hat.

Auch Filbinger als Ministerpräsident mußte die Segel streichen. Als ehemaliges Mitglied der SA und der NSPAD konnte Alfons Goppel  bayrischer Ministerpräsident werden.

Von den "kleinen Chargen" nach dem Krieg will ich gar nicht reden, sie waren alle nicht unbelastet. Aber, das was im dritten Reich geschehen war, das wurde mehr oder weniger totgeschwiegen.

Wie oft mußte ich hören : das war doch alles nicht so schlimm, davon haben wir nichts gewußt, unter Hitler war alles besser. Und die damaligen Regierungen taten nicht viel, dem zu widersprechen. Geschichtslehre in der Schule endete spätestens beim letzten Kaiser. Über das dritte Reich traute sich scheinbar kein Lehrer etwas zu sagen.

Ich war das erste Mal mit dem Entsetzlichen konfrontiert, als ich die Neuerscheinung "Der gelbeStern" in die Hand bekam. Und seit dem kann ich es nicht mehr glauben, dass eine ganze Nation nichts davon wußte.

Jetzt erst, siebzig Jahre danach wird durch verschiedene Aktionen die Zeit von damals in Erinnerung gebracht. Liegt es vielleicht daran, dass die Mittäter und Mitläufer so langsam wegsterben?

Ja, es ist wichtig, sich zu erinnern. Aber ein Stolperstein ist dazu zu wenig. Ich wäre dafür, dass statt einem Storm, oder einem Fontane, oder Rilke oder anderer Schöngeister ein Buch, wie "Der gelbe Stern" zur  Pflichtlektüre in Gymnasien und in der letzten Klasse der Hauptschulen würde.

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