„Mein Sohn nimmt Drogen! Er ist drogensüchtig!“.

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Drogen

Bereits vor einigen Monaten waren wir, meine Frau und ich, bei einer Bekannten eingeladen. Einer alleinerziehenden Mutter eines Sohnes von etwa 18 Jahren. Die mit uns befreundete Bekannte rief an einem Samstag bei meiner Frau an und sagte: „Kommt doch mal vorbei. Einfach so. Nur um ein bisschen zu quatschen“. Meiner Frau kam die Sache nicht koscher vor. Sie meinte zu mir: „irgendwas stimmt nicht“.

Wir änderten unsere Pläne für diesen Samstag Abend und machten uns auf den Weg zu unserer Bekannten, nennen wir sie Petra. Diese öffnete gleich nach dem Klingeln die Türe zu ihrer Wohnung und begrüßte uns freudig. Sie meinte: „Kommt, wir setzen uns auf den Balkon. Ich mach’ für uns `ne Flasche Rotwein auf“. Wir gingen raus auf den Balkon und nahmen dort auf den Stühlen Platz. Es war wunderschönes sommerliches Wetter und Petra kam gleich danach zu uns auf den Balkon, mit zwei Flaschen Rotwein, beide bereits entkorkt, mit drei langstieligen Weingläsern und – für sich und meine Frau – einem Päckchen Zigaretten. Ich glaube, es waren Marlboro; die mit der roten Schachtel.

Petra füllte die Rotweingläser mit einem edlen Merlot aus Frankreich und wir stießen an. Auf uns, auf das schöne Leben. Was weiß ich. Dann nahm Petra die Zigarettenschachtel, bot meiner Frau eine Zigarette an – diese nahm den Glimmstängel sehr gerne – und gemeinsam qualmten sie eine Runde.

Urplötzlich brach Petra wie aus heiterem Himmel zusammen. Sie wurde unvermittelt von einem Heulkrampf geschüttelt. Meine Frau und ich waren zutiefst bestürzt. Bei so was bin ich immer hilflos. Meine Frau fand aber recht schnell die richtigen Worte: „Petra, was ist los? Ich hab mir gleich bei deinem Anruf gedacht, dass etwas nicht stimmt. Komm, sag …“.

Schluchzend begann Petra von ihren Sorgen zu erzählen. Durch Zufall fand sie im Zimmer ihres Sohnes eine Schachtel mit Pillen. Die hatte sich der übers Internet besorgt. Pillen, die aufputschen. So wie man sie – leider – auch oftmals in einschlägigen Diskotheken angeboten bekommt, um „locker“ zu werden und um bis früh in den Morgen fit zu bleiben. Petra schrie’s geradezu raus: „Mein Sohn nimmt Drogen! Er ist drogensüchtig!“.

Meine Frau versuchte Petra zu beruhigen, was jedoch kaum möglich war. Immer wieder begann sie zu schluchzen. Noch zwei oder drei Stunden saßen wir zusammen und allmählich wurde Petra ruhiger. Wir versuchten Petra davon zu überzeugen, dass ihr Sohn doch eigentlich ein Supertyp sei und sie solle das doch nicht so eng sehen. Jugendliche seien halt so. Aber natürlich sei es schlimm, wenn jemand Drogen nimmt. Wie man halt so redet, wenn man helfen will, aber doch eher von der Situation überfordert ist. Wir einigten uns darauf, dass Petra gleich am Montag der kommenden Woche einen Termin bei der Beratungsstelle für Alkohol- u. Drogenprobleme in der Hildastraße vereinbart, um sich beraten zu lassen.

Wir gingen mit einem unguten Gefühl, drei leere Rotweinflaschen, zwei leere Schachteln Zigaretten und eine verzweifelte Petra zurück lassend.

Zuhause setzte ich mich gleich an den PC, ging ins Internet und fand zu dem Thema bei wikipedia unterm Stichwort „Drogen“ die folgende Darstellung:

Suchtpotentiale

Danach ist Alkohol die 5. gefährlichste und Nikotin (Tabak) die 9. gefährlichste Droge.

Mittlerweile sind meine Frau und ich beruhigt. Auch Petra hat wieder ihre Gelassenheit gefunden. Bei den Drogen, die der Sohn von Petra nahm (mittlerweile schluckt er sie nicht mehr, er tut dies selbst inzwischen als „Kinderkram“ ab), handelte es sich tatsächlich um Ecstasy. Und Ecstasy steht lediglich auf Platz 18 innerhalb der Suchttabelle. Also mit eher geringerem Suchtpotential. Aber wie gesagt: Petras Sohn hat von sich aus aufgehört zu „süchteln“.

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Kommentare

Drogen

Toller Denkanstoß an die Gesellschaft Drogenprobleme mit Zigaretten und Merlot zu Diskutieren. Richtig toller Ansatz weiter so !!

Bin mal auf Feedback gespannt. Eigentlich sind ja unsere Genussdrogen eher Legalisiert beim breitem Publikum.

verkehrte Welt

wenn man die Suchttabelle mal näher anschaut kommt man doch etwas ins Zweifeln. In Deutschland erlaubt ist Alkohol (Platz 5) und Tabak (Platz 9).

Cannabis jedoch, welches auf Platz 11 der Liste steht ist verboten. Noch verrückter wird es, wenn wir die Regelung in unserem Nachbarland- den Niederlanden- anschauen:

Dort darf in den Coffeeshops seit dem 1.7.08 nur noch Hasch pur geraucht werden- auch dort gilt Rauchverbot (für Tabak) wie im Spiegel zu lesen war.

Ebenso ist- zumindest anderen Studien nach- tatsächlich das ungesunde am Joint der Tabak und nicht das Cannabis, welches in bestimmten Fällen (z.B. Krebs oder Aids) auch vom Arzt als Appetitanreger verschrieben werden darf wie auf wissen-gesundheit.de zu lesen war.

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