„Macht Solarenergie in Deutschland tatsächlich Sinn oder sitzen wir der Solarlüge auf?“

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Ein Interview zu diesem Thema mit Klaus Schestag, Mitinitiator und Gründungsmitglied des „Initiativkreis Energie Kraichgau e. V."
Dienstag, 30. April 2013 - 11:02

„Macht Solarenergie in Deutschland tatsächlich Sinn oder sitzen wir der Solarlüge auf?“

Diese Frage hatte mich in den letzten Monaten immer mal wieder beschäftigt und daher habe ich mal ein wenig recherchiert. Auf den einschlägigen Seiten im Internet findet sich sehr viel Information, aber wie immer, die Frage ist am Ende, was man selbst aus all diesen Meinungen und Behauptungen für Schlüsse zieht.

Falls Sie das Thema auch interessiert, können Sie im Folgenden ein Interview mit Herrn Klaus Schestag lesen, der sich schon seit mehr als 10 Jahren intensiv mit dem Solarthema befasst. Klaus Schestag war unter anderem auch 2003 Mitinitiator und Gründungsmitglied des „Initiativkreis Energie Kraichgau e. V.“ (www.energie-kraichgau.de), der die Information über Energiethemen und speziell die 100%  Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien zum Ziel hat. Der Verein verfolgt dabei immer die drei großen „E“, die da sind Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Seit 2008 ist Herr Schestag 1. Vorsitzender dieses Initiativkreises.

Klaus Schestag

Aufgrund seines beruflichen Profiles  ist Herr Schestag zweifelsohne ein Spezialist auf seinem Gebiet  und daher habe ich die wesentlichen Fragen zum Thema Solarenergie mit ihm diskutiert. 

Bruchsal.org:

Herr Schestag, Solarenergie ist noch immer in aller Munde, daher zuerst einmal die allgemeine Frage:

Solarenergie… was ist das eigentlich?

Klaus Schestag:

Hier wird grundsätzlich zwischen Solarthermie und Photovoltaik unterschieden.

Zur Erklärung:

Thermie ist alles was "warm macht". Solarthermie macht also aus Kollektoren Warmwasser für den Haushalt zum Waschen, Duschen, Kochen und so weiter. Größere Kollektorflächen können dann auch noch die Heizung des Gebäudes unterstützen und somit noch mehr Heizöl oder Erdgas für die Heizung einsparen. Für dessen Einbau gibt es vom Bund Zuschüsse und zinsverbilligte Darlehen.

Photovoltaik, ich sage lieber Solarstrom, das ist anschaulicher und für mich ein schöneres Wort, macht aus dem Sonnenlicht direkt Strom. Dieser wurde früher, bis vor drei, vier Jahren, direkt ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Heute nutzt man den sauber von der Sonne erzeugten Strom erst mal vorrangig im eigenen Haus und gibt nur den Überschuss ins öffentliche Stromnetz ab. Für den Bau von Solarstromanlagen gibt es keine Zuschüsse, auch keine zinsverbilligten Darlehen. Die Förderung geschieht durch die Zahlung der gesetzlich festgelegten Einspeisevergütung nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG). Diese Förderung ist definitiv keine "Subvention", da es sich hierbei nämlich nicht um Steuergelder handelt. Vielmehr ist es eine Förderung, dessen Kosten auf den Stromverbrauch umgelegt werden. Somit hängt das, was wir für die Erzeugung des Solarstroms zahlen müssen, auch von unserem Stromverbrauch ab. Und den gilt es, aus Nachhaltigkeitsgründen, ja sowieso zu senken. Zur ungerechten Verteilung dieser Kosten kommen wir wohl später noch zu sprechen.

Bruchsal.org:

Lassen Sie uns dann doch einmal das Thema Solarstrom näher betrachten, denn der immer weiter steigende Strompreis ist ja immer wieder in der Diskussion. Meine erste Frage in diesem Zusammenhang ist dann natürlich:

Macht Solarstromgewinnung in Bruchsal und dem Landkreis Karlsruhe ökonomisch und ökologisch überhaupt Sinn?

Klaus Schestag:

Ja, natürlich, und zwar nach beiden Gesichtspunkten. Das ist ja gerade das begeisternde an dieser recht neuen Technik.Jeder Landstrich in Deutschland, ja sogar weltweit, ist dafür prinzipiell geeignet. Denn die Sonne scheint, Gott sei Dank, immer mal irgendwo. Im Deutschlandvergleich haben wir hier bei uns im Süden der Republik natürlich sogar eine überdurchschnittliche Sonneneinstrahlung über das Jahr verteilt. Deswegen werden ja auch in Bayern und Baden-Württemberg deutschlandweit die meisten Solarstromanlagen gebaut. Aber auch an den Küsten im Norden scheint viel Sonne, da dort die Wolken nicht an Bergen hängen bleiben können.

Bruchsal.org:

Und was passiert, wenn die Sonne nicht scheint?

Klaus Schestag:

Wenn die Sonne nicht scheint, kann die Solarstromanlage natürlich auch keinen Strom produzieren. Eine solche Anlage benötigt aber keine direkte Sonneneinstrahlung, auch diffuses Licht, sprich bedecktes Wetter reicht schon aus, damit die Anlage Strom liefert. Wenn dann die Sonne aber direkt auf die Module scheint, geht die Leistung natürlich noch deutlich in die Höhe. Sobald es aber draußen so hell ist, dass wir das Licht im Zimmer ausschalten können, läuft auch unsere Solarstromanlage.

Bruchsal.org:

Und wie sieht es im Winter aus, insbesondere wenn mal Schnee liegt?

Klaus Schestag:

Im dunklen Winter, wenn wir auch tagsüber in unseren Wohnungen Licht brauchen, erbringt die Solarstromanlage natürlich fast keinen Strom. Und wenn Schnee direkt auf den Modulen liegt, kommt natürlich kein Licht, sprich keine Photonen, auf die Solarzellen. Dann steht die Anlage halt ein paar Tage ganz still.

Bruchsal.org:

Muss man Panels, die ja bis zu 20 Jahre im Einsatz sein sollen, regelmäßig reinigen lassen?

Bruchsal.org:

Die Reinigung übernimmt in der Regel die Natur für uns. Der normale Regen reicht bei einem mindestens um 20° geneigten Dach völlig aus, um zum Beispiel den abgelagerten Blütenstaub im Frühjahr wieder abzuwaschen. Spätestens der im Winter von den Modulen abrutschende Schnee nimmt die Verunreinigungen in der Regel alle mit weg. Bei einer Anlage auf einem Bauernhof oder einem Gewerbebetrieb, bei dem es heftig staubt, ist da natürlich ein anderer Fall. In Wohngebieten wird aber in der Regel keine Reinigung notwendig sein.

Bruchsal.org:

Für wen macht eine Photovoltaik Anlage generell am meisten Sinn?

Klaus Schestag:

Für unsere Volkswirtschaft, denn wir ersparen uns damit sehr hohe externe Kosten die wir haben, solange wird unsern Strom weiter aus Kohle, Gas und Uran herstellen. Aber das war mit der Frage wohl nicht gemeint. Da eine Solarstromanlage in unseren Breiten die Kilowattstunde für unter 20 Cent erzeugen kann, wir aber in der Regel so um die 26 Cent pro Kilowattstunde für unseren Strombezug bezahlen müssen, macht es natürlich sehr viel Sinn, den recht günstig erzeugten Solarstrom vorrangig selbst zu verbrauchen. In diesem Fall wird dann nur noch der Überschuss ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Übrigens braucht dann auch nur noch dieser Überschuss nach dem EEG vergütet werden, wodurch in Zukunft die Kosten für sauberen Solarstrom immer weiter sinken werden. Also kurz gesagt: Überall dort, wo der Solarstrom auch gleich selbst verbraucht werden kann, lohnt sich eine solche Anlage betriebswirtschaftlich besonders.

Bruchsal.org:

Was passiert mit dem Strom, den ich dennoch nicht selbst benötige dann genau?

Klaus Schestag:

Dieser geht, wie bereits gesagt, ins öffentliche Stromnetz. Das macht auch Sinn, denn dort kann dieser für mich überschüssige Strom dann von meinem direkten Nachbarn verbraucht werden, dessen Dach eventuell nicht für eine Solarstromanlage geeignet ist. Im Gegenzug kann mir mein freundlicher Nachbar dann eventuell im Winter, wenn meine Solarstromanlage weniger Ertrag erbringt, seinen überschüssigen Strom aus seinem Blockheizkraftwerk rüberschicken, das er ja vor allem im Winter zu Beheizung seines Hauses betreibt. Wir sehen hier schon einen großen Vorteil von kleinen, dezentralen Versorgungsnetzen. Komplette "Inselanalgen", ganz ohne Anschluss ans öffentliche Stromnetz, machen volkswirtschaftlich nicht wirklich Sinn.

Bruchsal.org:

Könnte man statt den Überschuss ins Netz einzuspeisen die Energie auch im Hause speichern?

Klaus Schestag:

Das ist ein Punkt der immer mehr kommen wird uns mit steigendem Ausbau der Erneuerbaren Energien immer wichtiger wird. Es gibt hierzu bereits ausgereifte Systeme. Wir selbst betreiben zum Beispiel seit letztem Herbst einen solchen Solar-Strom-Speicher in unserem Wohnhaus. Die Betriebsweise ist wirklich beeindruckend. Anstelle den sauberen Solarstrom für billig Geld, derzeit liegt die Einspeisevergütung bei knapp über 15 Cent pro Kilowattstunde, ins öffentliche Stromnetz abzugeben, wird der Solarstrom in Blei- oder Lithium-Akkus gespeichert und dann nach Sonnenuntergang wieder ins Hausnetz eingespeist. Damit wird Solarstrom rund um die Uhr verfügbar. Außerdem werden dadurch die Stromnetze deutlich entlastet. An schönen, sonnigen Tagen beziehen wir zum Beispiel über mehrere Tage nicht eine Kilowattsunde Strom aus dem öffentlichen Netz. Unser Haus existiert somit als Verbraucher gar nicht mehr. Vielmehr speisen wir, sobald der Solar-Strom-Speicher voll ist, unseren weiter produzierten Solarstrom, wie ein kleines Kraftwerk ins Stromnetz ein. Damit verkehrt sich natürlich einiges im Stromnetz: Bisherige Verbraucher verschwinden zeitweise aus dem Netz und viele neue kleine Kraftwerke kommen hinzu.

Bruchsal.org:

Ist Solarstrom nicht nur ein nettes Nice to Have für ein paar Ökofreaks, die mit glänzenden Panels auf ihren Dächern ihre „Umweltverbundenheit“ demonstrieren möchten?

Klaus Schestag:

Das sind Solarstromanlagen natürlich auch. Meine ersten Kunden vor über 12 Jahren waren auch zum großen Teil sehr engagierte und überzeugte Umweltschützer. Inzwischen sind solche Anlagen aber auch für "Otto-Normalverbraucher" eine sehr interessante Sache. Strom auf dem eigenen Hausdach billiger herstellen, als den, den wir kaufen müssen, ist halt schon ein Argument, das noch deutlich mehr Menschen überzeugt, als nur die reine ökologische Seite einer Solarstromanlage. Insgesamt gesehen geht es aber bei jeder einzelnen Solarstromanlage nicht nur um ein paar sauber hergestellte Kilowattstunden oder um ein paar eingesparte Euro. Es geht um Unabhängigkeit von ausländischen Energieimporten, um regionale Wertschöpfung, um nachhaltige Arbeitsplätze und um das Abbremsen des bereits begonnenen Klimawandels, sprich um eine lebenswerte Welt.

Bruchsal.org:

Wie sieht es eigentlich mit der Ökobilanz einer Solaranlage aus, insbesondere ab wann produziert man wirklich saubere Energie?

Klaus Schestag:

Bei dieser Frage bin ich immer wieder überrascht, wie lange sich manche Vorurteile in unserem Gedächtnis halten. Eigentlich könnte diese Frage bereits seit rund 20 Jahren aus unserem Gebrauch verschwunden sein. Denn seit dort haben Solarzellen die energetische Amortisation erreicht. Das bedeutet, dass die zur Herstellung der Solarstromanlage eingesetzte Energie innerhalb der Lebensdauer auch wieder erwirtschaftet wird. Heute liegt dieser Wert, durch immer bessere und effizientere Fertigungsmethoden, zwischen zwei und drei Jahren. Bezogen auf eine Lebenserwartung von 25 bis 30 Jahren einer Solarstromanlage also ein Vielfaches. Eine Solarstromanlage erbringt also tatsächlich innerhalb der Betriebszeit sechs bis zehnmal mehr Energie, als zu deren Herstellung benötigt wurde. An dieser Stelle muss dann immer der Vergleich mit dem neuen Kohlekraftwerk in Karlsruhe erlaubt sein. Auch dieses hat zur Herstellung sehr viel Energie gekostet in Form von Beton Stahl und Arbeitskraft. Aus diesem Kohlekraftwerk kommt nach der Fertigstellung, im Gegensatz zu einer Solarstromanlage, aber nicht eine müde Kilowattsunde Strom heraus. Es muss erst 100% Energie in Form von Kohle, die im Fall von Karlsruhe zuerst um die halbe Welt geschippert wurde und aus Australien bzw. aus Südafrika stammt, in das Kraftwerk geschoben werden. Als Ergebnis erhält man dann lediglich etwas über 40% der eingesetzten Energie der Kohle in Form von Strom heraus. Der Rest ist Abwärme, der zum größten Teil den Rhein erwärmt oder über den mit Ventilatoren betriebenen kurzen Kühlturm an die Umgebung abgeführt wird. Energetische Amortisation: Fehlanzeige! Und dieses Prinzip gilt für alle konventionellen Großkraftwerke, egal ob mit Kohle, Gas oder Atombrennstoff betrieben.

Bruchsal.org:

Produziert man Solarstrom wegen der noch immer gewährten staatlichen Förderung letztlich nicht auf Kosten der anderen Stromverbraucher?

Klaus Schestag:

Das tun doch alle Kraftwerksbetreiber. Da es sich bei der Solarstromförderung, wie bei allen Energiearten die über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) gefördert werden, eben gerade nicht um eine direkte Förderung des Staates handelt, sondern um eine verbrauchsgerechte Umlage über den Strompreis, werden die Kosten für die Erzeugung fair verteilt. Alle Kosten der Solarstromproduktion sind in dem derzeitigen Preis von rund 15 Cent pro Kilowattstunde nämlich bereits enthalten. Dem ist bei Kohle-, Gas- und Atomstrom gerade nicht so. Alle hierdurch anfallenden Kosten für die Anpassung an den Klimawandel, die Gefahren aus der Atomkraft und die gesamte Lagerung des Atommülls über unübersehbare Zeiträume von tausenden von Jahren, sind eben nicht in dem Preis pro Kilowattsunde enthalten. Diese Kosten sind die "Subventionen", nämlich die Kosten, die aus den Steuermitteln getragen werden, die eben gerade nicht fair und ehrlich verteilt sind. Bei einer kompletten und ehrlichen Betrachtung der Kosten der verschiedenen Energieerzeugungsarten, sind die Erneuerbaren Energien nicht die Preistreiber, wie derzeit gerne dargestellt, sondern die Preisbrecher schlechthin. Das liegt ganz einfach daran, dass diese eben keine externen Kosten verursachen.

Bruchsal.org:

Auf welche Laufzeit sind Solaranlagen tatsächlich ausgelegt? Sind die immer wieder genannten und auch geförderten 20 Jahre realistisch? Gibt es überhaupt so alte Anlagen?

Klaus Schestag:

Der Halbleitereffekt, also die Erkenntnis, dass aus Licht direkt Strom erzeugt werden kann, ist inzwischen über 150 Jahre alt. Zuerst im Weltall eingesetzt, gibt es aber auch bei uns auf der Erde schon Anlagen die an die 30 Jahre alt sind. Oft trauen die Vermesser dieser alten Anlagen Ihren Messgeräten nicht, da sie deutliche Leistungsminderungen erwarten. Tatsächlich verlieren aber auch diese sehr alten Solarstromanlagen nur sehr wenig von ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit. Man kann für seine eigene Anlage also guten Gewissens eine Lebenserwartung von 25 bis 30 Jahre ansetzen.

Bruchsal.org:

Und was passiert nach dem Ende der Laufzeit mit den Anlagen? Werden diese recycled oder landet das Gewerk einfach auf dem Müll?

Klaus Schestag:

Natürlich steckt trotz aller Effizienz bei der Herstellung noch jede Menge Rohstoff in einem Solarmodul. Und diese soll natürlich nach dem Lebensende des Moduls auch wieder in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden. Nachhaltigkeit ist ja gerade hier ein sehr wichtiges Argument. So können ausgediente Solarstrommodule entweder über das freiwillige Rücknahmesystem der Hersteller oder über den Weg des Elektroschrotts der Verwertung zugeführt werden.

Bruchsal.org:

Hat ein privater Investor, also der Häuslebauer oder Renovierer, überhaupt noch Investitionssicherheit, jetzt wo so viele Solarfirmen Insolvenz anmelden?

Klaus Schestag:

Die Investitionssicherheit in Bezug auf die Einspeisevergütung ist ja durch das bereits mehrfach genannte EEG gewährleistet. Das andere Thema der Haltbarkeit der  eingesetzten Produkte verlangt natürlich eine sogfältige Auswahl er Komponenten. So ist "Hauptsache billig" sicher oft nicht der Beste weg. In die Zukunft schauen können wir alle nicht. Wer aber Produkte einsetzt, die bisher sehr gut funktioniert haben, hat auch hier ein hohes Maß an Sicherheit. Ganz klar muss aber auch gesagt sein, dass es sich bei einer Solarstromanlage um ein wirtschaftliches Gut handelt. Jeder der eine solche Anlage errichtet, geht natürlich auch ein gewisses Risiko ein. Deshalb ist es auch zu rechtfertigen, dass Betreiber von Solarstromanlagen auch einen angemessenen Gewinn erzielen sollten, um eben gerade dieses Risiko abdecken zu können.

Bruchsal.org:

Macht es überhaupt noch Sinn als Otto Normalverbraucher jetzt, da die auf 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung immer geringer wird, noch in Solarenergiegewinnung zu investieren und sich eine Anlage zuzulegen?

Klaus Schestag:

Ja, das wurde weiter oben ja bereits erläutert. Überall dort, wo auch ein Stromverbrauch vorhanden ist, macht es nicht nur ökologisch, sondern auch betriebswirtschaftlich richtig Sinn, eine Solarstromanlage zu errichten, wenn auch die restlichen Rahmenbedingungen wie intakte Dachfläche und klare Eigentumsverhältnisse und ähnliches, eindeutig geklärt sind. Und zudem macht es nicht nur sehr viel Sinn, sondern auch jede Menge Freude, seine Stromversorgung selbst in die Hand zu nehmen und damit auch Verantwortung für unsere lebenswerte Zukunft zu übernehmen.

Bruchsal.org:

Herr Schestag, lassen sie uns auch noch ein wenig die Energiepolitik unserer derzeitigen Regierung im Solarbereich beleuchten. Das ist natürlich ein polarisierendes Thema und ich freue mich schon jetzt auf die Kommentare, die in diesem Zusammenhang bei Bruchsal.org gepostet werden.

Warum wird das Solarförderprogram von unserer Regierung nun heruntergefahren?

Klaus Schestag:

Das Herunterfahren ist prinzipiell nicht verkehrt. Das war ja der konkrete Ansatz bei der Einführung des EEG. Gerade für Solarstrom war das EEG klar als Markteinführungsprogramm angelegt. Es war klar, dass durch Entwicklung und Massenproduktion die Preise für Solarstromanlagen deutlich sinken werden, was ja auch geschehen ist.

Das große Problem ist das kurzfristige Ändern der Vergütungssätze und die viel zu hohe Geschwindigkeit der Absenkung. Anstelle der immer schnelleren Absenkung hätte man besser frühzeitiger die Förderung und Integration von Solar-Strom-Speichern in die Förderung miteinbeziehen sollen.

Das grundlegende Thema, um nicht wieder Problem zu sagen, ist aber ganz eindeutig auszumachen:

Erneuerbare Energien stehen prinzipiell dezentral zur Verfügung. Die Sonne scheint nicht auf einen Punkt in Deutschland besonders bevorzugt. Genau diese Dezentralität der zukünftigen Energiequellen ist die große Herausforderung. Unser derzeitiges zentrales Energieversorgungssystem wird sich mit der konsequenten Nutzung aller zur Verfügung stehenden Erneuerbaren Energien nämlich komplett dezentralisieren.

Neben den geänderten Energieflüssen im Stromnetz, und übrigens auch in allen anderen Energieversorgungssystemen, ändern sich nämlich auch die Geldflüsse. Plötzlich erhält die "Familie Solarstromerzeuger" Geld für die produzierten Solar-Kilowattstunden. Dass dieses Geld an anderer Stelle fehlt, ist reine Betriebswirtschaft. Und dieses Geld fehlt genau bei den bisherigen, zentral strukturierten Energieversorgern.

Genau dieser Wandel - von zentral auf dezentral - ist die große politische Herausforderung.

Technisch ist die Energiewende schon längst im Gange und auch vollständig umsetzbar.

100% Erneuerbare Energien sind weltweit, und nachgewiesenermaßen auch bei uns im Landkreis Karlsruhe, technisch möglich und nicht wirklich eine riesige Herausforderung.

Den derzeit so großen Energieversorgern ihre Macht wegzunehmen und diese wieder den Bürgern zu geben, das ist die große Herausforderung.

Aufklärung, Wissen und sachliche Information sind der Schlüssel dazu.

Bruchsal.org: 

Na dann hoffe ich doch mal, dass wir durch dieses Interview genau hierzu ein wenig beigetragen haben.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und das angenehme Gespräch Herr Schestag. 

 

 

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Kommentare

Sehr schöne Darstellung des Themas "Ökostrom".

Aber ein Interview mit Herrn Schestag zu diesem Problemkreis ist in etwa vergleichbar mit "Eulen nach Athen tragen"... :-))

Aber klar - kompetenter und

Aber klar - kompetenter und sicher auch objektiver hätte sicher ein "Experte" vom KKP, von E-ON oder gleich von der FDP Auskunft zu diesem Thema geben können, nicht wahr?

Eulen nach Athen?

Sind sie sicher, daß sie Eulen nach Athen meinten, und nicht etwa "Den Bock zum Gärtner machen"?
Übrigens: Subvention oder nicht. Zahlen tun es die anderen! Also wir.
Also sorry, dieser Artikel enthält soviel Öko-Lobhudelei auf wackeligem Untergrund, dass einem ganz schummrig wird.
Schade um die aufgewendete Energie fürs Interview. Der Interviewer (sorry Jochen), sollte so eine Aufgabe besser einem Journalisten geben, der die wachsweichen Antworten durchschaut und kritisch nachfragt. Dann lohnt es sich auch, über so etwas nachzudenken.

Kosten-Nutzen-Rechnung

Hier Zahlen zum Verhältnis EEG-Vergütungen und Stromproduktion 2012: Biomasse 26,5%:27,1% Wind 23,6%:45,7% Photovoltaik 48,5%:22,0%. In Worten: Photovoltaik "verbraucht" 48,5% der EEG-Einspeisungsvergütungen, produziert aber nur 22% des EEG-geförderten Stroms. Bei Windkraft ist es etwa umgekehrt.

Quelle: BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. "Erneuerbare Energien und das EEG: Zahlen, Fakten, Grafiken"

Ich meinte tatsächlich...

Eulen nach Athen tragen als Synonym für eine überflüssige Tätigkeit, denn die Antworten Herrn Schestags zu diesem Thema waren ja wohl vorhersehbar...

Sehr geehrter Herr Schönherr

Sie haben zwar eine Koalition mit den Grünen eingegagen, trotzdem sollten Sie nicht alles glauben was Ihnen irgendwelche Lobbyisten erzählen. Für die Grünen mag das zutreffen, aber die neuen Köpfe???? Der BDEW ist ein Lobbyverein der Energiewirtschaft. Oder wie kann es sein, dass der Präsident: Ewald Woste auch gleichzeitig Thüga-Chef ist. Thüga ist eine 100% Tochter der E.ON.

Thüga-Chef wird neuer Energie-Cheflobbyist.

Es geht nur um Macht. Das sagt eigentlich dieser Satz von Klaus Schestag:

"Damit verkehrt sich natürlich einiges im Stromnetz: Bisherige Verbraucher verschwinden zeitweise aus dem Netz und viele neue kleine Kraftwerke kommen hinzu."

Die Stromkonzerne haben schon längst begriffen, wenn es so weiter geht, braucht die kein Mensch mehr.

Deshalb reden diese Lobbyisten diese individuelle Technik schlecht. Oder ist es einfacher, sich eine Windmühle auf´s Dach zu stellen?

 

 

@Dujardin forever

Was hält Sie eigentlich ab selbst "kritisch nachzufragen", wenn Sie Widersprüche in den Aussagen zu erkennen glauben? Ich könnte mir vorstellen, dass der Befragte ebenfalls hier mitliest und auf Ihre konkreten Nachfragen eingehen könnte.

Lobbyverband

@ Carusino: Sie haben Recht, der BDEW ist ein Lobbyverband. Daher habe ich auch die Quelle genannt. Wenn Sie andere, verlässlichere Zahlen haben, bin ich Ihnen dankbar dafür. Es geht mir nicht um gut- oder schlechtmachen, sondern um Fakten. Solarzellen sind eine phantastische Entwicklung. Aber als Heilsversprechen, z.B. lukrative Geldanlage ohne Eigenkapital, Teil einer Fehlentwicklung. Ja, das Perpetuum mobile, volle Autarkie, die alten Träume vom Stein der Weisen, wir hängen ihnen immer wieder nach. Aber lassen Sie bitte die Grünen raus, die können nichts für mein Posting.

@ dujardin forever

Lassen Sie mich vier Anmerkungen machen:

a. vorweg:
Sie haben komplett recht: unter dem Strich zahlen wir alle als Gesellschaft die Summe aller anfallenden Kosten - wer denn auch sonst ?

b. Im Zusammenhang mit der Versorgung mit elektrischer Energie gilt das natürlich auch. Und zu diesen Gesamtkosten gehören schon heute und in der Zukunft noch mehr:
die Kosten der Endlagerung radioaktiver Abfälle,
die Kosten für die Bergen der im Salzbergwerk Asse II befindlichen Atomabfälle (aktuelle Schätzung nur für die Bergung: 4.000.000.000 €),
die Kosten für die Folgekosten des Klimawandels wie zusätzliche Deichschutzprogramme wg. steigendem Meeresspiegel und
die Kosten für steigende Gebäude-Versicherungsbeiträge wg. Sturm und Hochwasser,
die Kosten für die steigenden Öl-Rechnungen an die Machthaber der erdölfördernden Länder und die Firmen, die das Öl fördern und vertreiben (analog Erdgas),
...
...

c. Bei diesen Randbedingungen zu überlegen, wie wir unseren Wohlstand und unserer tatsächlichen Energiebedarf (Thema Energieeffizienz) vernünftig und insgesamt kostengünstig decken können, ist ein ganz wichtiges Thema - und genau hier spielen die erneuerbaren Energien nicht nur eine wichtige Rolle, sondern eine entscheidende Rolle.

d. Ich kann nicht erkennen, wo Sie in den Interviewbeiträgen von H.Schestag 'Lobhudeleien' gesehen haben. Hier wäre es hilfreich, wenn Sie etwas genauer werden.
In Bezug auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien sind natürlich noch eine Reihe von technischen Aufgabenstellungen zu lösen (das Thema Speichertechnologien ist eine von diesen) - der Weg ist aber insgesamt deutlich zu erkennen und entschlossen anzugehen.

Gruß

Volker Behrens

Warum?

Ich frage mich, warum es Eulen nach Athen getragen sein soll, wenn Jochen Wolf sich mit einem Thema beschäftigt und sich dazu entschließt, jemanden mit Sachkenntnis und reichlich Erfahrung zu eben diesem Thema befragt.

Weiter frage ich mich warum jemandem, der davon lebt Solartechnik zu beraten und zu verkaufen und dieses seit über 10 Jahren erfolgreich tut, Lobhudelei unterstellt wird.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Wir sind Kunden von Herrn Schestag. Seit gut 10 Jahren schon. Wir haben uns seinerzeit mit dem Thema Solarenergie auseinander gesetzt, uns von verschiedenen Seiten beraten lassen und uns dann dafür entschieden, das Angebot von Herrn Schestag zu nutzen.

Bevor jemand unterstellt, ich sei befangen und wolle dem Verkäufer meiner Solarthermischen -und meiner Solarstromanlage nach dem Mund reden:

Seit wir beide Anlagen betreiben sind die Berechnungen von Herrn Schestag aufgegangen und gar übertroffen worden.

Ich übermittle Herrn Schestag jedes Jahr aufs Neue gerne die Daten, die er abfrägt, um seine eigenen Berechnungen zu überprüfen und zu verifizieren.

Ich konnte bislang nicht feststellen, dass Herr Schestag uns in irgendeiner Form Informationen weiter gab, die unrichtig, unlauter oder gar nicht nachvollziehbar waren.

Ich bin weder Ultragrün noch Öko oder sonstwas. Die Entscheidung Solarenergie zu nutzen war einfach dem Wunsch entsprungen, unserem Haushalt auf diesem Weg weniger Stromverbrauch zu bescheren. Photovoltaik zu nutzen war die logische Konsequenz aus der Erfahrung, die wir mit der Solarthermie gemacht haben.

Ich werde sicher bei nächster Gelegenheit die Speichermöglichkeiten des aus Sonnenkraft gewonnenen Stromes nutzen, einfach um von Konzernen unabhängig zu werden, die sich gegenseitig unterbieten, die plötzlich bankrott sind und ihre Kunden von jetzt auf gleich vor das Problem stellen, ob der Kühlschrank morgen noch kühlt.

Um von dem völlig unübersichtlichen und unverständlichen Angebot unabhängig zu sein, das die Energiekonzerne mir unterbreiten und dem ich als Verbraucher nicht mehr folgen kann und will.

Danke für diesen Beitrag Jochen Wolf.

Markus Böhmer

Kosten-Nutzen-Rechnung

Guten Tag Herr Schönherr,
dieses Verhältnis war für Solarstrom 2008 bei etwa 20 zu 2.
Beim Solarstrom ist ja gerade die enorme Kostenreduktion in den letzten 10 Jahren so beeindruckend und wegweisend. So ist Offshore-Windstrom heute mit rund 18 ct/kWh teuerer als Solarstrom mit unter 15 ct/kWh. Und der Offshore-Windstrom muss auch noch aufwändig und teuer verteilt werden. Solarstromanlagen kleiner und mittlerer Größe produzieren aber meist genau dort den Strom, wo er auch verbraucht wird. Aber halt komplett dezentral.
Des ist aus der Sicht der zentral organisierten Konzerne halt ein Problem.

Milchmädchenrechnung

Solarstrom wird lt. EEG bevorzugt eingespeist. Dadurch muß der Strom zu Sonnenspitzenzeiten an europäische Nachbarn zu Schleuderpreisen abgegeben werden, wir Verbraucher zahlen weiterhin voll und brav einschließlich Abgaben.

Aber nicht nur das, Grundlastkraftwerke müssen zurückgefahren werden. Neue Grundlastkraftwerke lohnen deswegen kaum noch wirtschaftlich gebaut werden. Vielleicht führt man auch noch einen Grundlastpfennig ein? Das wäre doch einmal etwas Neues.

Ich kann verstehen, dass ein Verkäufer seine Ware anpreist, aber bitte nicht übertreiben. Die von Ihnen, Herr Schestag angegeben Kosten für Solar- und Windstrom kann ich nicht nachvollziehen. Schließlich liegt der Strompreis an der Börse zwischen 2 und 4 ct/kWh.

Alles andere sind Preisaufschläge, die die Politik mehr oder weniger willkürlich gemacht hat wie Umsatzsteuer, EEG-Abgaben, Ökosteuer, Netzentgelt, Umsatzsteuer auf die Abgaben und Ökosteuer ........

Wenn wir von Preisen sprechen muß man doch wohl unterscheiden, zwischen dem, was ein Erzeuger bekommt (Solar, Wind, atomar, Grundlast) und dem was der Kunde bezahlt.

Ich als Kunde bezahle den Strom, egal woher er kommt, ob Solar oder Wind ...., also ist er für mich immer gleich teuer, unabhängig von der Quelle.

Der Börsenpreis macht ebenfalls keine Unterscheidung zur Stromquelle. Das was Sie als günstigere Kosten für Solarstrom angeben ist somit rein politisch und gewollt (teilweise aus schwachsinnigen Festlegungen).

Also, wenn Sie als "Fachmann" etwas zu sagen haben, stellen Sie bitte alles richtig dar und nennen es beim Namen. Danke!

 

 

Aufklaerung taete Not

Interessante Aktion, dieser Artikel. Bei richtigen Zeitungen steht ueber solchen der Bgriff: "Anzeige".
Aber der Reihe nach. Man muss dem Herrn Schestag zugute halten, dass er keinen Versuch macht, die gruene Oekoideologie zu beschoenigen. Wer also viel Strom braucht, soll gefaelligst auch mehr zahlen, sonst spuert er den Schmerz nicht. Warum aber wird Solarstrom wenn er doch so gut und sauber ist, nicht einfach billiger? Dann wuerden sich doch andere Energietraeger von allein erledigen und gleichzeitig haetten alle was davon. Stattdessen gilt: Erziehung mit dem Holzhammer.
Wirklich toll: wenn schnee auf den Modulen liegt, erzeugt die Anlage natuerlich keinen Strom. Natuerlich ...
Naechste Frage, anstatt "wie stellen sie sich Energieerzeugung insbesondere in der energieintensiven kalten Jahreszeit vor?" Lautet: wie oft muesse die Dinger gereinigt werden? - Steilvorlage fuer den Kollegen: die reinigung uebernimmt die Natur!
Da wird mir richtig warm ums Herz. Allerding nur kurz. Ungefaehr bis zur naechsten Frage: was passiert mit dem Strom den ich nicht sekber brauche? - na den kriegt mein ebenso idealistischer Nachbar! Nach dem Spruch brauche ich erstmal eine Gruentee. Zur Beruhigung. Physikunterricht, Grundlagen? Hat da jemand nicht richtig aufgepasst?
Energetische Amortisation 1:10? Da muss ich doch gleich nochmal Heisses Wasser auf meinen gruentee giessen.
Dann noch ein bischen auf die boesse boesse Energielobbby schimpfen, das ist immer wohlfeil.
Aber zum Schluss kommt dann doch noch etwas ernsthaftigkeit ins Spiel: "Aufklaerung, Wissen und sachliche Information sind der Schluessel dazu." Was fuer ein wahres Wort. Allerdings haette ich mir etwas davon in der Anzeige gewuenscht.
Naja, die Partei der besseren Menschen, die genaugenommen die Partei fuer die besser verdienenden Menschen ist, zeigt dieser Tage wieder deutlicher ihre ideologische Verankerung. Aufklaerung tut offensichtlich Not!

Aufklaerung taete Not nachtrag

Eine Sache hab ich noch vergessen. Bei Cicero gibt es einen passenden Artikel zum Thema: http://www.cicero.de/berliner-republik/einseitiger-journalismus-pressefr...
Viel Spass beim Lesen!

Tolle Argumentation

"Wer also viel Strom braucht, soll gefaelligst auch mehr zahlen"

Faktisch ist es doch genau umgekehrt: Wer sehr viel Strom braucht, zahlt weniger! In manchen Fällen ist es für Großverbraucher sogar günstiger, Strom zu verprassen, damit man insgesamt weniger zahlen muß. Nur der "kleine" Mann ist immer der Dumme.

Antwort an Filou

Ja, jeden Sachverhalt bei jeder Aussage komplett und umfassend darzustellen ist schlichtweg unmöglich. Das geht Ihnen und mir so.
Zu einigen Punkten Ihrer Aussage möchte ich mich aber doch äußern:

"Solarstrom wird lt. EEG bevorzugt eingespeist..."
Das ist doch wohl auch richtig, da er, wie Sie ja sagen, eh schon bezahlt ist, sollte dieser doch auch genutzt werden.
Wenn wir durch die Einspeisung von Solarstrom dann an sonnigen Tagen "zu viel" Strom haben, ist das allerdings kein Problem der Solarstromanlagen, sondern eines unserer alten, überkommenen fosilen und atomaren "Grundlastkraftwerke". Diese sollten zu diesen Zeiten dann nämlich ihre Leistung drosseln.
Da das technisch bei diesen trägen Kraftwerkstypen nicht geht, wird der "Zuvielstrom" (ist nun der Solarstrom oder der Atom- bzw. Kohlestrom zu viel?) günstig an unsere Nachbarländer abgegeben.
Es gibt hierzu zwei mögliche Lösungen:
1. Ihre:
Baut doch weniger Solarstromanlagen!
2. Meine:
Baut anstelle weiterer Kohle-Grundlastkraftwerke doch lieber Gas-Spitzenlastkraftwerke!

Noch zu den "Kosten"
Im Energiemarkt sprechen wir in der Regel nicht von den "Kosten", sondern leidglich von den "Preisen".
Preise, die wir zum Beispiel für Kohle- und Atomstrom bezahlen müssen.
Die Kosten, welche unsere Gesellschaft für diesen Kohle- und Atomstrom bezahlen muss (Anpassung an den Klimawandel, Lagerung und Schadenbeseitigung beim Atomstrom, ...) sind aber ganz andere.
Bei den Errneuerbaren entsprechen hingegen die Preise fast den Kosten.
Solange wir also nicht auf gleichder Grundlage die Kosten vergleichen, lasse ich Aussagen wie "4 ct/kWh für Kohlestrom" nicht gelten.

So hat halt jeder seine Ansichten.
Ich wünsche mir nur,
dass dieses Interview und die Kommentare dazu, manche zum neuen Nachdenken bewegen konnten.

Antwort an Herrn Martin Günther

Ihre Frage "Warum aber wird Solarstrom, wenn er doch so gut und sauber ist, nicht einfach billiger?" verstehe ich nicht.
Schauen Sie sich die Kostenentwicklung der früheren "Weltraumtechnik" Solarstrom einmal an. Keine andere Energietechnik hat sich in so kurzer Zeit so stark verbilligt. Solarstrom wurde in rund 10 Jahren um über 70% günstiger!
Zum Thema "Preise" und "Kosten" lesen bitte meine oben stehende "Antwort an Filou".

Natürlich bekommt meinen überschüssigen Solarstrom, den ich nicht selbst im Haus verbrauche, mein Nachbar aus der Steckdose. Strom geht immer den kürzesten Weg. Das ist ja gerade einer der guten Gründe für die dezentrale Energieversorgung. Strom dort erzeugen, wo er auch gebraucht wird. Ohne lange Übertragungswege. Ohnen große Übertragungsverluste.

Zu Ihrer Frage "Energetische Amortisation 1:10?"
Ja, wenn dieses Thema nicht eindeutig geklärt ist, kann die weitere Diskussion ja nur schief gehen. Machen Sie sich hierzu schlau, nicht mit Beiträgen von vor 25 Jahren, sondern mit aktuellen Zahlen.
Und vergleichen Sie diese Werte dann mit einem konventionellen Kraftwerk (aber bitte hier nicht den Brennstoffeinsatz vergessen, wie das selbst bei dem sonst recht gut informierten "Wikkipedia" der Fall ist).
Als mir selbst vor über 15 Jahren dieser grundlegende Unterschied zwischen den konventionellen und den erneuerbaren Energien bewusst wurde, ist bei mir "der Groschen gefallen".
Gleiches wünsche ich heute vielen Lesern dieser Beiträge.

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