Einer der „bedeutendsten Componisten unserer Zeit“

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Veranstaltungen zur Erinnerung an Johann Evangelist Brandl | Bruchsaler Musikdirektor des späten 18. Jahrhunderts
Montag, 11. August 2014 - 12:16

Bruchsal (pa). Lange Zeit lag sie im Dornröschenschlaf im Passauer Dom-Archiv – nun erklingt sie, nach mehr als zweihundert Jahren, zum Patrozinium St. Damian und Hugo am Sonntag, 28. September, um 10.30 Uhr in der Bruchsaler Hofkirche. Die Rede ist von der Missa solennis in C-Dur für vierstimmigen gemischten Chor, Solisten, Orchester und Orgel aus der Feder des letzten Bruchsaler Hofmusikdirektors Johann Evangelist Brandl, dessen melodienreiches Werk derzeit im Rahmen musikwissenschaftlicher Wiederentdeckungen eine neue Wertschätzung erfährt. Einige seiner Kompositionen liegen sogar bereits als CD-Einspielung vor, und sie zeigen, wie geschickt Brandl in seinem Schaffen die Leichtigkeit eines Mozarts mit der Chromatik eines Bachs vereint. Tatsächlich war Brandls Name zu seinen Lebzeiten über Deutschlands Grenzen hinaus ein Begriff, Bewunderer schätzten ihn und nannten ihn einen „der bedeutendsten und achtungswerthesten Componisten unserer Zeit“.

Brandl

Johann Evangelist Brandl. Porträt um 1825

Zu diesen Bewunderern gehören heute, zwei Jahrhunderte später, auch Rigobert Brauch als Leiter des Bruchsaler Hofkirchenchors sowie Stadtarchivar Thomas Moos. Beide haben sich zusammengefunden, um aus Anlass des 225. Jahrestages der Berufung Brandls nach Bruchsal – 1789 kam der damals 29-Jährige an die fürstbischöfliche Residenz – diesem „achtungswerthen Componisten“ auch an seiner früheren Schaffensstätte zu neuer Bekanntheit zu verhelfen. Während Archivar Moos am Donnerstag, 25. September, um 19.30 Uhr bei freien Eintritt einen Vortrag über Leben und Werk Brandls im Kammermusiksaal des Schlosses hält, hat Brauch die C-Dur-Messe sowie ein feierliches Te Deum in D-Dur aus dem Jahre 1798 für das Hochfest des Patroziniums aufbereitet und mit seinem Chor einstudiert. All dies geschieht an historischer Stätte: Steht doch mit Brandl ein lokaler Komponist im Mittelpunkt, der auch die Kirchenmusik an der Hofkirche St. Damian und Hugo entscheidend mitgeprägt hat. Das Gloria seiner C-Dur-Messe charakterisiert eine fanfarenartige Eröffnung, im gesamten Werk wird auf engstem Raum das Ideal der klassischen Vorstellung von Dynamik verarbeitet, am Ende schließlich spielt Brandl mit dem imitatorischen Prinzip zwischen Frauen- und Männerstimmen.

Beide Veranstaltungen am 25. und 28. September würdigen somit die musikalische Schaffenskraft eines Komponisten, dem trotz seiner Vielseitigkeit und Bekanntheit zu Lebzeiten ein späterer bleibender Nachruhm über den Tod hinaus verwehrt blieb. Unterstützt wird die kleine Veranstaltungsreihe durch die Seelsorgeeinheit St. Damian und Hugo, durch die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und die Stadt Bruchsal.

 

Information

Donnerstag, 25. September, 19.30 Uhr

Schloss Bruchsal, Kammermusiksaal

Vortrag von Stadtarchivar Thomas Moos über Leben und Werk von Johann Evangelist Brandl

Eintritt frei

 

Sonntag, 28. September, 10.30 Uhr

Hofkirche St. Damian und Hugo

Festgottesdienst zum Patrozinium mit Werken von J. E. Brandl (Missa solennis und Te Deum)

Hofkirchenchor, Gesamtleitung Rigobert Brauch

Öffentliche Veranstaltung

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